Wenn das Geld kaum zum Leben reicht

Mehr als 1,2 Millionen Menschen in der Schweiz sind von Armut betroffen oder bedroht. Unter ihnen sind überdurchschnittlich viele Alleinerziehende und Eltern mit drei oder mehr Kindern. Drei betroffene Familien erzählen aus ihrem Alltag, von Existenzängsten und Verzicht, von ihrem Wunsch nach mehr Verständnis und der Hoffnung auf finanzielle Unabhängigkeit. 
Ein sonniger Nachmittag in einem kleinen Dorf am Bodensee. Joel*, 7, und Ella*, 4, sitzen am Küchentisch der kleinen Genossenschaftswohnung und essen Apfelschnitze. Zvieri-Zeit. Ella klettert auf den Schoss ihrer Mutter und flüstert ihr etwas ins Ohr. «Ja, wir können später noch auf den Spielplatz gehen», sagt Lisa Schnellmann* und lächelt.

Auf der Anrichte liegen die Einkäufe: Reis, Teigwaren, Äpfel, Broccoli, WC-Papier. Auf den Verpackungen prangen die Labels der Billigmarken deutscher Supermarktdiscounter. Grossbuchstaben in knalligen Farben. Einmal pro Woche fährt die 31-Jährige zum Einkaufen über die Grenze, in der Tasche Prospekte mit Sonderangeboten. Nur was Aktion ist, landet im Einkaufswagen. Geht sie bei einer dieser Einkaufstouren auch zum Coiffeur? «Nein, das kann ich mir nicht leisten», sagt Lisa Schnellmann und streicht sich verlegen übers Haar.

«Lisa Schnellmann ist nach den Zahlen des Bundesamtes für Statistik eine von 675 000 Personen in der Schweiz, die unter der Armutsgrenze leben. Das heisst konkret: Der Alleinerziehenden bleiben nach Abzug von Miete und Krankenversicherungen für sich und ihre Kinder rund 1700 Franken monatlich zum Leben. Das sind 55 Franken pro Tag.

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