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Medienerziehung

Kinder werden bei «Gratis»-Games abgezockt!

Spätestens seit es Smartphones gibt, haben viele Eltern die Kontrolle über die Online-Games verloren. Das ist heikel: Denn die Methoden der Hersteller, Kinder abzuzocken, sind vielfältig.
Text: Thomas Feibel
Illustration: Petra Dufkova/Die Illustratoren
Spielen ist gesund. Wenn Kinder spielen, tun sie genau das, was sie für eine gesunde Entwicklung brauchen: Spielen regt die Fantasie an, fördert die Konzentra­tion, hilft bei der Persönlichkeits­bildung. Wenn Kinder spielen, machen sie das, was ihnen am meis­ten Freude bereitet.

Tauchen Kinder stundenlang in das freie Spiel mit Playmobilfiguren ab, sehen Eltern darin kein Problem. Geht es jedoch um Apps oder Kon­solenspiele, ändert sich das schlag­artig. Weil Kinder beim Gamen oft kein Ende finden, kommt es in Familien immer wieder zu Streitigkeiten.

Wie binden Game-Hersteller die Kinder an sich?

Digitale Spiele geben im Gegensatz zum hölzernen Baustein eine direk­te Rückmeldung. Kinder fesselt an ihnen, dass sie das Setting einer abgeschlossenen Erlebniswelt vor­ finden und in dieses eintauchen kön­nen. Die Dramaturgie des Spiels, seine Handlung und die dichte Atmosphäre ermöglichen einen mühelosen Einstieg. Nach und nach entfaltet sich eine stetig stärker wer­dende Sogwirkung, da die zu lösen­ de Aufgabe immer schwieriger wird. Das Zeitgefühl geht dabei komplett verloren. Während ein Sieg zu einem gesteigerten Selbstwertgefühl bei­trägt, kann eine Niederlage Aggres­sionen auslösen, stachelt aber auch dazu an, es erneut zu versuchen. Darüber hinaus messen sich Spieler gerne mit anderen – ganz egal, ob gemeinsam im Zimmer oder online.

Wie werden Kinder angefixt?

Konnten Eltern beim Computer oder bei der Spielkonsole noch ein­schreiten, ist es seit der Erfindung von Smartphone und Tablet damit vorbei. Eine Kontrolle über ungeeig­nete Inhalte oder überzogene Nut­zungsdauer wie bei der Playstation ist praktisch ausgeschlossen. Das Problem besteht nicht nur darin, dass Kinder bereits auf dem Schul­weg daddeln; es passiert etwas kom­plett Neues: In der Geschichte der Videospiele entscheiden zum ersten Mal Kinder alleine über die Anschaf­fung ihrer Spiele. Während der Kauf eines PC­ oder Konsolenspiels mit hohen Kosten verbunden und oft nur mit der Unterstützung der Eltern möglich ist, stehen auf iTunes und Google Play unzählige «kostenlose» Games zum Download bereit.
«Free to play» (kostenloses Spielen)  lockt beispielsweise mit geschenkten Waffen. Kaum sind diese verzockt, lässt sich Nachschub nachkaufen.
Unter dem Schlagwort «Free to play» (kostenloses Spielen) lockt ein gigantisches Angebot, das mit dem unlauteren System des Anfixens arbeitet. Kinder, Jugendliche und Erwachsene bekommen zum Beispiel Waffen und Edelsteine geschenkt, um das interne Bezahlsystem des Spiels kennenzulernen. Kaum sind diese Items verzockt, lässt sich Nachschub für kleines Geld nachkaufen.

Dabei wird zwischen weicher und harter Monetarisierung unterschieden. Bei der weichen Variante kann Geld ausgegeben werden, muss aber nicht. Alternativ kann der Spieler zu niedrigeren Levels zurückkehren und sich die benötigten Credits verdienen. Bei der harten Monetarisierung dagegen geht das Spiel nicht weiter, bis Geld für die benötigten Credits fliesst.
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