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Warum eine Nussallergie das ganze Schulhaus betrifft

Lesedauer: 3 Minuten

Es gibt verschiedene Typen von Lebensmittelallergien mit sehr unterschiedlichen Symptomen. Während einige in der Regel harmlos verlaufen, ist bei Allergien auf Nüsse oder Erdnüsse besondere Vorsicht geboten.

Text: Wina Fontana
Bild: iStockphoto

In Zusammenarbeit mit Betty Bossi

Die Bedeutung und die Auswirkungen von Allergien und Nahrungsmittelintoleranzen werden in der Umgangssprache oft vermischt. Intoleranzen oder Unverträglichkeiten sind auf Verdauungsprobleme mit bestimmten Kohlenhydraten zurückzuführen. Bei Allergien hingegen handelt es sich um eine Überreaktion des Körpers auf soge­nannte Speicherproteine.

Am Beispiel von Milch lässt sich dies gut erklären. Bei einer Reaktion auf den Milchzucker (Laktose) spricht man von einer Laktoseintoleranz. Verdauungsschwierigkeiten und Blähungen sind oft Folgen davon. Reagiert der Körper jedoch auf die Milchprote­ine, ist von einer Nahrungsmittelallergie die Rede.

In der Schweiz müssen 14 Zutaten, die Allergien oder andere unerwünschte Reaktionen auslösen können, klar deklariert und auf der Verpackung hervorgehoben werden. Dazu zählen unter anderem Milch, Eier, Fisch, Krustentiere, Getreide, Sellerie, Sojabohnen, Nüsse und Erdnüsse.

Nussallergien werden meistens im Kindesalter bei der Einführung von festen Nahrungsmitteln entdeckt. Sie äussern sich in schweren allergischen Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock.

Tipps für den Alltag

  • Nussallergien beziehen sich meist auf Haselnüsse, Mandeln, Pistazien, ­Walnüsse, Cashews, Pekannüsse, ­Paranüsse und Macadamianüsse. Betroffene reagieren dabei auf eine bestimmte Nuss. ­Reaktionen aufgrund anderer Nüsse sind aber nicht ausgeschlossen.
  • Anders als der Name vermuten lässt, zählt die Erdnuss botanisch nicht zu den Nüssen, sondern zu den Hülsenfrüchten. Entsprechend sind Kreuzreaktionen mit anderen Hülsenfrüchten wie Soja oder Erbsen möglich.
  • Die Eltern von betroffenen Kindern kommen nicht darum herum, das Umfeld zu informieren. Dies soll keinesfalls als Schikane aufgenommen werden, sondern ist bei einer solchen Allergie notwendig. Jede Ausserhaus-Verpflegung wie Geburtstagspartys, Mittagstisch, ­Restaurantbesuch muss organisiert sein.
  • Ihr Kind wird von einem Gspändli mit einer Nussallergie besucht? Am besten fragen Sie bei den Eltern des betroffenen Kindes nach, auf was Sie achten sollten. Oftmals verfügen diese über eine detaillierte Liste mit erdnuss- oder nusshaltigen Lebensmitteln.
  • Nüsse und Erdnüsse sind oft unvermutet in Lebensmitteln versteckt. So werden zum Beispiel Pommes Frites häufig in ­Erdnussöl frittiert.
  • Leidet ein Klassenkamerad oder eine ­Klassenkameradin Ihres Kindes an einer Erdnussallergie oder ist Ihr Schulhaus sogar erdnuss- und nussfrei? Bieten Sie bei sich zu Hause dennoch Nüsse an. Denn Nüsse sind wichtige Vitamin- und Nahrungsfaserlieferanten. Instruieren Sie Ihr Kind im Händewaschen.
  • Das sogenannte orale Allergiesymptom ist eines der häufigsten Symptome einer Lebensmittelallergie. Es manifestiert sich meist durch juckende und brennende Mundschleimhäute sowie eine gerötete Zunge. Wenn Ihr Kind Lebensmittel als haarig oder pelzig bezeichnet, kann dies ein Anzeichen für eine Lebensmittel­allergie sein und sollte ärztlich abgeklärt werden.

Obschon nur etwa ein Prozent der europäischen Bevölkerung von einer Nuss- oder Erdnussallergie betroffen ist, verzeichnen diese die häufigsten (beinahe) tödlichen allergischen Reaktionen. Denn aufgrund des geringen Schwellenwerts können bereits kleinste Mengen des Allergens zu starken Überreaktionen des Immunsystems führen. Dafür reichen manchmal winzige Spuren an einer Türklinke oder Partikel, die durch das Öffnen einer Verpackung in die Luft gelangen.

Ob süss oder salzig: Erdnusshaltige Snacks gehören in der Schule zu den beliebten Pausenverpflegungen. Als geröstete Nüsse oder Studentenfutter sind sie gut sichtbar. Aber auch in weniger offensichtlichen Produkten wie Schokoladenriegeln und vielen Backwaren verstecken sich oftmals Nüsse.

Dies fordert nicht nur die Eltern eines Kindes mit Erdnuss- oder Nussallergie, sondern verlangt auch die permanente Achtsamkeit und die Mithilfe des gesamten Umfelds. Bereits bei der Einschulung müssen Lehrpersonen, Eltern und Mitschülerinnen und Mitschüler über Zutatenlisten, Symptome und Notfallmassnahmen instruiert werden.

Diverse Schulen mit betroffenen Kindern führten deswegen ein Allergiemanagement ein. Einige Schulen haben sogar ein Erdnuss- und Nussverbot auf dem ganzen Schulareal ausgesprochen. Ein solcher Entschluss wirkt für Nichtbetroffene vielleicht drastisch. Laut den praktizierenden Schulen sind diese Massnahmen aber vergleichsweise einfach und können das Risiko einer Reaktion massgebend senken.

Was ist eigentlich eine Kreuzreaktion?

Bei Allergien unterscheidet man zwischen primären und sekundären Allergien. Primäre Allergien zeigen sich meist bereits im Kindesalter. Der Körper reagiert dabei direkt auf ein spezifisches Allergen – entsprechend stark können die Immunantwort und die Symptome sein.

Sekundäre Allergien entwickeln sich in der Regel erst im Verlauf des Lebens. Oft entstehen sie aus einer primären ­Allergie auf bestimmte Pollen.

Dies geschieht aufgrund der strukturellen ­Ähnlichkeit zwischen Pollenallergenen und Allergenen in Obst, Gemüse oder Nüssen. Das Immunsystem meint den Auslöser zu kennen und reagiert – ­allerdings schwächer als bei der primären Allergie. Mildere Reaktionen, die sich besonders auf die Mundhöhle beschränken, sind die Folge.

Man spricht dabei auch von einer Kreuzreaktion. Ein häufiges Beispiel hierfür ist die primäre ­Allergie auf Birkenpollen mit einer Kreuzreaktion auf Nüsse.

Wina Fontana
ist Ernährungsexpertin SVDE, hat einen Bachelor in Ernährung und Diätetik und arbeitet bei Betty Bossi.

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