«Ich habe Vaterschaft nie als Last empfunden» - Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi

«Ich habe Vaterschaft nie als Last empfunden»

Lesedauer: 2 Minuten

Seine ersten Kinder Isaac, 33, und Danielle, 32, erzog Dean Treml, 54, aus Sulz LU allein. Nachzügler Diego, 5, nun mit seiner Frau Romina, 37.

Text: Virginia Nolan
Bild: Désirée Good / 13 Photo

«Zum ersten Mal Vater wurde ich mit 21, damals lebte ich in meiner Heimat Neuseeland. Meine Freundin war ungeplant schwanger geworden. Den Plan, Meeresbiologie zu studieren, warf ich über den Haufen und liess mich von der Zeitung, für die ich fotografierte, fest anstellen. Wir ­heirateten und ein Jahr nach Isaacs Geburt ­kündigte sich Danielle an. Mein Wunsch, den beiden eine intakte Familie zu bieten, war gross. Mein eigener Vater war gegangen, als ich drei war. Meine Mutter, sie war Köchin, erzog mich und meinen Bruder allein. Ob Räder auswechseln, Geräte flicken, das Dach ausbessern: Mutter konnte es allein. Wenn etwas nicht funktioniert, dann reparier es, sagte sie. Das hat mich geprägt.

Auf meinen Vorschlag, die Kinder bei mir wohnen zu lassen, kam von meiner Exfrau keinerlei Gegenwind. Das war ernüchternd.

Mit meiner Exfrau gab es oft Streit. Trotzdem hielt ich lange an der Beziehung fest. Zu einem sicheren Hafen, glaubte ich, gehören zwei Elternteile. Wir zogen auf die Cook Islands, ihre Heimat. Als die Kinder sieben und acht waren, trennten wir uns. Auf meinen Vorschlag, die beiden bei mir wohnen zu lassen, kam von meiner Exfrau nicht der leiseste Gegenwind – sie ging einfach zurück nach Neuseeland. Das war ernüchternd. Ich hatte gute Freunde, bei denen die Kinder sein konnten, wenn ich viel zu tun hatte. Ich erzog die beiden aber auch zur Selbständigkeit, sie mussten daheim mit anpacken oder lernen, auch mal allein zu sein. Zeit, die für meine Arbeit draufging, v­ersuchte ich wettzumachen, wann immer sich die Gelegenheit bot. Dann gingen wir zum Strand.

Vaterschaft verlangt viel Organisation – als Last habe ich sie nie empfunden. Kinder­erziehung wird oft als Bürde dargestellt. Ich glaube, es ist nicht so schwer, wenn man früh ein paar grundlegende Dinge einfordert. Etwa, dass Kinder ihren Beitrag zum Familienleben leisten, dass sie anderen Menschen respektvoll begegnen und lernen, dass dies bedeutet, auch mal zurückzustehen.

2007 lernte ich am Australian Open Romina kennen, die auch Sportfotografin ist. Wir fühlten uns gleich verbunden. 2010 heirateten wir. Ich hätte nie geglaubt, nochmals Vater zu werden. Doch als Romina das Thema aufbrachte, dachte ich: Warum nicht? Klar hatte ich auch Bedenken, sah mich als alten Knacker meinem Kind hinterherhumpeln. Scherzhaft sagte ich: Ich bin dabei, aber nur vor 50! Als ich 49 war, kam Diego auf die Welt. Ich versuche, ihn in Dinge zu involvieren, die mir bedeutsam erscheinen: Wir arbeiten zusammen im Garten, werken oder machen Gemüse ein, das er gepflanzt hat. 2020 hatten wir viel gemeinsame Zeit. Sportevents wurden abgesagt, Romina und ich hatten kaum Arbeit. Traurig ist, dass wir nicht nach Neuseeland reisen konnten, um meine Kinder zu treffen. Erziehe ich heute anders als früher? Nein. Wobei: Ich kann Emotionen besser zulassen, bin weicher geworden. Im Neuseeland meiner Kindheit herrschte das Männerbild vom harten Kerl, der nichts übrig hat für Gefühlsduselei. Klar: Ich habe meine Kinder immer geliebt. Aber erst heute kommen mir die grossen drei Worte auch über die Lippen.»

Virginia Nolan
ist Redaktorin, Bücherwurm und Wasserratte. Sie liebt gute Gesellschaft, feines Essen, Tiere und das Mittelmeer. Die Mutter einer achtjährigen Tochter lebt mit ihrer Familie im Zürcher Oberland.

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