Redaktionsblog

Tipps für die Patchwork-Familie

In unserer Serie «Wir fragen uns ...» stellen wir von Fritz+Fränzi uns gegenseitig Fragen aus dem grossen Familienuniversum. Auf die Frage von Claudia Landolt, leitende Autorin, antwortet Sales-Managerin Renata Canclini.
Aufgezeichnet von: Claudia Landolt
Bild: Pixabay
«Liebe Reni, du lebst in einer Patchworkfamilie. Was sind deine Tipps, damit dieses Miteinander gelingt?» 
Claudia Landolt
Liebe Claudia, ich glaube, dass ich grosses Glück hatte, dass sich in meinem Leben vieles so gut entwickelt hat. Von meinem Ex-Mann habe ich mich nach 17 Jahren Ehe getrennt, als meine Kinder fünf und zwölf Jahre alt waren. Die Scheidung war nicht einfach. Mein Ex-Mann zog schon kurz nach der Trennung in einen anderen Kanton. Die Distanz zum Wohnort des Vaters war relativ gross und so sahen die Kinder ihren Vater nur selten. Meine Mutter war mir und meinen Girls in dieser nicht einfachen Zeit eine grosse Stütze.

Rückblickend hatte diese Trennung auch Gutes, denn ich konnte mich bewusst mit meiner damaligen Beziehung und der Trennung auseinandersetzen und mich so wiederfinden. Ich lebte mit meinen Mädchen fünf Jahre alleine und genoss diese «männerlose» Zeit sehr. Dann lernte ich meinen jetzigen Partner kennen. Es war Liebe auf den ersten Blick und diese Liebe hält schon 13 Jahre. Mein Partner ist verwitwet und hat drei Kinder, alle mittlerweile erwachsen.

Wir zogen erst in eine gemeinsame Wohnung als vier unserer fünf Kinder mit ihren Ausbildungen fertig waren und eigene Wege gingen. Sieben Jahre pendelten wir zwischen unseren Wohnorten hin und her, genossen als Grossfamilie die gemeinsamen Ferien und verbrachten jedes Wochenende zusammen bei mir oder ihm. So funktionierten wir als Patchworkfamily.

Die Kinder konnten in ihrer gewohnten Umgebung erwachsen werden. Für alle Beteiligten stimmte diese temporäre Lebensform und brachte so viele spannende und bereichernde Momente. Uns war es wichtig, dass die Kids nicht aus ihrem gewohnten Zuhause herausgerissen wurden. Als wir uns kennenlernten, waren unsere Kinder Teenager, also in einem nicht einfachen Alter. Wären wir sofort als Grossfamilie zusammengezogen, hätten die Konflikte wahrscheinlich nicht lange auf sich warten lassen. Davon waren wir beide überzeugt. Für uns stimmte in dieser Zeit die getrennte Wohnform und wir würden wieder so entscheiden.

Meine Tipps für Patchwork-Familien:

1. Wenn es die Situation zulässt, sollte man den Kindern ermöglichen, dass sie auch nach einer Scheidung in ihrem gewohnten Umfeld heranwachsen können. Idealerweise bis sie mit ihrer Ausbildung fertig sind. Getrennte Wohnsituationen können für eine neue Beziehung spannend sein und Erziehungskonflikte sind seltener. Der Alltag kehrt nicht so schnell ein und die Schmetterlinge im Bauch bleiben länger.

2. Sich nicht einmischen in die Erziehung der Stiefkinder. Das ist leichter gesagt als getan, aber eine goldene Regel. Es ist von Vorteil, wenn man sich in die Diskussion mit seiner Meinung einbringt, wenn diese von den Kindern des andern erwünscht ist oder eingefordert wird. Nicht zusammenleben erleichtert diese Maxime natürlich.

3. Keinen Anspruch haben, das neue Mami oder der neue Papi der Stiefkinder sein zu wollen.

4. Es gibt immer wieder Zeiten, in denen man emotionale Hochs und Tiefs durchlebt. Diese Gefühle darf und soll man zulassen, sie gehören ganz einfach zu einer Patchworkfamilie.

5. Erst wenn die alte Beziehung wirklich verarbeitet und abgeschlossen ist, funktioniert der Aufbau einer neuen Liebschaft. Den alten Rucksack sollte man stehen lassen und mit einem Neuen und Leeren in die Zukunft gehen. Wenn wieder Ordnung und Ruhe im eigenen Leben eingekehrt ist, steht einer neuen Beziehung nichts im Weg.

Die nächste Frage geht an Éva Berger: 

«Liebe Éva, mit drei Teenagern zuhause bist du vom Vollzeit-Mami wieder 100 Prozent in den Beruf eingestiegen. Wie war das für dich?» 
Renata Canclini
Renata Canclini ist Sales-Managerin beim Elternmagazin Fritz+Fränzi. Sie ist Mutter von zwei erwachsenen Töchtern im Alter von 23 und 30 Jahren und lebt im Kanton Zürich.
Die Antwort ist mittlerweile erschienen

Vom Vollzeitmami zurück in den Job:
Die Antwort von Éva Berger. 

Bisher erschienen in der Serie «Wir fragen uns»:







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