Redaktionsblog

Vom Vollzeit-Mami zurück in den Job

In unserer Serie «Wir fragen uns ...» stellen wir von Fritz+Fränzi uns gegenseitig Fragen aus dem grossen Familienuniversum. Auf die Frage von Renata Canclini, Sales-Managerin, antwortet Stiftungssekretärin Éva Berger. 
Aufgezeichnet von Florina Schwander
Bild: Pixabay
«Liebe Éva, mit drei Teenagern zu Hause bist du vom Vollzeit-Mami wieder 100 Prozent in den Beruf eingestiegen. Wie war das für dich?» 
Renata Canclini
Liebe Reni, es war hart. Schwierig, anstrengend und schlicht und einfach hart, ich kann es nicht anders sagen. Aber es war auch nötig und gut, weil mein Mann und ich uns damals haben scheiden lassen und ich ein Einkommen brauchte.

So ganz stimmt das mit dem von 0 auf 100 aber nicht, ich habe schon fünf Jahre vor meinem Wiedereinstieg von zu Hause aus für die Firma meines Mannes gearbeitet. Doch der Einstieg in die «echte Arbeitswelt» war dann doch nochmal etwas ganz anderes. 

Meine Söhne waren bei meinem Wiedereinstieg vor 10 Jahren 15, 14 und 12 Jahre alt und auch für sie war es eine grosse Umstellung. Vorher war ich rund um die Uhr da für sie. Wo ich sie früher vielleicht ein bisschen verwöhnt und ihnen zu Hause viel abgenommen habe, mussten sie mit einem 100-Prozent arbeitenden Mami auf einen Schlag viel selbständiger werden. Das tat ihnen gut. 

Und auch ich musste lernen, dass ich den Haushalt nicht mehr gleich führen konnte wie vorher. Das war für mich als Perfektionistin nicht leicht. 
Éva Berger mit ihren Söhnen.
Éva Berger mit ihren Söhnen.
Vor der Geburt der Kinder hatte ich drei Jahre in einer Bank gearbeitet, doch natürlich hatte niemand auf eine studierte BWL-erin gewartet, die die vergangenen fünfzehn Jahre Mami gewesen war und deren Deutsch noch nicht so gut war wie heute. Anderthalb Jahre habe ich eine Stelle gesucht, bis ich mit Unterstützung eines befreundeten Paares meine jetzige Arbeitsstelle gefunden habe.

Anfangs war ich sehr nervös und unsicher, ich wollte alles mehr als richtig machen und war sehr am Hadern mit meinem Deutsch in einem geschäftlichen Umfeld. Zum Glück war meine Chefin sehr verständnisvoll und mein damaliger Bürokollege unterstützte mich.

Mein Ex-Mann und ich hatten ausgemacht, dass wir die Scheidung erst durchziehen, wenn ich eine Stelle habe. Als ich dann mit meinem Job angefangen habe, ist er bald ans andere Ende der Schweiz gezogen. Die Kinder waren also fast immer bei mir, da hätte ich mir schon manchmal eine Pause gewünscht. Meine Familie wohnt weit entfernt von Zürich und Geld für externe Hilfe hatte ich zumindest am Anfang meines Wiedereinstiegs auch keins. Aber ich hege keinen Groll, es ist alles gut, so wie es gekommen ist. Wir haben es sehr schön zusammen, meine Söhne und ich, und sind alle stolz aufeinander.

Rückblickend muss ich sagen, dass ich schon viel früher wieder hätte arbeiten sollen. Hätte ich noch einmal die Chance, würde ich direkt nach der Geburt mit einem kleinen Pensum wieder einsteigen. Gerade auch im Zusammenhang mit der Trennung hat mir meine Arbeit extrem geholfen für mein Selbstwertgefühl. Aber wie gesagt, es ist heute alles gut, so wie es ist und dafür bin ich sehr dankbar. 

Die nächste Frage geht an Benjamin Muschg, Produktionsleiter:

«Lieber Benjamin, du lebst mit Frau und Kind, aber ohne Trauschein. Wie ist das so für dich?» 
Éva Berger
Die Antwort folgt in rund zwei Wochen ... 
Éva Berger arbeitet als Stiftungssekretärin bei der Stiftung Elternsein, die das Elternmagazin Fritz+Fränzi herausgibt. Die gebürtige Ungarin hat drei erwachsene Söhne. 

Bisher erschienen in der Rubrik «Wir fragen uns»: 








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