Gutes Benehmen lernen ohne Druck

Für ein angenehmes Miteinander braucht es gute Manieren. Doch wie bringt man seinen ­Kindern Anstandsregeln bei? Und welche sollen das heute überhaupt noch sein?
Im Bus sind alle Sitze belegt. Da steigt eine ältere Dame hinzu. Mit breitem Lächeln springt ein Mädchen auf und bietet ihren Sitz an. Die ältere Dame lächelt hocherfreut zurück. Auch die anderen Gäste sind von den Manieren des Mädchens sichtlich begeistert. Gutes Benehmen ist gern gesehen. Laut einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach hätten es die meisten Befragten den Fahrgästen übelgenommen, wenn niemand aufgestanden wäre. Rücksicht auf die eigenen Mitmenschen zu nehmen, ist nach wie vor eine Tugend in unserer Gesellschaft.

Rücksichtsvoll zu sein bedeutet beispielweise nicht zu drängeln, nicht übertrieben laut aufzutreten, sein Gegenüber aussprechen zu lassen und zu einer Verabredung pünktlich zu erscheinen. Die grosse Mehrheit der Befragten legt gemäss der Umfrage Wert auf diese Verhaltensregeln. Und die anderen Befragten kommen nicht um sie herum. Denn, so die Kommunikationsexpertin Nandine Meyden: «Gute Umgangsformen sind grundlegende Spielregeln für das Miteinander in unserer Gesellschaft.» Eltern, die beim Stichwort «Manieren» an Strenge, Kindertränen und blanke Elternnerven denken, können aufatmen: Das Gespür für ein gutes soziales Miteinander bekommen wir quasi in die Wiege gelegt. «Bereits 19 Monate alte 

Kleinkinder zeigen soziale Emotionen wie Empathie und Rücksicht, Zweijährige ein Bewusstsein dafür, ob ein Verhalten richtig oder falsch ist», wie Moritz Daum, Professor für Entwicklungspsychologie an der Universität Zürich, sagt. Und Dreijährige können ihren sozialen Gerechtigkeitssinn verbal ausdrücken: Sie kritisieren beispielsweise eine Puppe in einem Spiel, wenn diese eine Regel bricht.

Kleinkinder besitzen ein beachtliches Bewusstsein für andere Menschen. Für Eltern ist das eine wunderbare Grundlage, das soziale Gespür ihrer Kinder Tag für Tag zu fördern. Das führt langfristig zu guten Umgangsformen und anderem wünschenswertem Verhalten wie Zivilcourage. Das fängt schon im Kleinen an. Zum Beispiel indem der Vater das Kind im Bus darauf aufmerksam macht, wenn es zu laut ist. Dabei erklärt er, dass die anderen Fahrgäste womöglich müde sind oder schlicht ihre Ruhe wünschen. So laden Eltern ihr Kind dazu ein, seinen Mitmenschen Aufmerksamkeit und Empathie zu schenken.
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