Drogensüchtige Jugendliche: Was tun, wenn das Kind abhängig wird?
Familienleben

Wege in die Sucht

Alkohol, Tabak, Cannabis, Ecstasy – Rauschmittel auszuprobieren, gehört für viele Teenager dazu. Der Markt an Substanzen ist in den letzten Jahren allerdings rasant gewachsen. Dazu kommen neue Formen von Suchtverhalten in der digitalen Welt. Wann müssen Eltern hellhörig ­werden? Wie sollen Mütter und Väter reagieren, wenn der Sohn rund um die Uhr am Gamen ist oder die Tochter ­volltrunken heimkommt? Wann ist viel zu viel?
Text: Claudia Füssler
Bild: Alamy Stock Photo
Süsse Cocktails oder Wodka-Cola im Ausgang am Wochenende, dazu ein paar Zigaretten und vielleicht auch mal einen Joint. Nach Schulschluss wird mit einem Bier abgehängt und am Abend lädt die beste Freundin zum Shisha-Rauchen ein. Die Verlockungen, die sich jungen Menschen heutzutage bieten, sind gross und zahlreich. Viele geben ihnen nach, probieren sich aus. Rauschmittel im Geschäft oder im Club zu bekommen, stellt kein grosses Problem dar. 

Bei den meisten Jugendlichen bleibt es bei einem Ausprobieren, sie konsumieren eine Weile und hören dann ganz auf. Einige jedoch nicht, sie werden abhängig. Wieso ist das so? Warum können manche Jugendliche ohne gravierende Folgen zwei- oder dreimal auf Ecstasy tanzen oder Kokain schnupfen, während andere nach immer mehr, immer stärkeren Rauschmitteln verlangen? Ab wann wird aus einer Gewohnheit eine Sucht? Und was können Eltern tun, um ihre Kinder vor solchen Erfahrungen zu schützen? Sollten sie es überhaupt? 
Dieser Text stammt aus dem Märzheft 2020. Sie können das gesamte Heft hier als Einzelausgabe bestellen. 
Dieser Text stammt aus dem Märzheft 2020. Sie können das gesamte Heft hier als Einzelausgabe bestellen. 
Der Fokus dieses Dossiers liegt auf sogenannten substanzgebundenen Süchten, also der Abhängigkeit von Alkohol, Tabak, Cannabis, ­Ecstasy, Kokain, LSD, Heroin, Medikamenten oder anderen Mitteln. Darüber hinaus gibt es aber auch nichtsubstanzgebundene Süchte. Ganz oben steht in dieser Tabelle seit einigen Jahren das Internet, dicht gefolgt vom Gaming, darunter  fallen aber auch etwa Glücksspiel, Arbeitssucht oder Kaufzwang. 

Der Konsum wird verharmlost 

Seit etwa fünf, sechs Jahren sind die Konsumraten bei Alkohol, Zigaretten und Cannabis in der Schweiz konstant, sagt Sucht Schweiz, und warnt gleichzeitig vor neuen Entwicklungen. Zum einen würden sich bestimmte Konsummuster wie das Rauschtrinken verfestigen. Zum anderen steige die Produktevielfalt derart rasant an, dass keiner mehr den Durchblick habe. Im Anfang Februar veröffentlichten Suchtpanorama Schweiz 2020 betonen die Fachpersonen von Sucht Schweiz, dass sich die Marketingmassnahmen gerade auffällig an die jüngere Generation richten und den Konsum verharmlosen. 

Die Alkoholindustrie setzt demnach auf Lightdrinks, aromatisierte Drinks und bunte, wie Schleckzeug verpackte Shots, um für jeden Geschmack etwas zu bieten. Gleichzeitig suggerieren Tabakproduzenten, mit den neuen Tabakerhitzern sei quasi ein cleanes Rauchen möglich und mit E-Zigaretten könne man die Freude am Qualmen ohne das gesundheitliche Risiko haben. Tatsächlich weckt die E-Zigarette die Neugierde der 15-Jährigen. Mehr als die Hälfte der Buben und mehr als ein Drittel der Mädchen haben schon einmal «gedampft» und an einer E-Zigarette gezogen. Das ist ein höherer Anteil als bei der klassischen Zigarette. Zudem haben in den vergangenen 30 Tagen vor der Befragung rund 14 Prozent der 15-jährigen Buben Shisha geraucht. 
Sucht Schweiz stellt fest, dass sich die Marketingmassnahmen der Alkoholindustrie derzeit 
­auffällig an die jüngere ­Generation richten. 
«Natürlich wäre es optimal, wenn wir Kinder und Jugendliche komplett vor dem Konsum süchtig machender Substanzen schützen könnten», sagt Florian Ganzer, «doch das ist praktisch unmöglich: Dieses Ausprobieren dessen, was die Eltern einem verbieten wollen, ist ja quasi entwicklungstypisch für die Adoleszenz.» 

Ganzer ist Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und hat lange in Hamburg auf einer Jugendsuchtstation gearbeitet, ehe er an die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich wechselte. Deren Tagesklinik in Winterthur betreut einen Teil ihrer Patienten mit verschiedenen psychischen Störungen und einer Sucht­erkrankung. 
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<div>Dieser Artikel gehört zum <a href="https://www.fritzundfraenzi.ch/dossiers/sucht"><strong>Online-Dossier Sucht. </strong></a>Lesen Sie mehr zu folgenden Fragen: Wann müssen Eltern hellhörig ­werden? Wie sollen Mütter und Väter reagieren, wenn der Sohn rund um die Uhr am Gamen ist oder die Tochter ­volltrunken heimkommt? Wann ist viel zu viel?&nbsp;</div>
Dieser Artikel gehört zum Online-Dossier Sucht. Lesen Sie mehr zu folgenden Fragen: Wann müssen Eltern hellhörig ­werden? Wie sollen Mütter und Väter reagieren, wenn der Sohn rund um die Uhr am Gamen ist oder die Tochter ­volltrunken heimkommt? Wann ist viel zu viel? 

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