Elternbildung
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6. Wie verhindern Eltern, dass sie ihre Kinder geschlechterstereotyp erziehen?

Unterschiedliche Behandlung von Mädchen und Jungen geschieht oft ganz unbewusst. Mädchen werden häufiger zum Basteln oder Vorlesen animiert, Jungs eher dazu, zu toben oder technische Spiele zu spielen. Und da zum Beispiel angenommen wird, dass Mädchen insgesamt mehr reden als Buben, wird bereits ganz früh mit einem weiblichen Säugling mehr gesprochen als mit einem männlichen. Für die Erziehung bedeutet dies: Man sollte Stereotypen, die man mit sich rumträgt, nicht unreflektiert weitergeben. Man kann sie auch mit den Kindern zusammen diskutieren und infrage stellen.

Moritz Daum, Entwicklungspsychologe

7. Wie bringt man dem Nachwuchs bei, bei Tisch nicht zu rülpsen, zu schmatzen oder die Ellbogen aufzustützen?

Kinder haben ein Recht auf Erziehung, die sie nicht einengt, aber ihnen ermöglicht, ihren weiteren sozialen Weg ohne Schaden zu gehen. Zunächst einmal sollten Eltern selbst gute Vorbilder sein: Ein Vater, der seinen Sohn mit vollem Mund anschnauzt, er solle sich ordentlich hinsetzen, ist doch eine Lachnummer. Eltern können mit ihren Söhnen und Töchtern aushandeln, wie es bei Tisch zugehen soll. Und ihnen ruhig sagen, dass sie sich Sorgen machen, dass andere später mal nicht gerne mit ihnen essen werden, wenn sie die grundlegenden Verhaltensweisen nicht gelernt haben. 

Wenn Eltern mit ihren Kindern gemeinsam Spielregeln aufstellen, werden sie viel eher befolgt. Mütter und Väter sollten zwar nicht die Tischregeln lockern, aber sich selbst ein wenig entspannen. Wenn sie die Situation nicht so bierernst nehmen, kommen sie auch auf ganz einfache Spielchen, mit denen Kinder Benimm beim Essen lernen. Kleine Reime helfen zum Beispiel weiter, wenn das Kind beim Essen immer die Arme abspreizt: «Ellenbogen, Ellenbogen, sei doch nicht so ungezogen!» Dann benimmt sich der Ellenbogen daneben und wird getadelt und nicht das Kind, das dann als «Bestimmer» seinen Ellenbogen wieder zurechtrücken kann.
 
Elisabeth Bonneau, ehemalige Gymnasiallehrerin und Autorin von Knigge-Handbüchern

8. Wie erziehe ich mein Kind zu einem rücksichtsvollen und emphatischen Menschen?

Indem Sie genau das vorleben. Kinder schauen sich Verhaltensweisen ab, also kommt es darauf an, was vorgelebt wird. Werteentwicklung ist immer Wertevermittlung und gelebtes Leben.
 
Philipp Ramming, Kinder- und Jugendpsychologe Moritz Daum, Entwicklungspsychologe

9. Wie sage ich der Freundin, dass ihre Erziehungsmethoden nichts taugen?

Das kommt auf die Situation an. Ist man genervt, weil das Kind der Freundin zu Besuch ist und sich unmöglich aufführt, sie aber nicht eingreift, kann man vielleicht sagen: «Ich weiss, dass du das Beste möchtest, aber wenn du den Konflikt nicht selber wagst, wird das Kind Konflikte mit anderen haben, und diese sind weniger gut kontrollierbar.» Sich in fremde Erziehungsmethoden einzumischen, ist aber immer heikel. In öffentlichen Verkehrsmitteln beispielsweise wechselt man besser das Abteil, wenn ein Kind plärrt oder zu laut ist. Da lohnt es sich kaum, die Welt retten zu wollen. Gefährdet das Kind jedoch sich selbst oder andere durch sein Verhalten, muss man einschreiten.
 
Philipp Ramming, Kinder- und Jugendpsychologe
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1 Kommentar

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Von Stefanie am 15.07.2019 22:27

Bezüglich der Frage Nr. 22 "grösster Erziehungsfehler" habe ich einen Einwand:
Herr Ramming schreibt, dass "die Eltern nicht über Veränderungen an diesem System nachdenken und dies bei den Kindern Angst und Ohnmacht auslöst und somit zum Schreien beginnen".
Es ist nicht ein Fehler der Erziehung der Eltern, sondern ein Fehler der Gesellschaft und der fehlenden Unterstützung von Seiten des Staates. Auf den Schultern der Eltern lastet viel Druck: Geld verdienen, Arbeiten müssen, die Bedürfnisse des Kindes erfüllen.... Dies meist ohne grosse Unterstützung (finanziell durch Elterngeld beispielsweise, fehlende Grossfamilie, fehlende Anerkennung, fehlende Unterstützung durch den Arbeitgeber etc).
Als Eltern sieht man das Kind sehr wohl schreien und keine Mutter und kein Vater möchte dies! Alle Eltern würden ihr Verhalten (z.B. der Stress in der Früh) gerne ändern, aber der Druck ist doch viel grösser! Zudem muss sich das Kind schon früh (ab Krippenalter) den äusseren Rahmen anpassen: Ein Morgenkreis in der Krippe beginnt morgens um 9.00 Uhr. D.h. dass das Kind um 7.15 Uhr spätestens aufstehen muss.

Ich glaube, dass der grösste Erziehungsfehler der Eltern ist, alles perfekt machen zu wollen und die eigenen Bedürfnisse zu vergessen.

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