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Familienleben

Schlaf! Kindlein! Schlaf!

Mit zunehmendem Alter des Kindes verblassen die Augenringe der Eltern. Tage sind wieder Tage und Nächte sind wieder Nächte. Doch dann kommt ein Entwicklungssprung und alles geht von vorne los. Was tun, wenn die schlaflosen Nächte zurückkehren?
Text: Claudia Landolt
Fotos:
Gabi Vogt / 13 Photo
Müde in Vollzeit: Diesen Zustand kennen alle, die ihr Leben mit einem oder mehreren Kindern teilen. Am Anfang ist es die Tagundnachtgleiche, die alle elterlichen Kräfte raubt. Später ist es ein Entwicklungssprung, der in der Nacht verarbeitet werden muss. Die finsteren Monster, die sich in die Träume der Kleinen schleichen. Oder der erste Tag im Kindergarten oder die Angst vor der Schule.

Schlafstörungen sind Alpträume für Eltern und Kinder, die beide immer wieder ereilt. Die Folge: Das Kind schläft im Elternbett. Die Eltern auf den Elternbettkanten, das Mantra aller übernächtigten Eltern flüsternd: «Es ist eine Phase. Nur eine Phase.»

Doch bei manchen Kindern dauert diese Phase lange, sehr lange. Bei Sina zum Beispiel. Die Neunjährige schlief, so erinnert sich ihre Mutter Doris, von Geburt an tagsüber praktisch nie und nachts auch nicht. Zehnmal zwischen 22 Uhr abends und 6 Uhr morgens hiess es für Mama: Alarm! Nach einem Jahr wurden die Abstände grösser. Aber noch heute braucht die Tochter ab und zu die Nähe ihrer Eltern. Diese über Jahre ertragenen zerstückelten Nächte blieben nicht ohne Folgen. «Mein Schlaf ist nicht mehr der, der er einmal war. Wache ich in der Nacht auf, kann ich nur schwer wieder einschlafen», erklärt Sinas Mutter.
Es gibt kein sogenannt normales Schlafverhalten, sagt der Schlafforscher.
Schlaf ist unverzichtbar und lebensnotwendig. Dabei hat die Wissenschaft noch immer nicht herausgefunden, warum wir schlafen. Dennoch wissen wir: Der Mensch muss schlafen. Versuche, Wachrekorde zu brechen, endeten in Zusammenbrüchen oder Psychosen. Erklärungen, warum Schlaf zwingend notwendig ist, gibt es viele. Schlaf diene der körperlichen Erholung, der Gedächtnisbildung, dem Lernen und weil unsere Sinnesfunktionen nachts sowieso eingeschränkt sind. Ein populärwissenschaftlicher Ansatz, der seinen Beweis jedoch schuldig bleibt, ist derjenige nach der Gehirnentwicklung.
Wenn ein Kind unter Schlafstörungen leidet, leidet meist die ganze Familie.
Wenn ein Kind unter Schlafstörungen leidet, leidet meist die ganze Familie.

Warum Schlaf und Gehirnreife zusammenhängen

Weil ein Kind stetig lernt und seine Gehirnentwicklung in Dauerbetrieb läuft, müsste es auch viel schlafen. Das denken die meisten Eltern. Aus der Notwendigkeit des Schlafens aber eine bestimmte Dauer abzuleiten, ist problematisch. Denn der Schlafbedarf unter gleichaltrigen Kindern ist sehr unterschiedlich. Es gibt grosse und kleine Schläfer, solche, die sich rasch erholen, andere, die eine lange Schlafphase brauchen, um wieder auf die Beine zu kommen. Jedes Kind braucht also eine individuelle Zahl von Schlafstunden. Diese im Rahmen der jeweiligen Lebensund Entwicklungsphase zu erkennen vermögen: Darin liegt die wahre Herausforderung eines Elternlebens. Wie viel Schlaf braucht mein Kind? Wie viel ist normal? Und ab wann ist etwas nicht mehr normal?

Eine tröstliche Antwort für die Eltern hat der Entwicklungspädiater Peter Hunkeler vom Schlafzentrum des Kinderspitals in Zürich zur Hand. Er sagt nämlich: «Es gibt kein sogenannt normales Schlafverhalten.» Bei gleichaltrigen Kindern könne die Differenz bis zu 6 Stunden ausmachen. Kenntnisse der normalen Entwicklung des kindlichen Schlafs seien für Eltern aber hilfreich, damit sie das Schlafverhalten ihres Kindes besser verstünden, sagt der Kinderarzt. «Kinder sind nicht einfach kleine Erwachsene, die etwas länger schlafen, sich aber sonst im Schlafverhalten von dem der Erwachsenen nicht unterscheiden», so Hunkeler. Kinder schliefen anders. Sie müssen das Schlafen und vor allem das Durchschlafen erst erlernen: Die Schlafstruktur widerspiegelt immer den Reifungsprozess des Gehirns.

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2 Kommentare

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Von Andrea am 30.01.2017 16:36

Schade, dass Sie im Artikel nicht auf das Familienbett oder Co-Sleeping eingehen. So können auch die Eltern entspannt schlafen und die Bedürfnisse vom Kind nach Nähe werden erfüllt.

Von Fritz+Fränzi Redaktion am 30.01.2017 17:49

Liebe Andrea
Dieser Artikel erschien im Rahmen eines ganzen Dossiers mit mehreren Artikeln zum Thema Schlaf. Selbstverständlich war hier auch das Familienbett ein Thema. Scrollen Sie noch einmal ein bisschen hoch und sie finden den entsprechenden Artikel gleich als erstes aufgelistet unter dem Punkt "Weiterlesen". Herzliche Grüsse aus der Redaktion!

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