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Elternbildung

10 Tipps für mehr Musik im Alltag

Viele Menschen halten sich für unmusikalisch. Dabei haben sie nur Angst, sich zu blamieren. Kinder können da ein Vorbild sein. Von ihrer Freude an der Musik profitieren auch die Eltern, wenn sie sich auf gemeinsames Singen, Tanzen oder Trommeln einlassen. 
Text: Sibylle Dubs
Illustration: Partner&Partner
Wenn Familie Meili aus dem Auto steigt, haben nicht selten alle vier ein breites Grinsen im Gesicht. Der Grund: Familie Meili rappt zusam­men im Auto. Dabei treibt sie weder pädagogischer noch musikalischer Ehrgeiz zu ihren Sprechkonzerten im Auto. Es tut ihnen ganz einfach gut. Die Kinder im Alter von 8 und 10 Jahren haben Freude, und die Erwachsenen ebenso.

Auch bei Familie Ryser aus Zürich hat das gemeinsame Singen Tradition. Jeder darf sich am Abend ein Lied wünschen, das gemeinsam angestimmt wird. Ohne würden ihre Kinder nicht mehr schlafen, sagt Mutter Esther lachend. Bei vier Lie­dern jeden Abend sei das Repertoire über die Jahre gross geworden. Die Eltern sind überzeugt, dass das ge­meinsame Singen den Kindern in vielerlei Hinsicht gut tut. Sie spürten dabei ihren Körper und es stärke auch das Zusammengehörigkeitsge­fühl und das Selbstvertrauen, erzählen sie. Dabei sei der Vater zu Beginn beim Vorsingen geradezu gehemmt gewesen.

Zu singen ist vielen peinlich

Musikalische Hemmungen haben viele Erwachsene. Sich musikalisch zu äussern, verbinden viele mit Angst und Peinlichkeit. Der Musiker Mani Matter beschreibt im ersten Satz seines Liedes «Hemmige» so trefflich, dass es Leute gebe, die «nei bhüetis nei» nie ein Lied vor anderen singen würden. 

Eine stattliche Anzahl erstarrter Gesichter sah ich kürzlich am ersten Schultag unseres Sohnes, als alle Erstklässler und ihre Eltern dazu aufgefordert wurden, zusammen ein Lied zu singen und «nei bhüetis nei!» auch noch dazu zu tanzen. Die Lehrerinnen zwangen die Anwesen­ den im wahrsten Sinn des Wortes in die Knie. Und als wir uns um uns selber drehen mussten, konnten wir die Aktivität der anderen überprüfen. Sogleich wurde das Lied im Kanon angestimmt. Es klang nicht schlecht und die Bewegungen wur­den mit jedem Durchgang etwas lockerer.

Beim Hinsetzen war in den Ge­sichtern der eben noch schüchter­nen Erstklässler pure Freude zu sehen – bei den Erwachsenen aber dominierte die Erleichterung dar­über, dass der lockere Teil der Ver­anstaltung zu Ende war.

Kinder haben keine Angst vor Fehlern

Beim Musizieren und Tanzen sind wir verwundbar, weil wir unser Inne­ res nach aussen kehren. Folgen dar­ auf herablassende Worte, Grinsen oder eine schlechte Bewertung, wird sich der Betroffene nicht selten lebenslang als unmusikalisch bezeich­nen und sich vielleicht auch in anderen Bereichen vor Blamagen ängs­tigen. Es gilt deshalb, bei Kindern zurückhaltend zu sein mit Bewer­tungen ihres musikalischen Tuns. 
Viel mehr sind Kinder für uns Erwachsene eine Chance, uns selbst noch einmal auf den Weg zu machen, bereits Verdecktes wieder wahrzunehmen und Neues auszu­probieren. Denn Kinder haben ausserordentliche kreative Fähigkei­ten und keine Angst vor Fehlern. Der Forscher und Autor Ken Robinson ist überzeugt, dass unser Bildungssystem die angeborene Kreativität der Kinder wegtrainiert, indem Fehler negativ bewertet wer­ den. «Wenn du nicht bereit bist, Fehler zu machen, wirst du nie etwas wirklich Originelles schaffen», sagte er in einer Rede, die unterdessen über 40 Millionen Mal im Netz angehört wurde. 
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Musizieren bedeutet auch, sein Inneres nach aussen zu kehren.
Musizieren bedeutet auch, sein Inneres nach aussen zu kehren.
Robinson, der selbst Universitäts­professor war und zur weltweiten intellektuellen Elite gezählt wird, plädiert für Kunst in der Bildung. Viel Kunst. Tanzen sei gleichzuset­zen mit Lesen und Schreiben. Dies ist einer seiner Ansätze, Kinder und Jugendliche für die Herausforderun­gen der Zukunft fit zu machen. Auch plädiert Robinson, Wahrnehmung und Kreativität zu fördern, statt zu sehr auf den Intellekt zu fokussieren. 

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