Es ist nicht einfach, einen Termin bei Sarah Fischer zu bekommen. «Ich gebe nur noch schriftliche Interviews», sagt sie. Und erst nach einigen Mails willigt sie ein: «Gut, Sie haben sich offenbar wirklich mit dem Thema auseinandergesetzt – kommen Sie vorbei.»
Die Autorin ist vorsichtig geworden. Medien, so sagt sie, hätten oft ein vorgezeichnetes Bild von ihr, das sie dann in Interviews nur noch bestätigen solle. Dass die 43-Jährige ihre Mutterschaft bereut, könne ja nur daran liegen, dass sie es sich vorher nicht richtig überlegt habe. An ihrer Persönlichkeit, ihrer persönlichen Situation, den zu hohen Erwartungen. Ja, vielleicht sogar daran, dass Sarah Fischer adoptiert ist.
Was glaubt sie selbst? Zu wie viel Prozent ist es ihre Persönlichkeit, die ihr dabei im Weg steht, die Mutterschaft als Erfüllung zu sehen? Zu wie viel Prozent sind es die schwierigen gesellschaftlichen Bedingungen, die sie in ihrem Buch ausführlich beschreibt? Der Kampf um die Vereinbarung von Beruf und Mutterschaft, die ständige Einmischung und Besserwisserei anderer, die schon mit der Schwangerschaft beginnt? «Das ist eine sehr schwierige Frage», sagt Sarah Fischer, grübelt und bittet darum, diese erst am Ende zu beantworten.
Ich liebe mein Kind über alles, aber ich bereue die Mutterschaft. Das ist ein Widerspruch, der viele überfordert.
Sarah Fischer
Sarah Fischer ist in ihren Augen von der Expertin zur Mutter geworden. Eine Rolle, die scheinbar alles andere überdeckt. Das ärgert sie. Schliesslich erlebt sie täglich, dass es auch anders geht: «Meinen Mann fragt niemand, wo das Kind ist, wenn er auf Dienstreise ist. Für ihn ist unsere Tochter ein erfüllendes Plus – aber sein Leben geht weiter wie bisher.» Deshalb trägt ihr Buch auch den Untertitel «Warum ich lieber Vater geworden wäre».










