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Medienerziehung

Schlafstörungen: Ist das Handy Schuld?

Der zunehmende Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen hat Auswirkungen auf das Schlafverhalten. Der Grund liegt am blauen Licht. Es gaukelt dem Körper vor, dass Tag ist.
Text: Claudia Landolt
Foto: Gabi Vogt / 13 Photo
Eine Umfrage der US-amerikanischen Schlafstiftung (National Sleep Foundation) ergab 2014, dass Kinder schlechter schlafen, wenn sie Handys, Computer oder Fernseher in ihren Zimmern haben. Fast drei Viertel der befragten Kinder zwischen sechs und siebzehn Jahren besassen mindestens ein elektronisches Gerät, wobei die Spanne von Fernseher, Computer und Spielkonsolen bis hin zu Tablets und Smartphones reicht. Die Untersuchung ergab, dass diese Schulkinder insgesamt schlechter schliefen als jene, die kein Gadget in ihren Zimmern hatten. Schlafstörungen kamen fast täglich vor.

Eine andere Untersuchung der Stony Brook University, NY um Dr. Jill Creighton ergab, dass Kinder und Jugendliche, die ein Smartphone besitzen, bis zu einer Stunde weniger schliefen als ihre Altersgenossen. Besonders Jugendliche überprüfen auf iPhone und Co. die Uhrzeit, wenn sie nachts wach werden. Das Licht des Displays unterbricht jedoch den Schlafzyklus und man schläft wesentlich schlechter ein. Schuld daran ist das blaue LEDLicht des Displays. Dieses Kunstlicht ist ein kurzwelliges Licht mit erhöhtem Blauanteil im Lichtspektrum, wie es sich in Beleuchtungen mit LED oder Leuchtdioden findet. Die Spektralfarbe Blau wiederum senkt den Melatoninspiegel und hält das Gehirn wach – ein Effekt, der am Abend vor allem bei Schulkindern wohl eher unerwünscht ist.

Mit einer Blaulicht-Dusche ins Bett

«Wer um Mitternacht noch seine E-Mails oder SMS checkt, bringt seine innere Uhr durcheinander», sagt Christian Cajochen, der Leiter des Zentrums für Chronobiologie an den Psychiatrischen Universitären Kliniken Basel. In jüngster Zeit habe es sich gezeigt, dass die Menschen spezielle Sinneszellen im Auge haben, die auf blaues Licht reagieren und dem Hirn mitteilen, ob es den Körper wach oder schlafbereit halten soll. Bisher gab es aber nur wenige valide Daten, die der Frage nachgingen, ob das Licht der LED-Monitore tatsächlich ausreicht, um den Tag-Wach-Rhythmus zu stören und den Schlaf zu verzögern.

In einem weiteren Experiment wählten die Forscher einen anderen Ansatz. Sie testeten direkt die Auswirkungen auf den Schlaf bei Jugendlichen. Umfrageergebnissen zufolge verbringen diese knapp viereinhalb Stunden am Tag vor dem Fernseher, am Computer oder Smartphone. 95 Prozent checken noch regelmässig vor dem Schlafengehen ihre Social-Media-Seite oder ihre Chats. 

«Viele gehen mit einer richtigen Blaulicht-Dusche ins Bett», sagt Cajochen. Die Forscher gaben nun Jugendlichen Brillen mit oder ohne Blaulichtfilter und untersuchten den Schlaf am Freitagabend nach einer Schulwoche. Nach einer Woche fanden die Forscher bei den Teilnehmern mit Brillen mit Filter deutlich höhere Melatoninwerte als bei den Probanden mit Brillen ohne Filter. «Je länger man abends am Licht ist, auch am Computerschirm, desto länger meint die innere Uhr, es sei Tag», so Cajochen.

Wer also zu Schlafproblemen tendiert, sollte das Leuchten solcher Geräte in der Zeit nach Sonnenuntergang und vor dem Zu-Bett-Gehen möglichst meiden, raten die Schlafforscher.

Go Offline – und fünf weitere Tipps von Jill Creighton für Eltern

  1. Entwickeln Sie eine Zu-Bett-Geh-Routine, egal wie alt ihr Kind ist. Das kann ein Bad sein, ein Buch lesen oder ruhige (!) Musik hören.
  2. Go offline! Die Stunde vor dem Schlafengehen ist elektronikfreie Zone. Die Kinder sollten an einem definierten Ort in der Wohnung – beispielsweise in der Küche oder im Wohnzimmer – ihre Gadgets einstecken und über Nacht dort lassen.
  3. Das Bett ist handyfreie Zone. Ein normaler Wecker tut es auch.
  4. Falls das Kind sein Smartphone nicht ausschaltet, sollte man die Screening-Zeit runterhandeln. 30 Minuten pro Woche weniger online sind ein guter Anfang. Idealerweise limitieren Eltern die Online-Zeit auf 60 Minuten pro Tag. So viele Minuten, wie das Kind am Handy hängt, sollte es sich auch bewegen.
  5. Das pubertierende Kind vom Sofa oder aus dem Zimmer zu kriegen, kann zur elterlichen Herausforderung werden. Sport oder Bewegung wird gerne als langweilige Pflichtübung empfunden. Creighton rät zur Kreativität. Ein 20-minütiger Spaziergang, 30 Minuten Basketball, aber auch Ämtli und Hausarbeit wie Staubsaugen, Schneeschaufeln oder Rasenmähen zählen zu entsprechender Aktivität, die je nachdem monetär entschädigt werden.
  6. Gute Gewohnheiten etablieren. Am Esstisch vom Smartphone oder Fernsehen abgelenkt zu sein, führt zu eigenartigen Tischmanieren. Die Eltern müssen hier mit gutem Beispiel vorangehen.

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