«Online war ich ein anderer»

Ein Leben ohne Internet ist heute für die meisten Teenager nicht mehr denkbar. Süchtig sind sie deshalb noch lange nicht. Was eine Internetsucht ausmacht und wohin sie führen kann, zeigt das Beispiel von Simon. 
In seiner schlimmsten Zeit hat Simon R. den PC niemals ausgeschaltet. Die Storen in seinem Zimmer waren Tag und Nacht unten, und er verliess seine Höhle nur noch, um Essen einzukaufen. «Aber nur wenn es unbedingt sein musste.» Wie oft das mit dem Essen «sein muss», unterschätzte der damals knapp 20-Jährige allerdings gewaltig: Eines Tages kippte er um und kam schwer unterernährt in die Klinik. Was bringt einen Menschen dazu, sein Leben komplett ins Internet zu verlegen, alle Offlinekontakte abzubrechen und sich selbst so zu vernachlässigen? Psychologen sprechen von einer neuen Verhaltenssucht, der Onlinesucht. Im Internet gibt es vieles, was süchtig machen kann: soziale Netzwerke, Shopping und Pornografie zum Beispiel. Oder eben Games. Renanto Poespodihardjo, Leiter der Ambulanz für Verhaltenssüchte der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel, schätzt, dass gar 99 Prozent aller Patienten, die wegen einer Onlinesucht zu ihm kommen, Gamer sind, fast alle männlich. Bei den Teenagern seien es häufig die Eltern, die aktiv werden werden, wenn die Kinder Schule und Freunde vernachlässigen, um im Netz zu sein. Die weit grössere Gruppe seiner Patienten aber seien junge Erwachsene, die es nach der Schule nicht schaffen, ein eigenes Leben aufzubauen, eine Ausbildung zu finden oder durchzuhalten und die Miete zu bezahlen.
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