Ferien mit der Familie: Unsere Tipps

Das Meeresrauschen von den Sommerferien noch im Ohr, den feinen Glacégeschmack noch auf der Zunge – und doch könnte man schon wieder Ferien gebrauchen. Unsere Tipps für entspannte und gleichzeitig spannende Ferien mit der Familie. 
Es ist ein bisschen gemein, zugegeben. Soeben sind die ersten Wochen nach den langen Sommerferien geschafft und schon kommen wir wieder mit Ferien-Tipps. Doch wie alle ferienfreudigen Familien wissen: Gute Tipps sind immer willkommen und schöne Ferienorte leider auch ganz schön schnell ausgebucht. Drum verzeihen Sie uns das «Gluschtig-machen» – schicken Sie uns doch sonst eine Postkarte, dann sind wir wiederum neidisch. 

Hier kommen nun ein paar erprobte Ferien-Tipps aus der Fritz+Fränzi-Redaktion und Verlag. 

Claudia Landolt: Die französische Atlantikküste ist cooler als das Mittelmeer

Wir sind Fans des südwestfranzösischen Atlantik und der baskischen Küste. 500 Kilometer Strand, das heisst: viel Platz für Sandburgen, auch an hochsommerlichen Tagen.

Zehn Gründe, warum wir diese Küste mögen:

  • Das Lebensgefühl. In Shorts und barfuss, Haare wie ein Wischmop und der Blick in den Spiegel wird obsolet: Am Atlantik herrscht Surferstyle, heisst: super entspannte Atmosphäre, sogar in der Hochsaison. Man findet immer einen Platz in einem Restaurants, und kommt man zu spät, ist der Platz trotzdem noch reserviert.  Dieses kalifornischen Lebensgefühls wegen nennt man diesen Küstenabschnitt zwischen Bordeaux und Biarritz auch gern «Landifornie» (Les Landes bezeichnet den Küstenabschnitt zwischen Biscarosse und Bayonne).
  • Angenehme Temperaturen. Wer Atlantik hört, denkt oft: Brrr! Das ist ein Irrtum. Auch südlich von Bordeaux wird es richtig schön heiss. Aber selbst über 30 Grad sind angenehm, weil vom Meer her immer eine kühle Brise weht und es dank Wind gefühlt einige Grade kühler sind. 
  • Endlos lange Strände. Die Strände sind unendlich weit, lang und selbst im Hochhochsommer nie überfüllt. Man kann stundenlang spazieren gehen und begegnet anders als am Mittelmeer keiner Seele. Nur 34 Menschen teilen sich dort einen Quadratkilometer – im Gegensatz zu über 100 im Landesdurchschnitt. 
  • Wellen! Der Atlantik ist kein hübsches Püppchen, sondern eine abwechslungsreiche Naturschönheit. Man mag ihn oder hasst ihn. Wer lieber stundenlang in sehr warmem blauen Wasser vor sich hindümpelt, für den oder die sind die salzigen Wellen des Atlantiks eher nichts. Zumal die Wassertemperatur auch meist zwischen 20 und 24 Grad liegt.  Gewiss ist Schnorcheln dort schwierig, dafür kann man Wellen hüpfen, Bodyboarden und natürlich ganz toll surfen. Zudem sind die Strandabschnitte in den Monaten Juli und August gut überwacht, Rettungsschwimmer à la Baywatch gehören zum Standardangebot.
  • Ebbe und Flut, das Argument, um Kindern die Gezeiten zu erklären, den Mondzyklus und was Fliehkraft ist. Wer einmal bei Ebbe stundenlang am Meer entlang gelaufen ist, Muscheln gesammelt, Krabben gesucht und die grösste Sandburg überhaupt gebaut hat, weiss, wovon ich spreche. Da kann das Mittelmeer nicht mithalten, sorry, Leute.
  • Die schönsten Sonnenuntergänge. Entspannt im Sand sitzen, eventuell picknicken oder nach dem Abendessen ein Glacé geniessen und den wenigen Abendsurfern zusehen gehört zum tollsten überhaupt. Die Franzosen kommen oft erst um 19 Uhr für eine Abendsurfsession an den Strand.
  • Sport. Auch ältere Kinder und Jugendliche finden diese Küste toll, denn es gibt ziemlich viel sportliche Action. Die französische Atlantikküste ist ein Wassersportparadies, sie zählt zu den besten Surfrevieren in Europa: Von der spanischen Grenze gen Norden bis zur Silberküste bei Arcachon. Beliebteste Surfer-Hotspots sind Saint-Jean-de-Luz, Biarritz, Anglet und Capbreton. Es gibt auch zahlreiche Binnenseen, die gerade für jüngere Kinder ideal sind, um im seichten Wasser zu plantschen oder SUP zu üben.
  • Fahrradfahren. Es gibt sehr viele offizielle Fahrradwege und an den Stränden Parkplätze. Auch wer bei schlechtem Wetter – was am Atlantik schon mal vorkommen kann – einen kleinen Ausflug machen möchte, kann das gut mit dem Velo tun, und dabei noch die Landschaft geniessen. Auch der morgendliche Gang zum Bäcker fühlt sich mit einem französisch unperfekten Fahrrad einfach so richtig nach Ferien an.
  • Ausflüge, Sehenswürdigkeiten. Da ist die Liste lang. Manche Eltern freuen sich auf eine Weinverkostung und Restaurants, Kinder aufs Herumtollen im Schlosspark, Aquapark oder Kletterpark. Teenies sind vielleicht vom Cartfahren angetan. Auch die Trendstadt Bordeaux ist für einen Tagesausflug gut erreichbar. Rund 500 Schösser Weinschlösser gibt es rund um Bordeaux. Besondere Städtchen wie St. Emilion in der Dordogne oder Périgeux beziehungsweise Sarlat gehören dazu. Auch die weltberühmten, riesigen Dünen von Pyla sind nicht weit. Im mondänen Biarritz gibt’s das sehenswerte Aquarium mit Haien oder das Schokolademuseum. Saint-Jean-de-Luz ist eine wunderbare Küstenstadt mit malerischer Bucht und den besten Tapas der Welt. Etwas weiter ist San Sebastián, wo das Guggenheim-Museum lockt.
  • Die abwechslungsreiche Landschaft. Das Land ist weit und flach, Reiter und Radler finden hier Hunderte Kilometer Wege. Viele davon führen durch den Küstenwald, den man anpflanzte, um Wind und Wanderdünen daran zu hindern, das Land zu vereinnahmen. Ergebnis ist das mit 10000 km² grösste Waldgebiet Westeuropas. Südlich von Capbreton und Soorts-Hossegor verändert sich die Landschaft noch einmal. Die Côte Basque ist eine Welt für sich: Zerklüftete Steilküsten, die Pyrenäen im Hinterland, eine dem Französischen völlig fremde (Zweit-)Sprache und eine alte Kultur, deren archaische Sportarten liebevoll gepflegt werden – das Baskenland, wo Männer mit Baumstämmen werfen und ihre Kräfte beim Holzhacken messen.

Wie man dorthin kommt:

  • Per Zug: Von Paris aus im TGV nach Bordeaux. Von Arcachon gibt’s Schnellzüge nach Biarritz.
  • Per Bus: Ouibus ist das französische Pendant zu Flixbus und verkehrt auch in der Nord-Süd-Hauptachse Richtung Spanien.
  • Per Auto: Weil wir eine grosse Familie sind mit entsprechend viel Gepäck inklusive Surfbrettern und Skateboards, fahren wir per Auto. Dieses Jahr erstmals die rund 1100 km lange Fahrt in einem Stück, was supergut geklappt hat. Zurück mit einem Zwischenstopp. Achtung: Auf edn französischen Nationalstrassen fallen Autobahngebühren an. Diese können sich für diese Strecke auf gut 100 Euros belaufen – eine Fahrt.
  • Per Flugzeug: Von Zürich, Basel und Genf kann man Bordeaux fliegen, in der Hauptsaison auch nach Biarritz. 

Wo man wohnt:

Wir mieten jeweils ein Haus mit oder ohne Pool und nah oder weiter weg vom Strand. Dieses Jahr war es ein tolles Haus direkt am Strand. Nachts hörten wir die Wellen rauschen, und morgens konnten wir die Köpfe aus dem Fenster strecken, um das Strand- und Surfwetter abzuchecken. Häuser mit Pools sind generell ein bisschen weiter weg vom Strand. Viele Franzosen vermieten ihre Wohnungen oder Häuser in der Hochsaison. Zahlreich sind auch die Campingplätze oder Airbnbs für jedes Budget.

Was man mitnehmen sollte:

Sonnenbrille, Strandspielsachen und Neoprenanzüge. Flossen, Bodyboards und UV-Shirts kann man günstig kaufen. Strandzelte und Sonnenschirme sind Pflicht. Wer will, nimmt das Fahrrad von zuhause mit. Weil das Wetter schwanken kann, Regenjacke nicht vergessen und den Pulli für den Abend. Einen Mückenschutz für Wohnungen abseits des Strandes. Und: Wer guten Espresso mag, nimmt seine eigene Kaffeemaschine mit. Mein einziger Kritikpunkt sind die Kaffeemaschinen, die es in französischen Häusern gibt.
Claudia Landolt ist leitende Autorin und Mutter von vier Söhnen im Altern von 8 bis 16 Jahren. 
Claudia Landolt ist leitende Autorin und Mutter von vier Söhnen im Altern von 8 bis 16 Jahren. 

Andrea Widmer: Zweite Heimat im Engadin

Das Engadin ist ein wenig meine zweite Heimat. Ich habe schon als Kind dort immer die Sommer- und die Winterferien verbracht. Ich finde, es bietet wahnsinnig viel für Gross und Klein. Unsere Mädchen sind fünfeinhalb und acht Jahre alt und wir entdecken auch nach so vielen Jahren Engadin jeden Sommer immer wieder neue Wanderrouten. Nach einem Tag an der frischen Bergluft sind am Abend alle zufrieden und glücklich und schlafen lange und gut.
 
Wir fahren jedes Jahr in den Sommerferien eine Woche nach Zuoz ins Oberengadin. Wir reisen mit dem Auto (im Sommer eine idyllische Fahrt über den Albulapass), alternativ kann man die Route via Klosters und den Vereinatunnel nehmen. Auch ohne Auto ist die Anreise problemlos mit dem Zug machbar, dank der sehr gut ausgebautem ÖV-Netz mit denen man sich auch vor Ort problemlos nach A und B bewegen kann. 
 
Im Engadin gibt es viele «kinderfreundliche» Wanderungen, folgende gefallen uns besonders gut: 

  • Von Maloja an den Leigh da Cavloc (Badehose einpacken!)
  • Ins Rosegtal (eventuell einen Weg mit dem Pferde-Omnibus fahren, hinten im Tal lockt ein Restaurant mit einem fantastischen Dessertbuffet)
  • Val Fex (auch eine Variante für eine Hin- oder Rückfahrt mit dem Pferde-Omnibus)
  • Val Trupchun (ab Zuoz mit dem Zügli erreichbar, das Restaurant hinten (Varuschhütte) gehört schon zum Nationalpark. Ab und an lassen sich Murmeli blicken)
  • An sehr heissen Tagen ein Bad im Stazersee
  • Von Bever nach Spinas im Val Bever (im Moment jedoch immer noch eine Grossbaustelle, da die zweite Albularöhre gebaut wird)
  • Vielfältige Wanderungen im Nationalpark
  • Von Ospizio Bernina zur Alp Grüm und anschliessend mit dem offenen Panoramazug zurück nach Pontresina
  • Für kleinere Kinder ist der Schellenursliweg in St. Moritz toll.
Wer lieber mit dem Velo unterwegs ist, der findet auch zahlreiche Routen für Velotouren auf eher flachem Gelände im Tal (auch mit Anhänger möglich) oder in den Bergen mit dem Mountainbike. Auch der Seilpark in Pontresina ist einen Ausflug wert.

Das Wetter meist besser als die Prognose

Über die Jahre haben wir zudem festgestellt, dass das Wetter im Engadin meistens besser ist, als vorausgesagt, da es doch oft mehr vom Alpensüdseitenwetter beeinflusst wird. Und sollte sich das Nordwetter dennoch einmal durchsetzen, einfach mit dem Auto ins Puschlav oder ins Bergell fahren – dort ist man fast in Italien und es gibt schöne Dörfer anzuschauen und überall feine Heidelbeeren zu pflücken. Und sollte das Wetter gar nicht mitspielen, so lässt sich auch im Hallenbad in St. Moritz (mit drei tollen Rutschbahnen!) ein toller Tag verbringen. 
 
Auch wenn nur schon das Tal im Engadin auf 1700 Meter über dem Meer liegt, können die Tage im Sommer richtig heiss werden. Am Abend kühlt es dann jedoch ab, so dass eine Windjacke oder ein warmer Pulli auf alle Fälle ins Reisegepäck gehören. Die Badehose sollte man trotzdem nicht zuhause lassen, laden doch zahlreiche Bergseen zum Sprung ins (wirklich!) kühle Nass. 
Andrea Widmer ist zuständig fürs Fundraising bei der Stiftung Elternsein und Mutter von Töchtern im Alter von 5 und 8 Jahren. 
Andrea Widmer ist zuständig fürs Fundraising bei der Stiftung Elternsein und Mutter von Töchtern im Alter von 5 und 8 Jahren. 

Evelin Hartmann: Fündig geworden in der Toskana

Früher, als wir kinderlos waren oder später mit einem Kind unterwegs, sind wir im Herbst meist in ein ligurisches Dorf gefahren. Kleine Ferienwohnung in der Altstadt, mit vielen Treppen hinab zur romantischen, von Felsen eingefassten Bucht. Mit zwei Kindern war das noch immer schön – aber auch ganz schön anstrengend. 

Erholung trotz (kleiner) Kinder – das geht! 

Letztes Jahr haben wir uns dann gefragt, was uns das Ferienleben leichter machen würde: 

  • ein flachabfallender Sandstrand ohne zu überwindende Felsformationen 
  • eine eingezäunte Poollandschaft mit Baby- und Lernschwimmbecken
  • ein Kinderspielplatz, der vom Restaurant wie vom Apartment (mit Kochnische!) gleich schnell zu erreichen ist 
  • überhaupt eine kinderfreundliche Anlage, die – autofrei – in 10 Minuten abzulaufen ist. Im Kleinkindtempo.  
Fündig geworden sind wir in der Südtoskana, in Donoratico. Hier, inmitten eines Naturreservats liegt ein kleines Feriendorf entstanden aus einer stillgelegten Schiffswerft (alles ist im maritimen Stil gehalten), das ab Ende September mit Sparangeboten wirbt. Dann, wenn die Tage kürzer, die Abende kühler und das Entertainmentprogramm auf dem Gelände eingestellt wird. Letzteres war uns nur recht. 

Die Zwei- bis Drei-Zimmerapartments sind auf wenige zweistöckige Wohnanlagen untergebracht. Wir hatten der Kinder wegen um ein Apartment im Erdgeschoss gebeten. So konnten sie (damals 2 und 5 Jahre) jederzeit selbständig rauslaufen. Und uns Unmengen von Sand hineinschleppen, denn der Aussenbereich gleicht eher einem Sandkasten als einem Vorgarten. Wer im zweiten Stock residiert, hat ein paar Treppen zu bewältigen – dafür weniger Sand im Bett. 

Das ist halb so schlimm – aber vorher gut zu wissen, ebenso, dass man nicht mal kurz zum Auto gehen kann, da die Anlage in einem autofreien Naturschutzgebiet liegt und der fahrbare Untersatz auf einem Parkplatz 1000 Metern entfernt abgestellt wird. Der Shuttleservice funktioniert aber tiptop und ist ein riesen Spass für Kinder. 

Weiterhin gut zu wissen: ab Ende September gibt’s kein Unterhaltungsprogramm mehr und auch der kleine Sparbereich war verlassen. Abendessen (kann komplett dazu gebucht oder spontan eingenommen werden) gab es in den drei Restaurants der Anlage frühestens ab 19.30 Uhr, recht spät für zwei kleine Kinder, zumal es zu dieser Jahreszeit ab 19 Uhr dunkel ist und man im Freien nicht mehr viel unternehmen kann. Daher: unbedingt Lieblingsbücher und Spiele einpacken.    

Fazit:

Manchmal vermissten wir das italienische Leben in unserem kleinen ligurischen Dorf aber der Entspannungseffekt war so gross, dass wir unser «Family Village» im Canado Club in sieben Tagen nur einmal verlassen haben. Wir kommen also wieder, noch in diesem Jahr – und freuen uns jetzt schon auf ausgedehntes Muschelsuchen am Hausstrand. Wenn eine der Töchter dann etwas vergessen hat oder aufs WC muss, läuft sie einfach schnell zum Apartment. Es ist ja so nah. 

Anreise: 

Mit dem Auto von Zürich in cirka 7 Stunden erreichbar, Pausen exklusive, (ca. 645 Kilometer), mit dem Zug in rund 9 Stunden. Wer fliegen möchte, steuert den Flughafen von Pisa an, dieser liegt etwa 75 Kilometer von Donoratico entfernt. 

Ausflugstipps: 

Pisa, Siena und Volterra liegen einen Tagesausflug weit entfernt, Piombino erreicht man schneller, ebenso wie das mittelalterliche Künstlerstädtchen Bolgheri, berühmt für die längste Zypressenallee der Toskana und bekannt für seine umliegenden Edelweingüter. Kinder schwören auf die nah gelegenen Freizeit- beziehungsweise Kletterparks sowie den archäologischen Park in Populonia, samt Nekropolen, Grabkammern und Resten etruskischer Siedlungen.  
Evelin Hartmann ist stellvertretende Chefredaktorin und Mutter von zwei Kindern (3 und 6). 
Evelin Hartmann ist stellvertretende Chefredaktorin und Mutter von zwei Kindern (3 und 6). 

Patrik Luther: Volltreffer in Bibione

Unseren Lieblingsort für den Sommer-Urlaub 2019 zu finden, war dieses Jahr eine besondere Herausforderung. Was sollte es werden? Glamping versus Hotel, Fliegen statt Auto, Animation oder Ruhe und Natur? Die Wunschliste wurde immer länger: Ein Sandstrand fürs «Sändele», Meer- und Süsswasser-Pool, eine Flanier-Promenade, Sportmöglichkeiten und kulinarisches Vergnügen für alle Familienmitglieder. Dann sollte die Unterkunft erholsam wie ereignisreich sein, mit dem Auto erreichbar, aber bitte mit nur sieben Stunden Fahrzeit. Und zwingend: «Kinderdisco am Abend, gäll Papi?».

Puh! Kein Klacks, die Wünsche aller Familienmitglieder unter einen Hut zu bringen und nach stundenlanger Suche im Netz doch nicht die Katze im Sack zu kaufen. Also einigten wir uns auf die Uneinigkeit und beschlossen: In diesem Jahr sollten es unsere Freunde richten.

Mein Tipp ist deshalb der Tipp einer lieben Kollegin meiner Frau, der grössten Dank gebührt. Unsere Liste der Erwartungen, sind mit dieser Empfehlung übertroffen worden und wir haben wunderbare Tage erlebt in Bibione, einem Ortsteil der Gemeinde San Michele al Tagliamento bei Venedig. Der Ferienort für Familien bietet für jede Altersstufe etwas. Trotz touristischer Ausrichtung haben wir italienische Lebensfreude erlebt, uns durch Gelaterias geschlemmt und uns in den Rummel der autofreien Einkaufsmeile begeben, wenn uns danach war.

Begeistert hat uns die Unterkunft, das Bibione Palace Suite Hotel: Ein sehr sauberes, mittelgrosses Kinderhotel mit vielen Unterhaltungsangeboten. Über die hoteleigene Poollandschaft gelangt man in wenigen Schritten zum Strandabschnitt des Resorts. Das nervige, frühmorgendliche Reservieren der Strandliegen entfällt, denn diese, wie auch die Familien-Pavillons, sind in grosser Anzahl vorhanden. Die rundum entspannte und erholsame Atmosphäre ist dem überaus freundlichen und kinderliebenden Personal zu verdanken, das sich den ganzen Tag um das Wohl der Gäste sorgt.

Mit den kostenlosen Ausleih-Velos haben wir die herrliche Lagune im Paradies der biologischen Vielfalt ausgekundschaftet, sind entlang der kilometerlangen Strandpromenade geradelt, vorbei an Strandkiefern, Rhododendren und zahlreichen Orchideenarten. Auch können rosa Flamingos bewundert werden, steht zumindest in einem der Reiseführer. Leider haben sie sich bei unserem Aufenthalt wohl versteckt, wir haben keine gesehen. 

Am Abend schnappten wir uns jeweils einen der Kinderbuggys, welche im Resort zahlreich zur Verfügung stehen, um Umgebung zu erkunden oder zu flanieren. Und Mamas Auszeiten zum «Lädele» liessen sich mit einer Portion Fragola-Eis jeweils bestens überbrücken. 

Gut zu wissen: 

Die Strecke nach Bibione ist ab Zürich mit dem Auto in knapp sieben Stunden zu schaffen. Im Hotel sind Kinderbetten, Hochstühle und Kinderwagen vorhanden und können kostenlos benutzt werden. Für Baby- oder Kinderbetten lohnt sich eine Vorreservierung. Auch Strandtücher sind im Zimmerpreis inbegriffen. Wir haben Halbpension gebucht, das hat uns gut gereicht. Für den kleinen Hunger zwischendurch, finden sich viele Angebote am Strand und im Pool-Restaurant des Hotels. Frühbucher werden mit attraktiven Konditionen belohnt.
Patrik Luther ist stellvertretender Verlagsleiter und Vater von zwei Töchtern im Alter von 2 und 7 Jahren. 
Patrik Luther ist stellvertretender Verlagsleiter und Vater von zwei Töchtern im Alter von 2 und 7 Jahren. 

Florina Schwander: Pro Provence!

Wir haben es getan. Zum ersten Mal seit der Geburt der Zwillinge sind wir richtig in die Ferien verreist. Vorher standen Aufwand und Ertrag in einem zu krassen Ungleichgewicht, als dass sich die Ferien gelohnt hätten. Nun aber sind wir zehn Tage in die Provence gefahren – und: Es war ein absolutes Highlight. Natürlich waren es anstrengende Tage: Wir haben zweimal Ferienwohnungen gemietet und oft selber gekocht, auch hat niemand die Aktivitäten  für uns organisiert und Kinderhütedienst gabs auch nur via Spotify oder abends mal in bewegter Form von Feuerwehrmann Sam. 
Wir haben uns bewusst gegen Wohnungen mit Pool entschieden, keines unserer Kinder kann schon gut schwimmen und es war uns zu heikel. Und trotz wirklich sehr heissen Temperaturen sind wir gut über die Runden gekommen. Die ersten fünf Tage haben wir in Cadenet, einem kleinen Ort im Luberon, verbracht. Dort gibt es etliche Badeseen und wir haben uns auf dem Camping vom Dorf wohl gefühlt. Morgens durften die Kinder selber Baguette holen und abends gabs Pizza aus dem Karton und Rambazamba auf dem Dorfplatz. Cadenet ist kein Haupt-Touri-Ort der Provence. Das heisst, es ist nicht direkt jedes Haus ein Bijou, doch in der Gesamtheit ein durchaus hübsches Dorf und vor allem: Nicht überlaufen. Das sehr hübsche und sehr touristische Städtchen Lourmarin ist zudem nur fünf Autominuten entfernt.

Im Anschluss sind wir noch für fünf weitere Tage ans Meer gefahren nach La Ciotat. Auch das kein Hauptort der Provence, aber trotzdem sehr schön und auch hier wieder angenehm in der Touri-Dichte. Was uns besonders gefallen hat an Familienausflügen in der Provence: 

  • Stadtausflug nach Aix-en-Provence. Wer shoppen will, kann shoppen, für andere gibts einen Pastis oder eine Crêpe. 
  • Plan d’Eau de Cadenet. Der Badesee war der Hit, angenehm in der Temperatur und vom Camping kamen viele Kinder, mit denen man Fische fangen oder Löcher graben konnte. 
  • Auch die Burgruine oberhalb von Cadenet war ein absolutes Highlight, die Kinder spielten Verstecken in den Höhlen, die Eltern genossen den Sonnenuntergang. 
  • Roussillon mit seinen beeindruckenden Ockerfelsformationen hat es uns Eltern angetan. Die Kinder waren mit einem feinen Croissant vom Markt auch ganz glücklich. 
  • Lavendelfelder suchen. Ende Juli gab es nicht mehr viele blühende Felder. Es war also ein richtiger Krimi, wenn wir noch ein paar lila Büsche entdeckten und die Kinder freuten sich dann ebenso wie die pflanzenverliebte Mama. 
  • Apéro trinken entlang der Hafenpromenade oder in einer der netten Bars an der Place Sadi Carnot in La Ciotat. Für die Kinder gibts dicke Röhrchen aus Pasta, für die Eltern ein feines Bière blonde artinasale mit freiwilligem Beitrag zur Säuberung des Meeres. 
  • Besuch einer Calanque bei La Ciotat. Die Calanques sind wunderschön, man kann sie übrigens auch per Bootstour erkunden. Wir waren baden in der Calanque de Figuerolles und in der Calanque du Grand Mugel. Dort soll es im nahen Parc du Mugel schöne Pflanzen und einen Spielplatz geben. Aufgrund der Waldbrandgefahr bei Mistral war dieser jedoch leider geschlossen. 
Wir sind von Zürich aus mit dem Auto gefahren. Auf dem Hinweg haben wir eine Nacht in Montélimar verbracht und auf dem Rückweg sind wir noch zwei Tage in Lausanne geblieben. Die lange Fahrt ging ohne Probleme, Kasperli-Hörspielen «à gogo» und den coolen Spielplätzen der Fastfoodkette mit dem gelben M sei Dank. Unbedingt mitnehmen würde ich beim nächsten Mal wieder Strandschuhe für Strände mit Kies und guten Sonnenschutz. 
Florina Schwander ist Online- und Printredaktorin und Mutter einer Tochter (5) und Zwillingsbuben (3). 
Florina Schwander ist Online- und Printredaktorin und Mutter einer Tochter (5) und Zwillingsbuben (3). 


Weitere Tipps für Familien-Ferien oder Ausflüge: 

  • Ausflüge: Raus aus dem Haus!
    Im Gras herumtollen, «götsche» im Bächli oder mit den Tieren plaudern – an 
    der frischen Luft fühlen sich Familien wohl. Wir verraten Ihnen altbewährte und weniger bekannte Parks, Bauernhöfe und abenteuerliche Spielplätze, die garantiert einen Frühlingsausflug wert sind.