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Psychologie
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Sie nennen Hochsensitive auch «Orchideen», wenig Sensitive «Löwenzahn». Warum?

Es ist eine Veranschaulichung: Orchideen reagieren stärker auf äus­sere Bedingungen und trumpfen so richtig auf, wenn diese optimal sind. Ganz anders der Löwenzahn, Meta­pher für die wenig Sensiblen. Dieser bleibt relativ unbeeindruckt von jeg­lichen positiven wie negativen Umständen. Er wächst einfach vor sich hin.

Zeigt sich Empfindsamkeit im Gehirn?

Ja, aber dazu gibt es bis jetzt nur wenige wissenschaftliche Untersu­chungen. Eine Studie aus dem Jahr 2011 belegt eine höhere sensorische Verarbeitung beim Anblick von zwei leicht verschiedenen Landschafts­fotografien. Die hochsensitiven Teilnehmer, deren Hirnaktivität per funktioneller Magnetresonanztomo­grafie (fMRT) aufgezeichnet wurde, waren nicht besser darin, subtile Unterschiede zwischen den zwei Fotos zu registrieren, sie nahmen aber mehr Details wahr als andere. Eine andere Untersuchung aus dem Jahr 2014 kommt zum Schluss, dass jene Areale im Gehirn, die an Aufmerksamkeit, Empathie, Motivation und am Nachdenken über sich und andere beteiligt sind, bei hochsensitiven Menschen vermehrt aktiv sind. 

Was sind weitere Charakteristika? 

Hochsensible verhalten sich tendenziell prosozialer und haben ein gutes Gespür, wenn es irgendwo harzt. Allerdings leiden sie auch stärker unter negativen Spannungen. Sie denken länger und assoziativer über Dinge nach und kommen so eher auf kreative Lösungen. Sie haben aber auch die Tendenz, weniger fokussiert zu sein, was leicht als Unentschlossenheit gedeutet wird. Viele Umweltreize lassen sie schneller abgelenkt sein. Und weil sie mehr wahrnehmen, sind sie auch früher erschöpft oder schneller überlastet.
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Leiden sie unter ihrer Sensitivität?

Das kann man so nicht sagen. Es kommt ganz auf die Umgebung und die Lebensgeschichte an. Gewisse sensitive Menschen leider mehr in schwierigen Situationen, aber es geht ihnen auch besser als anderen in einem positiven Klima.
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Was tut Hochsensiblen gut?

Viel Zeit für Erholung ist wichtig. In Schulen können Lärmschutz- oder Kopfhörer sowie längere Mittagspausen hilfreich sein. Eine gute soziale Umgebung ist ebenfalls zentral. 

Weshalb?

Weil Hochsensitive ihre Umgebung in all ihren Aspekten viel intensiver wahrnehmen und sie viel mehr darüber nachdenken als andere. So schadet ihnen ein negatives Umfeld ungleich mehr.
«Nicht jedes hochsensible Kind entwickelt zwingend Probleme.»
Michael Plüss, Entwicklungspsychologe.

Was ist, wenn hochsensible Kinder in einem negativen Umfeld aufwachsen? 

Hochsensible Kinder, die sich weniger unterstützt und verstanden fühlen, erleben eher depressive, psychosomatische oder stressbedingte Symptome. Das heisst aber nicht, dass jedes hochsensible Kind zwingend Probleme entwickelt.

Wie empfinden Kinder Hochsensitivität?

Sie empfinden diese vielleicht eher als negativ, sind schneller gestresst oder überwältigt. Diese Kinder sind sich oft nicht bewusst, dass ihre Sensitivität auch viele positive Eigenschaften hat, dass sie etwas haben, worüber andere nicht verfügen, wie etwa eine ausgeprägte Empathie oder ein grosses kreatives Potenzial. 

Wie kann man ihnen helfen?

Wie Kinder ihre Hochsensitivität wahrnehmen, hängt auch vom Umfeld ab. Wenn das Kind beispielsweise gestresst an den Hausaufgaben sitzt, könnte man als Mutter oder Vater sagen: «Du bist schneller gestresst als andere, das stimmt. Aber vielleicht verstehst du ein Thema, eine Aufgabe auch besser, wenn du dich damit beschäftigt hast?» Es ist ratsam, das Kind dahingehend zu begleiten, dass es auch die positiven Aspekte seiner Ausprägung wahrnimmt. Es ist wichtig, ihm bewusst zu machen, dass seine Eigenschaft auch eine Stärke ist, nicht nur eine Schwäche.

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