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Arztbesuch

«Schützen Sie die Nase Ihres Kindes»

Werden die Tage kürzer, lauern die Erkältungsviren an jeder Ecke – vor allem auf Kinder. Infektionsspezialist Ernst Tabori über böse Keime, nasse Haare und richtiges Händewaschen.
Interview: Claudia Füssler
Bild: jokebird / photocase.de

Herr Tabori, die Erkältungssaison hat begonnen. Ist es tatsächlich schlimm, wenn mein Kind morgens mit nassen Haaren zur Schule läuft?

Es geht dabei weniger um die Haare als um den Kopf. Der bildet eine Fläche, die relativ viel Wärme abstrahlt, und diese Fläche ist im Verhältnis zum Körper bei Kindern grösser als bei Erwachsenen. Über den Kopf geht also generell Wärme verloren. Nun haben Sie noch das entsprechende Wetter dazu, es windet und ist kalt. Da kann durchaus so viel Wärme verloren gehen, dass es zur Unterkühlung kommt. Die Folge ist eine herabgesetzte Durchblutung, und das wiederum sorgt dafür, dass die körpereigene Abwehr nicht so gut funktioniert, wie sie es eigentlich könnte.

Und was ist mit nassen Ohren?

Sie machen es den Erregern einfach, ihr Erkältungsspiel mit uns zu treiben. Deswegen ist es eine absolut sinnvolle Forderung: Entweder die Haare und Ohren sind trocken oder ich trage wenigstens eine Mütze. Ich bin übrigens generell ein Verfechter von Mützen bei kühleren Temperaturen, auch bei trockenen Haaren: Sie schützen Kopf und Ohren vor dem Wind und uns vor dem Auskühlen.
«Wir fassen uns pro Tag bis zu 400 Mal an die Nase. So gelangen Keime dahin, wo sie Schaden anrichten können.»

Wie sieht es mit nassen Socken aus?

So ähnlich. Auch hier geht es um die Kälte, nicht um die Nässe. Die Füsse haben mit den Zehen eine relativ grosse Oberfläche, da geht eine Menge unserer Körperwärme verloren. Und dann greift das gleiche Prinzip: Ein frierender Körper kann – salopp gesagt – Keime einfach schlechter abwehren. Füsse sind für die Körpertemperatur wichtig, da müssen sie nicht mal nass sein. Das kennt ja jeder im Winter: Wenn die Füsse kalt sind, schafft man es kaum, den restlichen Körper warm zu kriegen. Schon der Volksmund sagt: «Da bekommt jemand kalte Füsse.»

Was hilft?

Ein warmes Fussbad ist immer eine gute Idee, ansonsten auf Hausschuhe und warme Socken und gute wasserfeste Schuhe, Boots oder Stiefel achten.
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Mein Kind hat Schnupfen, nichts Dramatisches, aber die Nase läuft ordentlich. Kann ich es in die Schule schicken?

Hinter dieser Frage steckt ja der Gedanke: Ist mein Kind fähig, in die Schule zu gehen? Wenn es sich soweit fit fühlt, kein Fieber hat, klar, dann geht das. Aber es gibt noch eine andere Seite der Medaille, und da kommt der Infektionspräventionsberater in mir durch: Wenn man ein Kind, das eindeutig erkennbar Schnupfen – also eine Rotznase – hat, in die Schule schickt, tut man damit den anderen Eltern genau das an, was man selbst nicht haben will. Ich möchte da an die Verantwortung der Eltern appellieren: In der Streuphase, die meist zwei, drei Tage dauert, sind die Kinder sehr ansteckend. Dafür müssen sie nicht mal jemanden anniesen. Es genügt, dass ein gesundes Kind etwas anfasst, das vorher ein krankes Kind angefasst hat, und sich dann kurz die Augen oder an der Nase reibt. Ich rate also dazu, das Kind in der Akutphase daheim zu lassen, da sind alle dankbar und wir haben insgesamt weniger Infektionen.

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