Kein Sommerhaus, später - Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi

Kein Sommerhaus, später

Lesedauer: 2 Minuten
Vor vielen Jahren las ich eine Geschichte über den tragischen Umstand, «kein Sommerhaus zu besitzen». Ich verstand beim besten Willen nicht, was der Autor oder die Autorin zu so einem Text bewogen hatte. Ich war jung. Ich hatte keine Ahnung.
Heute, 15 Jahre und zwei Kinder später, weiss ich, was gemeint war. Denn auch ich habe kein Sommerhaus. Das Sommerhaus, das ich nicht besitze, liegt nicht in meinem Heimatland Finnland. Vom windschiefen, fast hundert Jahre alten Haus führt kein steiler Weg hinunter zum See. Und unten angekommen, versteckt hinter einer kleinen Klippe, findet man nicht die alte Sauna, die mein Vater damals im Sommer 1984 nicht renovierte und in der es nicht so wunderbar nach Teerholz riecht. In der dunklen Hitze sass ich nie als Kind auf dem Boden und lauschte meinem Onkel, wie er jedes Mal den gleichen Witz machte, wenn die Hitzewelle vom ersten Aufguss mein Gesicht traf wie eine glühende Peitsche: «Das hier, Kinder, ist besser als Sex.» Die Sauna hat auch keine Veranda mit kleiner Holzbank, auf der ich heute so gern nach dem Abkühlen sitze, die Füsse aufs Geländer gestützt, ein Bier in der Hand und den Blick aufs andere Seeufer gerichtet.
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