Kindergarten
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Die Logopädie

In der Logopädie geht es um Abklärung, Therapie und Beratung von Kindern und Jugendlichen mit Defiziten in der gesprochenen und geschriebenen Sprache sowie der Stimme. Ziel ist es, die Kommunikationsfähigkeit im Alltag zu verbessern. Sprache muss sich aber entwickeln, und es braucht Zeit, bis Kinder Sprache sicher beherrschen und verstehen.

Manchmal stossen sie dabei auf Probleme, die sie alleine nicht überwinden können. Dann empfiehlt sich eine Beratung bei der Logopädin. Eine logopädische Abklärung ist sinnvoll, wenn das Kind wenig oder sehr wenig spricht, sowohl seine Muttersprache als auch Deutsch schlecht versteht oder es unzureichend verstanden wird, wenn es ihm bekannte Wörter nicht findet oder Laute nicht bilden kann, lispelt, stottert oder ständig eine heisere Stimme hat.
Ein Kind sagt vielleicht noch «Lot» statt «Rot» oder «Tasse» statt «Kasse». Was bei einem Dreijährigen noch putzig anmutet, kann im Kindergarten schon hinderlich sein – andere Kinder können es nicht verstehen oder verspotten es gar. Die Frage ist also: Wann ist Unterstützung nötig? «Weil Kinder in so unterschiedlichem Tempo sprechen lernen, ist es für Eltern oft nicht leicht zu beurteilen, ob ihr Kind altersgerecht spricht», sagt der deutsche Kinderarzt Herbert Renz-Polster. «Nicht jede Auffälligkeit ist gleich eine Störung und muss behandelt werden.» Machen sich Eltern aber Sorgen, weil ihr fünfjähriges Kind sich kaum verständlich ausdrückt, raten Experten, die Ursachen abklären zu lassen.
Die  logopädische Reihenabklärung verfolgt das Ziel, früh genug zu erkennen, wo Handlungsbedarf besteht.
Die  logopädische Reihenabklärung verfolgt das Ziel, früh genug zu erkennen, wo Handlungsbedarf besteht.
Im ersten und zweiten Kindergartenjahr gibt es die logopädische Reihenabklärung – mit dem Ziel, früh genug zu erkennen, wo Handlungsbedarf besteht. Spätestens in der ersten Klasse findet dann eine Kontrolle statt. Der fünfjährige Louis beispielsweise geht einmal pro Woche zur Logopädin, um das «sch» zu üben. Ganz spielerisch wird mit Spielen, Memorys, Puzzles und anderen Dingen der Zischlaut eingeübt und gefestigt sowie nach Möglichkeit auch zu Hause mit den Eltern geübt. Die Spielideen machen ihm Spass. Nach sechs Monaten ist die Therapie beendet.

Einen Tipp fürs Üben zu Hause nennt auch Herbert Renz-Polster: Wenn ein Kind zum Beispiel immer «taufen» statt «kaufen» sage oder «Tuchen» statt «Kuchen», dann bringe es wenig, das Kind diese einzelnen Wörter immer wieder aufsagen zu lassen. «Es ist besser, diesen Begriff einzubinden in einen Satz oder eine Geschichte, ihn immer wieder richtig zu wiederholen und dem Kind dabei in die Augen zu schauen, um eine emotionale Nähe aufzubauen», sagt Renz-Polster.
«Ein Kindergartenkind, das leicht lispelt, hat keinen unmittelbaren Bildungsnachteil.»
 Heilpädagogik-Professor Peter Lienhard.
Nicht jeder Sprachrückstand sei aber therapiebedürftig, erklärt Heilpädagogik-Professor Peter Lienhard. «Ein Kindergartenkind, das leicht lispelt, also beim Aussprechen des «S» mit der Zunge an die Zähne anstosst, hat keinen unmittelbaren Bildungsnachteil. Man kann meist zuwarten und beobachten, ob sich die Sache legt.» Falls nicht, könne man immer noch eine Logopädie-Sequenz einschalten.
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