Elternblog

Endlich: Ferien ohne Mama und Papa!

Die ersten Ferien ohne die mütterliche Kontrollinstanz. Da muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Wenn jetzt Mama noch lernt, loszulassen, gibt es einen easy Sommer. Für die ganze Familie.
Text: Irma Aregger
Bild: Jens Johnsson / Pexels
Jetzt also ist es soweit. Unser Sohn hat angekündigt, dass er diese Sommerferien elternlos verbringen will. Nun, er ist 18. Freunde von ihm sind schon mit 16 ohne Mama und Papa in den Urlaub gefahren. Töfflibuben, klassisch über den Gotthard, den Blick aufs Tessin gerichtet. Damals war ich froh, hatte der Bub bloss ein Velo im Keller. Die Grand Tour of Switzerland war für ihn kein Thema.

Dieses Jahr aber will er sich mit Julian, seinem Sandkastenfreund, ins Auto setzen, Scheiben runterlassen und den Wind durchs Haar ziehen lassen. Erklärtes Ziel: Amsterdam. Und nein, es soll kein Sprachurlaub werden. Vielleicht gehen die beiden mal ins Rembrandt-Museum, die meiste Zeit jedoch, da mache ich mir nichts vor, werden sie auf der Suche nach Van Goghs abgeschnittenem Ohr sein, eine Art Schnitzeljagd, von Coffeeshop zu Coffeeshop. 
«Sehe Gefahren, wo der gesunde Menschenverstand nur den Kopf schüttelt».
Mein Problem ist, dass ich mich schon Monate vorher ängstige, Gefahren sehe, wo der gesunde Menschenverstand beim besten Willen keine erkennen kann. Mein Mann ist da sehr entspannt. Ist er doch selbst längst vor seinem 18. Geburtstag ohne Eltern in die Ferien gefahren. Mit Rucksack auf dem Rücken und Interrail-Ticket in der Tasche.

Wenn es hoch kommt, hat er sich vielleicht einmal in eine Telefonkabine gestellt und die Nummer seiner Eltern gewählt. «Erfahrungen bringen dich weiter», sagt er, «auch mal schlechte». Und gut, würden die Eltern dann nicht immer alles erfahren. Sein Worte. Ich nehme sie mir zu Herzen. Nunja, ich versuche es.

18 Jahre alt – aber in Mamas Augen doch nicht ganz erwachsen 

Nichtsdestotrotz führen wir ein klärendes Gespräch mit unserem Sohn. 18 sein heisst ja nicht, den Dauerpass für sämtliche halluzinogenen Bewusstseinserweiterungen gelöst zu haben. Die Krankenkassenkarte gehört neben der ID und dem Gönnerausweis der Rega ins Portemonnaie. Wer das Auto lenkt, hat die Null-Promille-Grenze zu verinnerlichen, das gilt für Rauschmittel aller Art. Ebenso im Auto mitgeführte Substanzen können Auswirkungen haben. «Mama, isch klar imfall!», antwortet Sohnemann augenrollend.

Und jetzt, eben wo alles klar ist, kann der Kollege Julian doch nicht die gemeinsamen Ferien antreten. Er wird zu Hause gebraucht, ein Sommerjob ruft. Und alleine fahren will der Junior dann halt auch nicht, somit kein Amsterdam in diesem Sommer. Und meine Angst für null und nichts. 

Da vibriert das Handy und zwei Schulfreunde fragen, ob er nicht mit dem Auto mit ihnen nach Berlin fahren möchte ...

Über die Autorin:

Irma Aregger arbeitet als freischaffende Texterin. Die humorvolle Zürcherin kämpft abwechslungsweise mit dem eigenen Hormonhaushalt oder mit den Fahrkünsten des Sohnes, langweilig ist ihr selten. 

Mehr von Irma Aregger lesen:

  • «Chills Mama!»: Wer nicht planen kann, der muss leiden. Spätestens dann, wenn die eigenen Wechseljahre mit der Pubertät der Kinder zusammenfallen.

  • Armee: Links, zwo, drei - NEIN!: Erst noch hat der Knirps mit dem Holzgewehr den Garten unsicher gemacht. Nun ruft die Schweizer Armee. Der Sohn will Militär-Luft schnuppern - oder doch nicht?

  • Sohn am Steuer - ungeheuer?: Eben noch sass er auf dem Bobby Car. Und plötzlich sitzt der Junior vorne links im Auto. Wenn das nur mal gut kommt, meint seine Mama. 
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