Kann ein Kind heute noch ohne digitale Medien aufwachsen? - Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi
Merken
Drucken

Kann ein Kind heute noch ohne digitale Medien aufwachsen?

Lesedauer: 2 Minuten

Auf diese und fünf weitere Fragen gibt das Kapitel «Medienkompetenz» des Dossiers «100 Fragen – 100 Antworten zum Thema Medien» Antwort.

Fragen und Umsetzung: Thomas Feibel
Bilder: Joël Hunn

Kann ein Kind heute noch ohne digitale Medien aufwachsen? 

Solange Kinder sehr klein sind, ist das möglich. Eltern können sie aber nicht lange davor bewahren. Sobald Kinder in soziale Einrichtungen wie Kita oder Schule kommen, werden sie unweigerlich mit Medien konfrontiert. Zum Beispiel wenn Freunde Geschichten aus ihren Streamingserien erzählen. 
Stefan Aufenanger

Medienkompetenz ist für mich die Fähigkeit, mit Medien reflektiert, kritisch, kreativ und mit einem wertschätzenden Blick auf uns und andere umgehen zu können.

Friederike Tilemann

Seit zehn Jahren wird in der JAMES-­Studie das ­Mediennutzungsverhalten von ­Kindern und Jugendlichen untersucht. Welche ­Befürchtungen aus der Anfangszeit haben sich bewahrheitet, ­welche waren unbegründet?

Je mehr Kinder und Jugendliche selbständig Medien nutzen, desto stärker werden sie mit Gewalt, Mobbing und Pornografie konfrontiert oder sexuell belästigt. Mit dem Smartphone entzieht sich die Mediennutzung eines Kindes oder Jugendlichen zunehmend der Kontrolle der Eltern und bringt daher mehr Risikoverhalten mit sich.

Die Befürchtung, dass Kinder nur noch an den Digitalgeräten hängen oder gamen und von Medienbildern beeinflusst werden, hat sich dagegen nicht bewahrheitet. Kinder und Jugendliche treffen noch immer am liebsten ihre Freunde, sind draussen, unternehmen gerne etwas und treiben Sport. Viele dieser Bereiche sind über zehn Jahre hinweg sehr konstant geblieben.
Daniel Süss

Was verstehen Sie unter ­Medien­kompetenz?

Für mich ist Medienkompetenz die Fähigkeit, mit Medien reflektiert, kritisch, kreativ und mit einem wertschätzenden Blick auf uns und andere umgehen zu können. Es geht auch darum, sich mithilfe von Medien gestaltend ausdrücken und sich medial an gesellschaftlichen Prozessen beteiligen zu können. Hierfür braucht es Wissen und Reflexionsfähigkeit zum Verständnis von Medien, ihren Produkten und den Mediensystemen, damit eine kompetente Wahrnehmung gelingt und ich die Medien selbstbestimmt nutzen kann.
Friederike Tilemann

Wie definieren Sie Begleitkompetenz?

Das Kind in seinem Medienkonsum zu begleiten bedeutet, mit dem Kind über eben diesen zu sprechen, interessiert an dem zu sein, was es tut, hinzuschauen, die eigenen Bedenken äussern zu dürfen und auch mal nachzufragen. Und sobald Eltern merken, dass ihnen Wissen in einem bestimmten Bereich fehlt, sich darüber zu informieren.
Daniel Betschart

Kennen sich Kinder besser mit digitaler Technik aus als Erwachsene?

Es ist ein gängiges Missverständnis, dass sich Kinder schon allein deshalb besser auskennen, weil sie gut und schnell klicken können. Sie haben zwar oft gute Anwenderkenntnisse mit bestimmten Geräten und Programmen, aber sie schauen meist zu wenig hinter die Kulissen, sie können Gefahren zu wenig gut einschätzen und sie kennen auch nur ein relativ eingeschränktes Spektrum an Möglichkeiten, wie man digitale Medien auch anders und vielleicht sinnvoller nutzen könnte. Letztlich können Erwachsene von Kindern und Kinder von Erwachsenen etwas lernen.
Dominik Petko

 Sind Kinder durch Streaming noch stärker zu Konsumenten geworden?

Nein, denn sie sind durch Social Media auch in grossem Masse zu Produzenten geworden. Das Potential, sich kreativ mit Medien auseinanderzusetzen und selbst Dinge anzufertigen, ist insgesamt gestiegen. Auf der anderen Seite ist die Konsumation vorgefertigter Produkte nach wie vor ein wichtiges, aber kein dominantes Element im Medienalltag.
Daniel Süss

100 Fragen und 100 Antworten: Hier erfahren Sie mehr über die Expertinnen und Experten aus unserem grossen Mediendossier.

Lesen Sie mehr zum Thema Medienerziehung:

Advertorial
Hilfe beim Schulstoff auf Knopfdruck
Die grösste Lernplattform der Schweiz evulpo bietet umfassende Lernmaterialien für Schülerinnen und Schüler aller Schulstufen an.
Medienkompetenz
Lernen
Das kritische Denken als Kompass
Damit sich Kinder und Jugendliche in der digitalen Welt zurechtfinden, müssen Schule und Eltern sie auf dem Weg zur Medienkompetenz begleiten.
Medien
«Kinder sollen sich nicht mit einfachen Antworten zufriedengeben»
Der Krieg in Nahost wird auch in sozialen Netzwerken ausgetragen und macht nicht halt vor Kindern und Jugendlichen. Medienexperte Thomas Feibel über verstörende Bilder, den richtigen Umgang mit Antisemitismus im Netz und die Rolle der Eltern.
Familienleben
«Kinder wollen mitreden können»
Sollen Eltern ihre Kinder vor der Flut an schlechten Nachrichten abschirmen? Bloss nicht, sagt Sozialwissenschaftlerin Gisela Unterweger.
Elternbildung
Wenn das Handy zur Waffe wird
Cybermobbing ist für betroffene Jugendliche und deren Angehörige extrem belastend. Doch wie kommt es überhaupt dazu? Wie lässt sich das üble Treiben stoppen? Und welche Rolle spielt die Schule?
Medien
Medienerziehung
Medien: 10 Fragen zu Handy, Tablet und PC
Ihr Kind von den digitalen Medien konsequent fernzuhalten, gelingt längst nicht mehr? Das ist völlig in Ordnung. Elektronische Medien gehören heute zum Alltag.
Thomas Feibel Medienexperte
Medienerziehung
Smartwatches sorgen für neuen Ärger
Immer öfter tragen schon Primarschüler GPS-Uhren. Wie sollen Lehrpersonen damit umgehen und warum schaffen Eltern diese überhaupt an?
Erziehung
Was habe ich denn zu verbergen?
Viele Kinder nutzen Apps und Websites, ohne ihre Daten zu schützen. So sagen Sie ihnen, warum sie dies tun sollten.
Medien
Spielen nach eigenen Regeln
Manche Kinder nutzen Games nicht nur zum Zeitvertreib, sondern programmieren sie um. Mit oft erstaunlich kreativen Resultaten.
War früher wirklich alles besser?
Medien
War früher wirklich alles besser?
Wie lange sassen wir einst selbst vor TV und Radio? Um den Medienkonsum unserer Kinder zu verstehen, hilft ein Rückblick.
Thomas Feibel Medienexperte
Medienerziehung
Tiktok als Einstiegsdroge?
Immer öfter werden Rauschmittel in sozialen Netzwerken glorifiziert. Mit fatalen Folgen für Kinder und Jugendliche. Wie Eltern diesem Trend begegnen sollten.
Medien
Was tun, wenn die Tochter sich im Netz sexy zeigen will?
Auf diese und acht weitere Fragen gibt das Kapitel «Sex und Medien» des Dossiers «100 Fragen - 100 Antworten zum Thema Medien» Antwort.
Medien
Schadet Tiktok unserem Kind?
Auf diese und sieben weitere Fragen gibt das Kapitel «Soziale Medien» des Dossiers «100 Fragen - 100 Antworten zum Thema Medien» Antwort.