Überwachungs-Apps: Was Eltern beachten müssen

Überwachungs-Apps für Eltern sind im Internet als «Glucken-Apps für Helikopter-Eltern» verschrien. Trotzdem finden sie reissenden Absatz. Dürfen Eltern ihre Kinder mit dem Smartphone überwachen? Und wenn sie es tun: Was müssen Sie beachten?
Strafe muss sein!», meint die Baslerin Mariya Lachat. Ihr zwölfjähriger Sohn hat sein Smartphone unter einer Bedingung bekommen: dass er damit für sie erreichbar ist. Doch wenn sie ihn anruft, geht er oft nicht dran. «Er sagt dann, er hätte es nicht gehört», sagt Lachat. Nun testet sie die App «Ignore no more». Ruft der Sohn nicht zurück, sperrt sie sein Smartphone aus der Ferne. Auf dem verriegelten Gerät funktionieren nur noch zwei Nummern: die für den Notruf und die der Eltern. Um das zu ändern, ist ein Code nötig, den die Kinder nur von den Eltern bekommen können.
Um dem Nachwuchs bei der Mediennutzung auf die Finger zu schauen, müssen Eltern keine Informatikexperten sein. Es gibt zahlreiche kostengünstige Apps für iOS (Apple) und Android: Mit der «Dinner Time App» kann das Smartphone für eine bestimmte Zeit deaktiviert werden, etwa während der Schulzeit oder fürs gemeinsame Abendessen. Die «Pocket Nanny» informiert Eltern, wenn Kinder ein vorher definiertes Gebiet verlassen. Komplettüberwachung ist mit «Canary Teen Safety» oder «My Mobile Watchdog» möglich: Anruflisten, Textnachrichten oder verwendete Apps, so ziemlich jede Aktivität mit dem Smartphone lässt sich überwachen.

Ausserdem können Eltern mittels GPS jederzeit den Aufenthaltsort des Kindes auf dem eigenen Smartphone sehen, die Surfzeit im Internet begrenzen oder die Verwendung von Apps einschränken. All diese Möglichkeiten stehen in der Schweiz theoretisch sehr vielen Eltern offen, da hier gemäss aktueller James-Studie 97 Prozent der jungen Handybesitzer ein Smartphone nutzen. Die technische Voraussetzung für eine Überwachung ist also gegeben.

Eine App als moderne Erziehungshilfe? «Erziehungsmethoden, die erwünschtes Verhalten mit drastischen Strafen erzwingen, funktionieren pädagogisch weder on- noch offline», sagt Philippe Wampfler. Als Lehrer, Kulturwissenschaftler, Blogger und Experte fürs Lernen mit neuen Medien wird er oft gefragt, wann er Überwachungs-Apps für sinnvoll hält. Wichtig ist für Wampfler, dass Eltern den Kindern klar sagen, wie und weshalb sie diese Apps nutzen: «Sie ersetzen aber nicht das Vertrauen in die Fähigkeit des Kindes.»

Artikel kostenlos weiterlesen

Registrieren Sie sich gratis und profitieren Sie:

  • Begrüssungsgeschenk: Wahl aus 150 Angeboten
  • Unbegrenzter Zugriff auf über 2’000 Artikel
  • Artikel merken und Lesezeichen speichern
  • Elterntipps und wertvolle Unterstützung
  • 100% kostenlos für Sie
Jetzt Registrieren