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Mediennutzung

WhatsApp und Threema: Chatroom im Hosensack

Die beliebteste Smartphone-App der Jugendlichen heisst WhatsApp. Ganze Schulklassen sprechen sich hier ab. Neu schlagen die Nutzungsbedingungen von WhatsApp ein Mindestalter von 16 Jahren vor. Was Eltern über WhatsApp und die Alternativen wissen und mit ihren Kindern besprechen sollten.
Text: Bianca Fritz
Das Handy vibriert nonstop. Bis zu 300 Nachrichten tummeln auf Anina Merz' Handy, wenn die 17-Jährige einmal eine Stunde lang nicht auf den Bildschirm schaut. Besonders wenn in Gruppenchats Bilder und Witze verschickt werden, kommt diese Zahl schnell zusammen.

«Für Jugendliche gilt: raus aus der Schule, rein in den Chat. Unterhaltungen, die im realen Leben begonnen wurden, werden nun mit Messenger-Diensten fortgesetzt», sagt der Vater von Anina, Professor Thomas Merz, Medienpädagoge an der Pädagogischen Hochschule Thurgau.

Dass Messenger-Programme wie WhatsApp, Threema und Snapchat so beliebt sind, ist nicht verwunderlich: Flugs wie eine SMS landen die Kurznachrichten auf dem Handy, ein Foto oder eine Sprachnachricht werden kinderleicht mitangehängt.

Besonders für Jugendliche geht es bei WhatsApp und anderen Messenger-Programmen längst nicht mehr nur darum, Informationen auszutauschen – sondern einfach darum, zu plaudern – in Kontakt zu bleiben. Das moderne Chatten eben.

WhatsApp braucht eine hohe Kommunikationskompetenz

«Wir nutzen neue Medien so, wie es unseren Alltagsgewohnheiten entspricht – gleichzeitig prägen die Medien durch ihre Möglichkeiten natürlich auch unser Nutzverhalten», sagt Thomas Merz. Den Chat-Programmen kann er viel Positives abgewinnen: «Es findet wertvolle Kommunikation statt – Freundschaftspflege. Und die schliesst auch jene mit ein, die weiter weg wohnen.» Gleichzeitig seien aber Ausgrenzung und Belästigung ein Thema.

Denn die Messenger-Programme sind, was die Nutzer mit ihnen machen. Es gibt keine eingebauten Filter, die beispielsweise das Verschicken von pornografischem oder gewaltverherrlichendem Material verhindern.

Die Jugendlichen sollten also bereits über eine sehr hohe Kommunikationskompetenz verfügen, bevor sie drauflostippen. «Wenn ich weiss, wie ich menschliche Beziehungen führe und pflege, kann ich neue Medien als Hilfsmittel nutzen. Und erkennen, wann sie mich am Leben hindern», sagt Merz.

Er plädiert dafür, dass es für Eltern wichtiger ist, die Kommunikationsfähigkeit ihrer Kinder grundsätzlich zu stärken, als sich mit jeder einzelnen neuen Technik auszukennen. Dazu gehörten eine gute, offene Gesprächsatmosphäre zu Hause und das Interesse der Eltern für Erlebnisse und Gedanken ihrer Kinder. Grundsätzlich sei es natürlich gut, wenn Eltern ebenfalls Erfahrungen mit Messengern sammelten. Merz: «Damit erlebe ich Faszination wie auch Fragen und Herausforderungen direkt und kann meine Kinder auch viel besser begleiten.»
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Datenschutz? Die Unterhaltung ist nicht privat

Zudem herrscht bei Messenger-Programmen eine grosse Unsicherheit darüber, wie sicher verschickte Texte, Bilder und Videos sind. «Es wird eine Privatheit der Nachrichten suggeriert, die so nicht stimmt», sagt Merz. Um sicherzugehen, dass Verschicktes wirklich nur den Empfänger erreicht, sollte man wissen, wie Messenger die Daten verschicken. «Ein sicherer Messengerdienst hat eine End-to-End-Verschlüsselung», sagt Medienpädagoge und Sicherheitsexperte Daniel Seitz. WhatsApp war einer der letzten Messenger-Dienste, die diese Verschlüsselung eingeführt haben.

Bei der End-to-End-Verschlüsselung werden die Daten für den Übertragungsweg von Smartphone zu Smartphone verschlüsselt – selbst der Betreiber der App hat keinen Zugriff auf die Daten. Mit End-to-End-Verschlüsselung kann zum Beispiel verhindert werden, dass ein Dritter die privaten Unterhaltungen über ein Crack-Programm ausliest – zum Beispiel der WG-Mitbewohner oder sonst jemand, der im selben WLAN eingeloggt ist.

Trotz End-to End-Verschlüsselung können wir uns aber nicht ganz auf die Sicherheit unserer Daten verlassen. Die Server der meisten Messenger, wie zum Beispiel WhatsApp, liegen nicht in der Schweiz. Damit unterliegen die Fotos von Kater Ruedi und der betrunkenen Kollegin auch nicht dem Schweizer Datenschutzgesetz.

Sicherheitsexperten bemängeln zudem, dass nur wenige Messenger ihre Programmcodes offenlegen. So ganz sicher kann man sich also nicht sein, dass das Programm nicht doch auch filmt und fotografiert, ohne dass ich es will.

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1 Kommentar

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Von Sultani am 13.06.2018 22:47

Super

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