Redaktionsblog

Was kochen für vier gefrässige Jungs?

In unserer Serie «Wir fragen uns ...» stellen wir von Fritz+Fränzi uns gegenseitig Fragen aus dem grossen Familienuniversum. Auf die Frage von Thomas Schlickenrieder, Geschäftsführer der Stiftung Elternsein, antwortet Autorin Claudia Landolt.
Text: Claudia Landolt
Bild: Pexels
«Liebe Claudia, du hast zu Hause fünf kleine und grosse Männer mit immer knurrenden Mägen. Wie kommst du um die tägliche Pasta-Falle herum?» 
Lieber Thomas, und was kochst du so? Das ist tatsächlich eine Frage, die mich oft beschäftigt.  Als ich noch keine Kinder hatte, malte ich mir aus, wie es sein wird, das Familienessen im trauten Heim. Etwa so:
Es war einmal eine Familie, die traf sich dreimal täglich am langen Esstisch. Mutter, Vater, vier Kinder. Sie genossen das Essen, vergnügten sich mit allerlei Erzählungen und erzählten von ihrem Tag und von ihren Erlebnissen. Alle assen gesittet, die Kinder futterten dankbar und lobten das Essen.

Keinesfalls schlang irgendeine Person am Tisch das Essen in fünf Minuten hinunter, meckerte über das Gemüse, verschüttete Wasser und begab sich dann unter den Tisch, um den Wasserlauf zu begutachten. Oder mokierte sich über die Tomatenstückchen an den Nudeln und versuchte, die Nudeln mit der Sauce von den Nudeln ohne Sauce zu trennen.

Heute weiss ich: Solche Familien gibt es in Wirklichkeit nicht, und wenn doch, will man entweder nicht dazugehören oder gar nicht erst von ihrer Existenz erfahren. Es beginnt bereits damit, dass reale Familien mit Schulkindern nicht täglich ihre Mahlzeiten gemeinsam einnehmen können. Wer mehr als ein Kind hat, weiss schon bald, dass es unterschiedliche Stundenpläne gibt, was schon mal bedeutet, dass ein gemeinsames Morgenessen nicht immer stattfindet. Das gleiche gilt für die Abendessen, die je nach Freizeit- oder Lernaktivitäten der Kinder und Verpflichtungen der Eltern an manchen Tagen ebenfalls etwas disparat ausfallen.

Doch die Sache mit dem Essen gehört zu den Dingen, die einem niemand vor der Familiengründung sagt. Man denkt an Trotzanfälle vor der Einkaufskasse oder pubertäre Unmutsbekundungen wegen abgestelltem Wlan. Aber von der Herausforderung, an sieben Tagen die Woche täglich zwei bis drei Mal warm zu kochen, wurde ich kalt erwischt.

Denn mit fünf Männern zu leben, heisst eigentlich vor allem: Kühlschrank füllen und kochen. Denn das berühmte Schweizer Znacht mit «café complet», Milchreis oder Birchermüesli geht für vier Jungs im Wachstum höchstens als Appetizer durch. Heisst: Ich bräuchte eigentlich ein eigenes Weizenfeld.
Baste Pasta? Von wegen! Ein eigenes Weizenfeld wäre gut! Claudia Landolts Jungs haben einen gesunden Appetit. Foto: privat
Baste Pasta? Von wegen! Ein eigenes Weizenfeld wäre gut! Claudia Landolts Jungs haben einen gesunden Appetit. Foto: privat
Du fragst dich also, was ich so koche? Bei uns gibts morgens Porridge mit Brot, Orangensaft, Müesli. Mittags Salat, Fleisch/Fisch, Beilage sowie Gemüse, zum Zvieri Früchte und manchmal ein Stück Wähe oder Birchermüesli, abends dann wieder etwas Warmes, bestehend aus Proteinen, Kohlenhydraten, Gemüse. Mein Ältester braucht dann gegen 21 Uhr oft noch einen Snack, gerne die Reste vom Zmittag.

Wer sich fragt, wie oft ich einkaufen gehe, dem sei gesagt: Zweimal die Woche. Ein Wägeli vom Grossverteiler bis zuoberst gefüllt. Unser Essensbudget ist so hoch wie die Miete einer hübschen 3.5 Zimmer-Altbauwohnung in Zürich. Manchmal auch mehr – wenn Essenseinladungen anstehen, Schulreisen oder regelmässig andere Kinder zum Mittagessen kommen.

Die Frage: Was also kommt auf den Tisch? Schon wieder Spaghetti?, stelle ich mir mehrmals die Woche. Die Ernährungsempfehlung ist klar; zuviel Kohlenhydrate sollten es nicht sein, auch wenn man damit gefrässige Kinder am besten satt kriegt. Pro Tag sollten Kinder fünf Portionen Gemüse, Salat und Obst essen, dazu kommen vier Portionen Brot, Getreide und Beilagen sowie Milchprodukte, so die Empfehlungen für Fleisch/Fisch und Öle.

Diese Empfehlung lässt aber so manche Eltern etwas ratlos.
Wäre ein Kind allergisch auf ein bestimmtes Lebensmittel, bekäme ich die Schnappatmung. Immerhin beruhigt mich ein Zitat der Ernährungsexpertin Sonia Thommen, das ich kürzlich gelesen habe. Thommen sagt: «Schon nur eine vierköpfige Familie gesund, ausgewogen und doch erschwinglich zu ernähren, ist heute manchmal ein wahres Kunstwerk».

Nun also konkret: Ich koche nach Menüplan. Diesen mache ich idealerweise samstags, wenn der Wocheneinkauf (den übrigens mein Mann erledigt) ansteht. Der Menüplan hängt auch von den schulischen und ausserschulischen Aktivitäten der Kids sowie den zusätzlichen Kids, die mittags oder auch mal abends bei uns essen, ab.

Zweimal die Woche steht bei uns Fisch auf dem Menüplan. Doch Fisch ist ja bekanntlich nicht gleich Fisch, und so steht man doch manchmal unentschlossen vor der Fischauslage und versucht herauszufinden, was am besten ist? Bei uns gilt folgende Regel: Einmal genau den Fisch, wie wir Erwachsene ihn lieben. Also etwa Lachs aus dem Ofen oder Loup de Mer auf Gemüsebeet. Das andere Mal ein Evergreen, den die Kinder mögen: Fisch-Chnusperli mit Kartoffeln, beispielsweise. 

Tönt super, findest du? Ich eigentlich auch. Meine Kinder aber weniger. Ein Beispiel: Vergangenen Samstag kam Lachs mit Reis, Spargeln und Salat auf den Tisch. Als Dessert Erdbeeren mit Rahm.

Die Reaktionen:

Mutter und Vater sind froh, wenn sie das Essen warm geniessen können

  • Kind 1 findet, es habe in seinem Leben schon zuviel Lachs essen müssen und stopft sich daher voll mit Reis. 

  • Kind 2 liebt Reis nicht so innig wie der ältere Bruder, mag dafür Lachs sehr. Also schnappt er sich dessen Portion.

  • Kind 3 ist ein unkomplizierter Esser und isst von allem etwas, Hauptsache keine Spargeln!

  • Kind Nr. 4 isst alles, was auf dem Teller ist, sofern es Mayonnaise oder Ketchup dazu darf. Dann findet es auch Lachs ok.

Und Mutter und Vater? Die sind froh, wenn sie ihr Essen warm geniessen können. 

Kind Nr. 1 und 2 schleichen zwei Stunden nach dem Mittagessen unter einem Vorwand schon wieder in der Küche herum. Erneut Hunger. «Mama, zum Zmittag gabs nur Fisch!» Nach zweiminütiger Diskussion essen sie zuerst einen Apfel und ein paar Nüsse, bevor sie die Hälfte des Kilo-Zopfes verspeisen, der für das Zmorge gedacht war.
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Weniger umstritten als Fisch ist Pasta

Sie macht alle satt und zufrieden. Oft gibt’s auch Vollkornpasta statt Weizendinger. Diskussionspunkt aber ist die Sauce. Ich mache also Pasta all Amatriciana, ein Klassiker aus der italienischen Küche mit viel Speck (letzteren lieben alle ausser mir). Dazu viel Salat, eine Portion Gemüse, als Dessert Jogurt mit frischen Früchten und ein Stück Schokolade.

Die Reaktionen:
  • Kind Nr. 1: Warum hat es nur so wenig Speck?

  • Kind Nr. 2: Was ist dass denn für eine Sauce? Sind das etwa Tomaten?

  • Kind Nr. 3: Ich finds mega fein!

  • Kind Nr. 4: Mamaaaaa, ist da etwa Tschili drin?

Notiz: Die Tomatensauce auf der Pizza am nächsten Tag wird püriert. Bei Kind Nr. 1 ist das Verhältnis von Tomatensauce und Speck umgekehrt disproportional. Zum Dessert gönnt er sich Zitronensorbet. Aus der 600ml-Packung. Er lässt zwei Kugeln für Kind Nr. 4 übrig. 
Nr. 2 geht in den Keller und holt sich ein Cornet, Nr. 3 will ein bestimmtes Wasserglacé, das Kind Nr. 4 am Nachmittag heimlich zusammen mit seinem Freund geschleckt hat («Mama, ich wollte ihm mein Lieblingsglacé zeigen, und dann wurde es weich, und dann musste ich es doch essen, verstahsch?»). 
 Tischlein deck dich, Kühlschrank füll dich? Gäbig wärs ... Denn: So sieht ein (eher leerer!!!) Kühlschrank bei Claudia Landolt aus. Foto: privat
 Tischlein deck dich, Kühlschrank füll dich? Gäbig wärs ... Denn: So sieht ein (eher leerer!!!) Kühlschrank bei Claudia Landolt aus. Foto: privat
Man kann es also drehen und wenden, wie man will: Recht machen kann man es keinem. Und mit einer Nahrungstabelle im Kopf wird man zur totalen Spassbremse. So lange meine Kids viel draussen sind, sich oft bewegen und Sport treiben und mehr oder weniger alles essen, was auf den Tisch kommt, versuche ich, ans Essen nicht zu viel Energie zu verschwenden.

So habe ich meine Kinder gefragt, wie ihnen unser Essen schmeckt und was denn ihr absolutes Lieblingsgericht sei. Hier die Antworten.

  • Ja, aber zu viel Gemüse!
  • Wienerschnitzel
  • Burger
  • Pizza
  • Selbstgemachte Pastetli
  • Entrecôte vom Grill
  • Erdbeertörtli

(Ein Kind, das gerade mit uns ass, sagte: Mein Lieblingsessen ist Reis mit Naturjoghurt.)

So viel zur Vielfalt und ausgeklügeltem Ernährungsplan.

Kind Nr. 3 war kürzlich erstmals als Pfader im Pfingstlager. Dort mussten sie erstmals selbst kochen; überm Feuer, versteht sich. Als der Zehnjährige am Montag heim kam, wünschte er sich Pizza zum Znacht. Am Tisch sagte er mir:  «Mama, dein exquisites (ich schwöre, dieses Wort hat er benutzt!)  Essen habe ich sehr vermisst.«

Ich gab ihm einen Schmatzer, sagte ihm, wie lieb das von ihm sei und bat ihn, diesen Satz zu wiederholen.

Damit ich ihn aufnehmen konnte. 

Die nächste Frage geht an Renata Canclini aus dem Sales-Team von Fritz+Fränzi: 

«Liebe Reni, du lebst in einer Patchworkfamilie. Was sind deine Tipps, damit dieses Miteinander gelingt?» 
Die Antwort ist mittlerweile erschienen:

Tipps für die Patchwork-Familiedie Antwort von Renata Canclini. 
Claudia Landolt ist leitende Autorin bei Fritz+Fränzi. Sie wohnt mit ihren vier Söhnen, Mann und Hund in der Nähe von Zürich. 

Bisher erschienen in der Rubrik Wir fragen uns: 







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