Homeschooling: Lernen im Ausnahmezustand
Familienleben
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Wie funktioniert die digitale Schule bei jüngeren Kindern?

Jüngere Kinder können sich nicht ebenso selbständig organisieren wie ältere Schülerinnen und Schüler im Zyklus 3 (Sekundarstufe). Sie brauchen Struktur. Deshalb können digitale Unterrichtsmaterialien nur beschränkt eingesetzt werden. Eltern sollten die Kinder mit Tools und Apps nicht ganz alleine lassen und deren Verwendung zeitlich limitieren, sagt Jürg Berger, Geschäftsleitungsmitglied des Deutschschweizer Verbands der Schulleiterinnen und Schulleiter VSLCH.

Wie schnell kann der Stoff beim Fernlernen vermittelt werden?

Laut Jürg Berger wird beim Fernlernen zuhause fast doppelt so viel Zeit für die Erledigung von Arbeitsaufträgen benötigt, wie in der Schule. «Es braucht klare Anweisungen und die Erwartungen müssen definiert sein», sagt der Pädagoge. Zum Beispiel: 2-minütige Audioaufnahme anhand einer Checkliste erstellen. Ausserdem sollten sich Online- und Offline-Sequenzen abwechseln, und es ist dafür zu sorgen, dass alle Schülerinnen und Schüler regelmässig um Feedback gebeten werden und so im Austausch mit ihrer Lehrperson stünden, so Berger. Er betont, dass dabei ein empathisches Verhalten der Lehrpersonen besonders wichtig sei.

Was, wenn fremdsprachige Eltern oder Eltern, die gleichzeitig arbeiten und/oder noch kleinere Kinder betreuen müssen, sich nicht vollumfänglich um Homeschooling kümmern können?

Der oberste Schulleiter der Schweiz, Thomas Minder, ruft zur Entspannung auf. Er erklärt in einem Interview mit srf.ch: Die Lehrperson gibt nicht einfach so den Auftrag: «Jetzt eignet euch das Wissen über den Pythagoras an». Lehrpersonen geben in einer ersten Phase sicher einfache Aufträge zu Inhalten und Sachgebieten, die bereits eingeführt sind. Wenn das länger dauert und man auch Instruktionen übers Internet machen muss, dann müssen wir uns allerdings etwas einfallen lassen.» Was genau Thomas Minder damit meint, ist noch offen.

Kann der Schulstoff in dieser Zeit überhaupt vollständig vermittelt werden?

Experten rechnen damit, dass allerhöchstens zehn Prozent des Schulstoffs in den kommenden Wochen überhaupt vermittelt werden kann. Deshalb werden primär Arbeitsaufträge vergeben, mit denen die Schülerinnen und Schüler täglich zwei bis drei Stunden beschäftigt sind», erklärt eine Schulleiterin aus dem Kanton Zürich. «Dabei geht es darum, dass bisher Erlernte zu wiederholen und zu vertiefen. Wir können von den Kindern in diesem Alter nicht erwarten, dass sie neuen Stoff erarbeiten.»
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Wie lange bleiben die Schulen noch geschlossen?

In allen Schweizer Kantonen bleibt die Schule vorerst bis am 19. April geschlossen. Das bedeutet, dass die Schulen im Kanton Aargau beispielsweise vom Montag, 16. März 2020, bis zum Ende der Frühlingsferien geschlossen bleiben. Voraussichtlich wird der Schulbetrieb nach Ferienende am Montag, 20. April 2020 wieder aufgenommen werden, wenn es die Lage erlaubt, wie es heisst. Eltern müssen aber davon ausgehen, dass die Schulen länger geschlossen bleiben.

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