Joels Autismus-Begleithund heisst Cola

Joel ist 8 Jahre alt. Er hat das Asperger-Syndrom, eine Variante des Autismus: Auf Abweichungen vom Gewohnten reagiert der Bub mit Wut und Angst. Sein grösster Wunsch war es, einen Hund zu bekommen, der ihm Sicherheit gibt – dank Ihrer Spenden, liebe Leserinnen und Leser war es im Juli endlich so weit. Joels Mutter erzählt von der ersten Begegnung mit Cola. 
Der Weg ist lang nach Rostock in Norddeutschland. Die Vorfreude macht ihn aber kurzweilig. Joel darf endlich seinen Autismus­begleithund auswählen. Nach der Ankunft erholen wir uns zuerst am Strand der Ostsee, bevor wir uns am nächsten Morgen im Büro eines Vereins für Assistenzhunde einfinden. Joel freut sich so fest auf seinen Hund, dass er ganz kribbelig ist und kaum stillsitzen kann. Ich informiere ihn immer genau, was als Nächstes passiert. So kann er besser mit ungewohnten Situationen umgehen. 

Wir unterhalten uns über die zur Auswahl stehenden Hunde. Es sind drei: ein schwarzer, gemütlicher Labrador, Pascha, ein grosser Bordercollie-Mischling, Cola, sowie ein Mittelpudel, Merlin. Die Hundetrainer sind auch vor Ort: Inka und Mirco Pohl. Wir lernten sie diesen Frühling in der Schweiz kennen. Sie wollten sich ein Bild von Joel und unserem Zuhause machen, denn auch die Umgebung spielt eine Rolle bei der Auswahl des Hundes.

Inka möchte zuerst Cola vorstellen. Sie findet, dieser Hund passt am besten zu Joel. Er spielt mit, ist aktiv, kann aber auch auf Kommando ruhig sein. Er wäre also ein guter Ausgleich zu den oft turbulenten und chaotischen Zuständen bei uns zu Hause. 

«Hallo Cola», flüstert er. Für mich ist klar: Da haben sich zwei gefunden.
Joels Mutter über die erste Begegnung mit dem neuen Hund
Da warten wir also – zugegebenermassen etwas ungeduldig – auf einer reizarmen, grosszügigen Terrasse auf Cola. Ein «Jööööö» kommt Joel und mir über die Lippen, als Inka mit dem Hund daherkommt. Er ist gross, hat ein langes, grauschwarzes Fell und treue, braune Knopfaugen. Zuerst beschnuppert er uns beide. Dann stupst er Joel mit seiner weichen, schwarzen Nase an und bringt ihn zum Kichern. Auf Inkas Kommando legt er sich schliesslich vor den Buben auf den Boden. Zaghaft beginnt Joel auf meine Ermutigung hin Colas weiches Fell zu streicheln, was Joel sichtlich entspannt. «Hallo Cola», flüstert er. Für mich ist klar: Da haben sich zwei gefunden.

Mein Herz hat Cola gleich miterobert. Eigentlich will Inka dem Jungen nun noch die beiden anderen Hunde vorführen. Joel überlegt kurz und spricht schliesslich aus, was wir alle denken: «Der passt. Ich will keinen anderen! Nur Cola.» Und er will den Hund nicht irgendwann, sondern sofort. «Darf er diese Nacht schon bei uns übernachten?» Inka nickt. «Cola gehört ab sofort dir.» Joels «Juppiiiii» lässt mich still mitjubeln.
Noch am selben Tag machen wir den ersten Spaziergang mit dem Hund. Inka legt ihm ein Spezialgeschirr an. Eine Leine ist für mich. Mit dieser führe ich Cola. An einer zusätzlichen Leine hält sich Joel fest. So bleibt er beim Hund und damit bei mir. Davonrennen kann er nicht. Warum sollte er auch? Colas ruhiges Nebenherlaufen gibt ihm Sicherheit.

Der Spaziergang ist erst der Anfang. Uns stehen ein paar Tage intensiven Trainings mit Inka bevor. Nur so werden wir ein eingespieltes Team und Cola für Joel ein «massgeschneiderter», treuer Begleiter. Die Chemie stimmt schon mal. Das spüre ich.

Die Hundezunge wirkt beruhigender als Worte

Erschöpft von all den Eindrücken legt sich Joel abends ins Bett. Mit einem sanften Nasenstupser wünscht ihm Cola eine gute Nacht und legt sich neben ihn schlafen. Mir kommt es vor, als hätten die beiden ein Lächeln im Gesicht. Eine grosse Welle der Freude durchströmt mich. Endlich haben wir diesen Hund!

Und dies dank Ihnen, liebe Spen­derinnen und Spender
. Von ganzem Herzen danken wir für die lieben Worte und die Unterstützung! Mit Cola wird nun hoffentlich etwas Ruhe und Sicherheit in unsere Familie einkehren. 

Das braucht aber noch Zeit, das merkten wir nach unserer Heimkehr nach Frutigen. Das neue Familienmitglied bedeutet im ersten Jahr vor allem Mehrarbeit. Der Beziehungsaufbau und das Zusammenspiel brauchen Übung und Geduld. Cola weiss noch nicht so genau, ob er nun mitgehen soll, wenn Joel wegrennt.

Trotzdem ist eine Veränderung spürbar. Hat Joel einen Wutanfall, findet der Hund Zugang zu ihm, indem er Joel die Hand leckt. Das wirkt beruhigender als Worte. Schon allein deshalb lohnte sich das Warten auf einen Hund wie Cola. Wir lernen weiter.


Die Stiftung Elternsein dankt für Ihre Spenden

Im November 2017 haben wir zum ersten Mal über Joel Bettschen und seinen Wunsch nach einem Assistenzhund berichtet. Die Stiftung Elternsein, seit 17 Jahren Herausgeberin des Schweizer ElternMagazins Fritz+Fränzi, hat Sie, liebe Leserin, lieber Leser, zum Spenden aufgerufen. Innert kurzer Zeit kam der erforderliche Betrag von 30’000 Euro für die Beschaffung eines Autismusbegleithundes zusammen. Im Juli wurde Joel in Rostock durch Spezialisten eines Vereins für Assistenzhunde erfolgreich mit dem Riesenschnautzer-Mischling Cola zusammengeschult. Im Namen der Familie Bettschen dankt die Stiftung Elternsein allen kleinen und grossen Spendern sehr herzlich für das Engagement. www.elternsein.ch

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