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Elternblog

Immer schneller, immer mehr? Bremsen Sie. Für Ihre Familie.

Kommunikation, Mobilität, Konsum – alles wird immer schneller. Dies führt dazu, dass wir uns von unserer Beschäftigung und unseren Mitmenschen entfremden – eine Entwicklung, die unsere Kinder genauso betrifft wie uns selbst. Die gute Nachricht ist: Wir sind ihr nicht hilflos ausgeliefert.
Text: Fabian Grolimund
Illustration:
Petra Dufkova / Die Illustratoren
In der Juvenir-Studie der Jacobs Foundation gab der Grossteil der Jugendlichen, die sich als gestresst empfinden, an, dass nicht Eltern oder Lehrpersonen sie unter Druck setzen, sondern vor allem sie selbst. 46 Prozent der Jugendlichen, die häufig Stress erleben, führen dies darauf zurück, dass sie immer alles sehr gut machen möchten. Die Jugendlichen gaben an, dass die Zeit nie für alles reiche, sie Angst vor der Zukunft hätten und auch unter Druck nicht bereit wären, die eigenen Ansprüche herunterzuschrauben. Damit ergeht es ihnen wie vielen von uns Erwachsenen.
Die meisten Innovationen der 
letzten drei Jahrhunderte 
haben dazu geführt, dass wir 
etwas schneller tun konnten. 
Doch woher kommt dieser Druck? Als Psychologe fallen mir dazu natürlich als erstes jede Menge psychologischer Gründe ein: Lernen am Modell, ungünstige Denkmuster usw.

Wenn aber ein Phänomen eine ganze Gesellschaft erfasst, lohnt es sich, nicht nur die einzelnen Menschen im Blick zu haben. Besonders interessant finde ich in diesem Zusammenhang die Gedankengänge des Soziologen Hartmut Rosa
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Rosa ist Professor in Jena und beschäftigt sich seit Jahren mit dem Phänomen der Beschleunigung. Wie er darlegt, haben die meisten Innovationen der vergangenen drei Jahrhunderte dazu geführt, dass wir irgendetwas schneller tun konnten. Fast jede Erfindung, vom Staubsauger über die Mikrowelle bis hin zur Fliessbandarbeit, ist darauf ausgelegt, unsere Effizienz zu steigern und Zeit zu sparen. Jedes neue Transportmittel bringt uns einfacher und schneller ans Ziel als das vorherige. Und jedes neue Kommunikationsmittel, vom Telegrafen über das Telefon bis hin zu E-Mail und WhatsApp, lässt uns andere Menschen rascher und kostengünstiger erreichen. Das Internet macht uns schliesslich die ganze Welt verfügbar: Ganz egal, ob wir etwas nachlesen, ein bestimmtes Musikstück hören oder einen Film sehen möchten – alles ist nur einen Klick weit entfernt.

In einer Welt, in der – zumindest für uns in der Schweiz – alles so leicht verfügbar ist, wo Maschinen und Computer einen Grossteil unserer Arbeit erledigen und wir täglich so viele Erfindungen nutzen, die uns Zeit sparen, sollten wir es sehr gemütlich haben. 

Die Logik der Steigerung

Was momentan verhindert, dass viele von uns die Früchte der Arbeit geniessen können, ist der Zwang zu weiterer Beschleunigung. Es ist eine Art Steigerungslogik, die unsere Gesellschaft durchdringt. Egal wie viel wir lernen, produzieren, innovieren – es geht immer darum, sich zu steigern, mehr als letztes Jahr zu schaffen, mehr als die anderen.
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