Eine Liebeserklärung an alle Frau Brauns dieser Welt

Unsere Autorin erinnert sich an ihre glückliche Kindergartenzeit. Und stellt fest, dass im Chindsgi ihrer vier Buben vieles noch immer so ist wie damals. 
Frau Braun war klein und rund. Ihre Haare waren grau und zu einem klei­nen Dutt gebunden. Frau Braun hatte keine Kinder. Ich weiss nicht einmal mehr, ob sie in einer Partnerschaft lebte.

In meiner Erinnerung hat sie etwas Nonnenhaftes, auf jeden Fall umgab sie eine Aura der Heiligen. Ich liebte sie heiss und innig. Sie war die Geduld in Person. Nie hat sie aufgeseufzt, weil ich mal wieder auf dem Weg getrödelt oder Heimweh nach meiner Mutter hatte.

Frau Braun kochte gern. In regel­mässigen Abständen durften wir Kinder im Kindergarten mittagessen. Es gab jeweils viele Transfette in Form von Fischstäbchen, nicht wenig Zucker in Form von Schoko­ladenpudding und Mayonnaise. Gurken gabs nur als Verzierung. Das erklärt zumindest teilweise, warum wir Frau Braun so ergeben waren. War man danach müde, durfte man sich kurz hinlegen, auf die jeans­blauen, weichen Mätteli, die so gar nicht nach Kreide, Linoleum und Putzmittel rochen.

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