Mediennutzung

11 Fragen zum Thema Medienkonsum

Darf ich mein Kind per GPS orten? Ist Handy-Entzug als Bestrafung sinnvoll? Diese und weitere Fragen beantworten Expertinnen und Experten in unserem grossen Dossier zum Thema Medien & Medienkonsum. 
Redaktion: Claudia Landolt
Bild: Kirsten Lewis

Ab wann braucht mein Kind ein Handy? 

Ein Kind braucht wohl dann ein Handy, wenn es verschiedene der Funktionen, die ein Handy anbietet, auch nutzen würde, verantwortungsvoll mit einem solchen Kleincomputer umgehen kann und wenn Kind und Eltern gleichermassen froh sind, über das Handy miteinander in Kontakt zu stehen. Das heisst: Wenn eine Erstklässlerin nach einem Handy fragt und damit nur fotografieren möchte, gibt man ihr besser eine alte Digitalkamera. Fragt der Zweitklässler nach einem Handy, um damit auf einer App spielen zu können, kann er das auch auf dem Tablet zu Hause tun. Aber möchte eine Viertklässlerin mit ihren Kolleginnen und Kollegen bereits über digitale Medien kommunizieren, mit dem Handy telefonieren, fotografieren und weitere Funktionen nutzen, dann lohnt sich ein Gespräch über ein eigenes Gerät.
Es zeigt sich in der Praxis, dass der Wunsch nach einem eigenen Handy sehr stark von der Peergroup der Kinder abhängig ist. Und dass der Wunsch in immer jüngeren Jahren auf tritt, das Alter für den Erstbesitz immer weiter nach unten rückt. Ich persönlich würde aber nicht dazu raten, einem Kind ohne besondere Gründe vor der 4. oder 5. Klasse ein eigenes Smartphone in die Hand zu geben. Selbst wenn Kinder dann bereits ein eigenes Gerät besitzen, müssen noch nicht alle Funktionen freigeschaltet werden.

Eveline Hipeli, Kommunikationswissenschaftlerin und promovierte Medien­pädagogin an der Pädagogischen Hochschule Zürich

Soll ich mit meinem Kind einen Vertrag über die Handy-Nutzung abschliessen?

Hat der Sohn oder die Tochter neu ein Handy, ist das Wichtigste, ein Gespräch zu führen über den verantwortungsbewussten Umgang mit dem Gerät, mit den eigenen (und fremden) Daten sowie den Handy­-Regeln, die zu Hause für Kinder und Eltern gleichermassen gelten sollten. Manche Eltern verfassen dafür sogenannte Handy-Verträge, in denen die Kinder sich verpflichten, bestimmte Regeln einzuhalten. Das ist in einem jüngeren Alter sicher sinnvoll, weil es die Verbindlichkeit der Regeln signalisiert und konkretisiert.
Aber man muss sich bewusst sein, dass diese Verträge keine 100-prozentige Garantie dafür geben, wie die Kinder die digitalen Geräte tatsächlich nutzen – sie werden sie mit Sicherheit auch einmal anders nutzen, als die Eltern das gerne hätten. Mit zunehmendem Alter nimmt die elterliche Kontrolle naturgemäss ab, und in der Pubertät sind solche Handy-Verträge tendenziell schwierig, weil Kinder auf zu viele Regeln eher mit Widerstand reagieren. Hier kann es sinnvoll sein, sich vor Augen zu führen, dass wir Eltern in erster Linie Ratgeber, Begleiter und Unterstützer unserer Kinder sind, aber keine Polizisten.

Eveline Hipeli, Medienpädagogin
Mit der Juni-Ausgabe ist das umfangreichste Dossier in der Geschichte des Schweizer ElternMagazins Fritz+Fränzi entstanden: 29 namhafte Expertinnen und Experten – Jesper Juul Fabian Grolimund, Margrit Stamm, Philipp Ramming, Allan Guggenbühl, Eveline Hipeli und viele mehr – beantworten die 100 wichtigsten Fragen zur Erziehung und zum Familienleben.   Das komplette Heft können Sie als Einzelausgabe hier bestellen. 
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Das komplette Heft können Sie
als Einzelausgabe hier bestellen. 

Ist Handy-Entzug als Bestrafung sinnvoll?

Eltern sollten einen Handy-Entzug grundsätzlich nicht als Mittel zur Erziehung und damit auch nicht zur Bestrafung einsetzen – umgekehrt darf die Handy-Nutzung aber auch keine Belohnung sein. Bricht ein Kind ständig die abgemachten Regeln für die Handy-Nutzung, könnten die Eltern das Gerät kurzzeitig an sich nehmen – bis eine Lösung gefunden ist. Im Grossen und Ganzen ist es wichtig, den Jugendlichen einen sinnvollen Umgang mit dem Smartphone vorzuleben. Ganz abgesehen davon haben vier Fünftel der Teenies ihre Internet-Nutzung im Griff. Knapp 9 Prozent zeigen ein problematisches Online-Verhalten, 12 Prozent ein risikohaftes.

Daniel Süss, Medienpsychologe an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften

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