Redaktionsblog
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Mutter und Vater sind froh, wenn sie das Essen warm geniessen können

  • Kind 1 findet, es habe in seinem Leben schon zuviel Lachs essen müssen und stopft sich daher voll mit Reis. 

  • Kind 2 liebt Reis nicht so innig wie der ältere Bruder, mag dafür Lachs sehr. Also schnappt er sich dessen Portion.

  • Kind 3 ist ein unkomplizierter Esser und isst von allem etwas, Hauptsache keine Spargeln!

  • Kind Nr. 4 isst alles, was auf dem Teller ist, sofern es Mayonnaise oder Ketchup dazu darf. Dann findet es auch Lachs ok.

Und Mutter und Vater? Die sind froh, wenn sie ihr Essen warm geniessen können. 

Kind Nr. 1 und 2 schleichen zwei Stunden nach dem Mittagessen unter einem Vorwand schon wieder in der Küche herum. Erneut Hunger. «Mama, zum Zmittag gabs nur Fisch!» Nach zweiminütiger Diskussion essen sie zuerst einen Apfel und ein paar Nüsse, bevor sie die Hälfte des Kilo-Zopfes verspeisen, der für das Zmorge gedacht war.

Weniger umstritten als Fisch ist Pasta

Sie macht alle satt und zufrieden. Oft gibt’s auch Vollkornpasta statt Weizendinger. Diskussionspunkt aber ist die Sauce. Ich mache also Pasta all Amatriciana, ein Klassiker aus der italienischen Küche mit viel Speck (letzteren lieben alle ausser mir). Dazu viel Salat, eine Portion Gemüse, als Dessert Jogurt mit frischen Früchten und ein Stück Schokolade.

Die Reaktionen:
  • Kind Nr. 1: Warum hat es nur so wenig Speck?

  • Kind Nr. 2: Was ist dass denn für eine Sauce? Sind das etwa Tomaten?

  • Kind Nr. 3: Ich finds mega fein!

  • Kind Nr. 4: Mamaaaaa, ist da etwa Tschili drin?

Notiz: Die Tomatensauce auf der Pizza am nächsten Tag wird püriert. Bei Kind Nr. 1 ist das Verhältnis von Tomatensauce und Speck umgekehrt disproportional. Zum Dessert gönnt er sich Zitronensorbet. Aus der 600ml-Packung. Er lässt zwei Kugeln für Kind Nr. 4 übrig. 
Nr. 2 geht in den Keller und holt sich ein Cornet, Nr. 3 will ein bestimmtes Wasserglacé, das Kind Nr. 4 am Nachmittag heimlich zusammen mit seinem Freund geschleckt hat («Mama, ich wollte ihm mein Lieblingsglacé zeigen, und dann wurde es weich, und dann musste ich es doch essen, verstahsch?»). 
 Tischlein deck dich, Kühlschrank füll dich? Gäbig wärs ... Denn: So sieht ein (eher leerer!!!) Kühlschrank bei Claudia Landolt aus. Foto: privat
 Tischlein deck dich, Kühlschrank füll dich? Gäbig wärs ... Denn: So sieht ein (eher leerer!!!) Kühlschrank bei Claudia Landolt aus. Foto: privat
Man kann es also drehen und wenden, wie man will: Recht machen kann man es keinem. Und mit einer Nahrungstabelle im Kopf wird man zur totalen Spassbremse. So lange meine Kids viel draussen sind, sich oft bewegen und Sport treiben und mehr oder weniger alles essen, was auf den Tisch kommt, versuche ich, ans Essen nicht zu viel Energie zu verschwenden.

So habe ich meine Kinder gefragt, wie ihnen unser Essen schmeckt und was denn ihr absolutes Lieblingsgericht sei. Hier die Antworten.

  • Ja, aber zu viel Gemüse!
  • Wienerschnitzel
  • Burger
  • Pizza
  • Selbstgemachte Pastetli
  • Entrecôte vom Grill
  • Erdbeertörtli

(Ein Kind, das gerade mit uns ass, sagte: Mein Lieblingsessen ist Reis mit Naturjoghurt.)

So viel zur Vielfalt und ausgeklügeltem Ernährungsplan.

Kind Nr. 3 war kürzlich erstmals als Pfader im Pfingstlager. Dort mussten sie erstmals selbst kochen; überm Feuer, versteht sich. Als der Zehnjährige am Montag heim kam, wünschte er sich Pizza zum Znacht. Am Tisch sagte er mir:  «Mama, dein exquisites (ich schwöre, dieses Wort hat er benutzt!)  Essen habe ich sehr vermisst.«

Ich gab ihm einen Schmatzer, sagte ihm, wie lieb das von ihm sei und bat ihn, diesen Satz zu wiederholen.

Damit ich ihn aufnehmen konnte. 

Die nächste Frage geht an Renata Canclini aus dem Sales-Team von Fritz+Fränzi: 

«Liebe Reni, du lebst in einer Patchworkfamilie. Was sind deine Tipps, damit dieses Miteinander gelingt?» 
Claudia Landolt ist leitende Autorin bei Fritz+Fränzi. Sie wohnt mit ihren vier Söhnen, Mann und Hund in der Nähe von Zürich. 

Bisher erschienen in der Rubrik Wir fragen uns: 






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