Der digitale Musiklehrer
Schule

Der digitale Musiklehrer

Auch die Musikschulen mussten auf digitalen Unterricht umstellen. Wie funktioniert das Musizieren via Skype und was können Eltern tun, um ihre Kinder beim Lernen zu unterstützen?
Text & Bilder: Sibylle Dubs
Flink huscht Leo durch das Arbeitszimmer von Mario Porreca. «Ähm – da ist eine Katze hinter Ihnen!», sagt das Mädchen auf dem Bildschirm. Porreca dreht sich um und lacht.

Mario Porreca ist Lehrer beim MKZ, der Musikschule Konservatorium Zürich. Wie alle seine Kolleginnen und Kollegen unterrichtet er seit dem Lockdown von zu Hause aus. Der Vater von drei Kindern wohnt in Andelfingen im Zürcher Weinland und macht mit seinen 40 Schülerinnen und Schülern Fernunterricht über den Bildschirm.
«Ich musste mich etwas arrangieren und organisieren aber bis jetzt funktioniert das sehr gut», sagt er. So hat Porreca beispielsweise seinen Stundenplan umgestellt. Er unterrichtet nun oft morgens, wenn die Kinder und Jugendlichen normalerweise in der Schule sind. «Die Konzentration ist dann viel besser als zu Randzeiten, an denen die Kinder oft müde sind.» Und noch etwas fällt dem Akkordeonlehrer auf: «Einige Schülerinnen und Schüler sprechen mehr mit mir als früher. Für sie scheint der Unterricht am Computer eine besondere Herausforderung zu sein, die sie motiviert.» So hat ihm eine Schülerin beigebracht, wie er einen Smiley oder einen Daumen nach oben setzen kann, anstatt wie üblich «sehr schön» zu sagen, wenn das Kind vorgetragen hat. Solche Spielereien schaffen Nähe und stärken die Beziehungen.

Die Betreuung ist enger

Das schätzt der Musikpädagoge sehr. Mario Porreca freut sich darüber, dass er nun nicht nur einmal wöchentlich Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern hat, sondern zwischendurch auch Aufnahmen oder Fragen zugeschickt bekommt.

Landauf landab machen Musikschulen ähnliche Erfahrungen. «Trotz räumlicher Distanz rückt man näher zusammen», sagt Christoph Schnyder, Schulleiter der Musikschule Region Burgdorf. Und der stellvertretende Direktor der Musikschule Konservatorium Bern, Victor Wanderley, ergänzt: «Die Kinder üben deutlich mehr als früher und machen schneller Fortschritte. Sie liefern beinahe jeden zweiten Tag ihre Aufnahmen ab.» Wanderley räumt aber auch ein: «Für die Lehrpersonen ist es allerdings anstrengender, den ganzen Tag über via Bildschirm zu unterrichten und beinahe täglich mit den Schülerinnen und Schülern in Kontakt zu sein.»

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