Elternbildung

Erziehung und Familie – 24 Fragen und Antworten

Wie geht Erziehung? Was ist das richtige Rezept? Wie viel Sorge ist angebracht, wie viel Vertrauen nötig? Wir haben namhaften Expertinnen und Experten die wichtigsten 100 Fragen zum Elternsein gestellt. Entstanden ist das umfangreichste Dossier in der Geschichte des Schweizer ElternMagazins Fritz+Fränzi: 100 Fragen – 100 Antworten.
Redaktion: Claudia Landolt
Mit der Juni-Ausgabe ist das umfangreichste Dossier in der Geschichte des Schweizer ElternMagazins Fritz+Fränzi entstanden: 29 namhafte Expertinnen und Experten – Jesper Juul Fabian Grolimund, Margrit Stamm, Philipp Ramming, Allan Guggenbühl, Eveline Hipeli und viele mehr – beantworten die 100 wichtigsten Fragen zur Erziehung und zum Familienleben.

Als kleinen Vorgeschmack, lesen Sie nun die Fragen und Antworten 1 bis 24 aus dem Dossier: von Fehlern über Belohnen bis Zimmer aufräumen. Das komplette Heft können Sie
als Einzelausgabe hier bestellen. 

1. Wann kann ich als Mutter oder Vater sagen: Meine Erziehung ist geglückt?

Hoffentlich nie! Wenn eine Erziehung glückt, ist das schön für die Eltern, aber schlecht für die Kinder, denn diese müssen zwingend Autonomie entwickeln können, statt den Traum ihrer Eltern wahr zu machen. Erziehung ist nicht der Ausdruck der Verfügungsgewalt von Eltern über das Kind, sondern ein leitendes Angebot von Eltern für ihre Kinder. Man darf nicht vergessen: Erziehung ist Scheitern in Raten. Aber scheitern Sie mit Würde und Eleganz.
 
Philipp Ramming, Fachpsychologe für Kinder- und Jugendpsychologie und Psychotherapie FSP sowie Präsident der Schweizerischen Vereinigung für Kinder und Jugendpsychologie

2. Was können Eltern tun, damit ihr Kind in Situationen besteht, in denen es beleidigt oder geringgeschätzt wird?

Am besten ist es, das Kind zu einer selbständigen und selbstbewussten kleinen Person zu erziehen, die vielleicht auch mal sagt, dass ihr egal ist, was die anderen denken. Je mehr Selbstbewusstsein und Unterstützung ein Kind von zu Hause bekommt, desto besser kann es mit solchen Situationen umgehen. Das heisst: Das eigene Kind lieben, bedingungslos. Punkt. Eigentlich ganz einfach.
 
Moritz Daum, Professor für Entwicklungspsychologie am Psychologischen Institut der Universität Zürich
«Wenn die Eltern alles mit der
Karte bezahlen, können die Kinder kein Gefühl dafür entwickeln, dass Geld endlich ist.»
Natascha Wegelin, Unternehmerin

3. Wie bringen Eltern ihren Kindern bei, ihr Zimmer aufzuräumen?

Ob und wie ein Kind sein eigenes Zimmer in Ordnung hält, hat mehr mit dem Charakter des Kindes zu tun als mit der Erziehung der Eltern. Es gibt junge Menschen, die von klein auf ein aufgeräumtes Zimmer haben möchten und sich anders gar nicht wohlfühlen. Andere Kinderzimmer hingegen versinken buchstäblich im Chaos und deren Bewohner haben damit kein Problem – ein Zustand übrigens, der im Jugendalter etwas häufiger um sich greift, aber tatsächlich nicht für alle gilt. Ich empfehle Eltern, sich nicht um die Zimmerordnung zu streiten, vor allem nicht mit Jugendlichen. Wenn der Teenager nicht will, dass man seine Privatsphäre mit Aufräumaktionen stört, sollte er dafür sorgen, selber ein Mindestmass an Ordnung zu halten. Wenigstens einmal im Monat.
 
Sarah Zanoni, Pädagogische Psychologin
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4. Soll man mit seinen Kindern weniger diskutieren und sich stattdessen öfter durchsetzen?

Wenn Sie etwas abmachen, müssen Sie es durchsetzen und dem Kind helfen, sich an die Abmachung zu halten. Erziehen ist kein Wohlfühl-Spa, sondern harte Arbeit. Als Eltern muss man aus der Komfortzone hinausgehen können. Dazu gehört auch, sich der autonomen Meinung des Kindes zu stellen. Weil wir aber in einer Welt leben, die uns manchmal orientierungslos macht, neigen viele Eltern dazu, die Beziehung zu ihren Kindern nicht aufs Spiel zu setzen. Das führt dazu, dass man eher verhandelt als fordert. In einem Konflikt muss Empathie aber zurückgestellt werden. Warum müssen Verhandlungen schmusig sein? Was zählt, ist das Ergebnis, nicht der Applaus, den Sie ernten.
 
Philipp Ramming, Kinder- und Jugendpsychologe

5.  Belohnen sei das neue Bestrafen, hört man. Stimmt das?

Belohnungen können sparsam und richtig eingesetzt durchaus sinnvoll sein. Sie sind sinnvoll, wenn sie nicht nach komplizierten Punkteplänen, sondern einfach zu verteilen sind und nur für zusätzlichen Aufwand vergeben werden, beispielsweise für eine Zusatzaufgabe, und nicht für Pflichten, beispielsweise die Hausaufgaben. Belohnungen sind dann nützlich, wenn sie sofort auf das erwünschte Verhalten erfolgen, für das Kind wirklich attraktiv sind, ihre Vergabe einfach wieder eingestellt werden kann und sie beispielsweise nach und nach durch andere Belohnungen in Form von Anerkennung, gemeinsamer Zeit und Freude über Fortschritte abgelöst werden.
 
Fabian Grolimund und Stefanie Rietzler, Psychologen und Leiter der Akademie für Lerncoaching in Zürich

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