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Redaktionsblog

Wie macht ihr das mit der Zweisprachigkeit?

In unserer Serie «Wir fragen uns ...» stellen wir uns in der Redaktion gegenseitig Fragen aus dem grossen Familienuniversum. Auf die Frage von Autorin Claudia Landolt antwortet die stellvertretende Chefredaktorin Evelin Hartmann.
Text: Evelin Hartmann
Bilder: Pixabay und privat
«Liebe Evelin, du und dein Mann, ihr redet beide Hochdeutsch. Wie macht ihr das mit euren beiden Mädchen? Sprechen die beiden Hoch- oder Schweizerdeutsch?» 
Claudia Landolt, leitende Autorin
Liebe Claudia, du fragst wie wir das machen mit der Zweisprachigkeit. Nun, kurz gefasst: Mein Mann und ich sprechen Hochdeutsch und unsere Kinder Schweizerdeutsch. Die Grosse mittlerweile wie eine waschechte Lozärnerin. 
So weit – so normal. Schliesslich sind unsere Kinder hier geboren. Was uns überrascht hat, ist die Tatsache, dass sie noch nicht einmal in den eigenen vier Wänden in ihre Muttersprache switchen. Und auch nicht bei den Grosseltern, die notabene null Schweizerdeutsch verstehen. Das führt mitunter zu lustigen Situationen: 

«a-neh!»
Ein Sonntagmittag in München, mein Mann und ich sind unterwegs, die Tochter sitzt im Hochstuhl und soll essen. 
«Hans, was will das Kind?» 
«a-neh!»
«Was?» 
«a-neh!»
«Komm, wir schieben sie erst einmal an den Tisch, dann sehen wir weiter.»*
Wir wissen, es gibt sie, Kinder, die zweisprachig aufwachsen und perfekt die Landes- und ihre Muttersprache sprechen, je nachdem, an wen sie das Wort richten. Unsere tun das (noch) nicht.

Mein Mann kam vor 11 Jahren nach Luzern, ich vor 7. Da hätte man Mundartkurse besuchen können, oder einfach drauflosreden. Aber wir, Mundart? So fliessend sprechen, dass es keinem weh tut in den Ohren? Keine Chance. Also haben wir es erst gar nicht versucht. 
Dann kam unsere erste Tochter zur Welt – und mit acht Monaten in die Krippe. Mehrere Tage pro Woche, rechtzeitig, um die entscheidenden Monate und Jahre der Sprachentwicklung von Schweizer Erzieherinnen, Kindern und deren Eltern umgeben zu sein. Das erste Wort unserer Tochter? «Abekeit» (nach «Mama» versteht sich.) 
Evelin Hartmann mit ihren beiden Töchtern
Evelin Hartmann mit ihren beiden Töchtern
Deutschland, das ist Oma und Opa, Tante, Onkel, ihre Cousins – die Schweiz, das sind wir.   
Wie das ist, wenn die eigenen Töchter eine andere Sprache sprechen, als man selbst? Es ist toll – schliesslich sind sie hier zuhause. Sie müssen (fast) jeden Tag in die Krippe, Kindergarten, auf den Spielplatz und bald in die Schule gehen. Sie müssen Gspänli finden, Geheimnisse teilen, sich streiten und wieder vertragen. Das geht am besten in der Sprache der anderen.
Und doch hofft das Mutter-, beziehungsweise Vaterherz, dass all das irgendwo in den Köpfen der Kinder gespeichert ist, jedes Wort, jeder Satz, alle Lieder, die man gesungen hat und nur darauf warten, eines schönen Tages in astreinem Hochdeutsch über die Lippen zu gehen.

Zugegeben, ganz astrein ist ihr Schweizerdeutsch auch nicht. Besonders die Kleine (fast 3 Jahre alt) spricht ein ziemliches Kauderwelsch. Und ihre Eltern tun es ihr mehr und mehr gleich. «Schmeiss das Papier in den Güsel, nicht in die Stube.» Elternschaft verändert.
In unserem Wohnzimmerregal gibt es ein Kinderbuch, dessen Geschichte in drei Sprachen erzählt wird: Hochdeutsch, Englisch und Lozäärnerisch. Und ja, manchmal bin ich mutig – und finde mich gar nicht so schlecht. Eine Einschätzung, mit der ich ziemlich allein dastehe. «Mama, hör uf, normal rädää!». Mein Mann: «Redest du finnisch?»
Das wird wohl so bleiben, mit unserer Zweisprachigkeit.   

Der Eintritt unserer Erstgeborenen in den Kindergarten hätte etwas verändern können. Schliesslich werden dort die Arbeitsaufträge auf Schriftdeutsch formuliert. Seitdem spricht unsere Tochter mehr Hochdeutsch – aber nicht wie wir, sondern wie ihre Freundinnen, die gerade eine neue Sprache lernen.

Der Mensch ist ein soziales Wesen, und hat das ureigene Bedürfnis sich an seine Umwelt anzupassen.
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* Bingo! Mit «a-neh!» meinte unsere Kleine natürlich genau das, nämlich: «ran an den Tisch!»

Thumbnail evelin hartmann
Evelin Hartmann ist stellvertretende Chefredaktorin. Ihre Töchter sind (fast) 3 und 6 Jahre alt. 

Die nächste Frage geht an Patrik Luther, stellvertretender Verlagsleiter: 

Lieber Patrik, eure Mädchen sind 5 Jahre auseinander. Wie macht ihr das in eurer Freizeit? Findet ihr ein gemeinsames Programm, das beiden Spass macht? 

Die Antwort ist erschienen: 


Bisher erschienen in der Rubrik «Wir fragen uns»: 



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