Grenzenloses Gamen? Besser nicht
Mediennutzung

Computergames – die Serie, Teil 5

Grenzenloses Gamen? Besser nicht

Viele Eltern machen sich Sorgen wegen der negativen Folgen des Gamens. Dabei gibt es wirkungsvolle Schutzmassnahmen.
Text: Thomas Feibel
Kaum ein Ereignis hat die Medienerziehung so durcheinandergewirbelt wie die Corona-Pandemie. In dieser für uns alle schwierigen Zeit wurden die üblichen Medienregeln ausgehebelt. Kinder und Jugendliche verbringen deutlich mehr Zeit mit digitalen Geräten. Sie besuchen zum Teil ihre Schule online und halten über das Netz zu Freunden oder Verwandten Kontakt. Vor allem tauchen sie noch stärker als bisher in Games ab, da sie zumindest in diesen Pixelwelten keinerlei Einschränkungen ihrer Bewegungsfreiheit zu befürchten haben. Viele Eltern machen sich Sorgen, wie sie dieses Übermass nach der Pandemie wieder in geordnete Bahnen lenken können. Persönlich glaube ich, dass dies weniger schwierig wird als erwartet: Kinder brauchen nicht nur Schutz – sie wollen ihn auch.
 
Welche Bereiche beim Gaming müssen bzw. können geschützt werden? Acht Fragen, acht Antworten.

Woran erkenne ich, ob ein Spiel für das Alter meines Kindes geeignet ist?

In der Schweiz sorgen die Kennzeichen von PEGI (Pan European Game Information) mit Altersangaben und Symbolen (Gewalt, anzügliche Sprache, Sex) für eine erste Orientierung. Die Differenzierung erfolgt in den Abstufungen PEGI 3, 7, 12, 16 und 18. Diese Attribute liefern allerdings keine inhaltlichen Empfehlungen, sondern stellen nur fest, inwieweit das Spiel im Sinne des Jugendschutzes gefährlich oder ungefährlich ist.

Was taugt PEGI?

PEGI wird überall in Europa für die Alterskennzeichnung von Games verwendet – ausser in Deutschland. Dort legt die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) die Altersangaben für Games fest. Alain Jollat hält PEGI jedoch für das präzisere Instrument. «Aus meiner persönlichen Sicht», sagt der Vize-Projektleiter des Onlinemagazins GAMES.CH, «gibt die PEGI-Altersempfehlung einen wesentlich besseren Überblick über den problematischen Inhalt der Spiele. Dies durch die Inhaltsdeskriptoren, die bei der USK komplett fehlen. Eines der grössten Mankos meines Erachtens. Auf der Webseite von PEGI kann man nachvollziehen, warum zum Beispiel ‹Mortal Kombat 11› ab 18 ist – bei der USK nicht.»

Wie finde ich selbst heraus, ob das Spiel inhaltlich gut oder schlecht ist?

Da hilft nur ein Blick ins Internet und die Suche nach Rezensionen, Trailern oder Videos von Let’s Playern, um einen Eindruck zu erhalten. Eine gute Anlaufstelle ist auch die bereits erwähnte Seite GAMES.CH. Ich rate zu einer Eltern-Taskforce «Games» mit Hilfe einer Messenger-Gruppe. Schliesslich stehen beim Thema Gaming alle Mütter und Väter vor ähnlichen Problemen und könnten sich gegenseitig mit Einschätzungen und Erfahrungen zu den jeweiligen Spielen unterstützen und sich für eine gemeinsame Vorgehensweise (z.B. Spiel xy erlauben/nicht erlauben) absprechen.
Anzeige

Wie kann ich mein Kind vor übermässigem Spielekonsum schützen?

Zunächst der Klassiker: Gemein­same Regelungen vereinbaren und sich um deren Einhaltung kümmern. Das ist oft sehr mühsam und führt zu unschönen Diskussionen. Schliesslich versuchen Kinder und Jugendliche auch in der Mediennutzung – und insbesondere bei Games –, ihre Grenzen immer wieder neu auszutesten. Noch kniffliger verhält es sich mit Mobilgeräten, da sich Kinder damit der Kontrolle entziehen können.

Viele Kinder und Jugendliche können sich beim Thema Gaming nicht selbst regulieren. Aber sie können es lernen. Da sie beim Gamen jegliches Zeitgefühl verlieren, hat sich zum Beispiel der Wecker als extrem uncooles, aber probates Mittel bewährt. Auch andere Freizeitbeschäftigungen und gemeinsame Aktivitäten mit der Familie sind gute Präventionsmassnahmen gegen übermässiges Gamen und schützen so vor einer möglichen Abhängigkeit.

0 Kommentare

Zugehörige Tags

Hat Ihnen unser Artikel gefallen? Unterstützen Sie unser Engagement für Eltern mit einer Spende!

Diesen Artikel kommentieren

Diese Webseite nutzt Cookies. Cookies werden zur Benutzerführung und Webanalyse verwendet und helfen dabei, diese Webseite zu verbessern. Durch die weitere Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit unserer Cookie-Police einverstanden. Mehr Infos hier.