Betty Bossi: So kommt Ihr Kind auf den gesunden Geschmack
Ernährung

So kommt Ihr Kind auf den gesunden Geschmack

Wie «Nudging» das Essverhalten von Kindern und Jugendlichen zwanglos in eine positive Richtung lenken kann – und welche Rolle Sie als Eltern dabei spielen.
Text: Vera Kessens
Bild: iStockphoto

In Zusammenarbeit mit Betty Bossi
Wir Menschen sind keine rein rational entscheidenden Wesen. Obwohl wir wissen, dass manche Dinge ungesund sind, essen wir diese trotzdem, und das immer wieder. Dieses Verhalten hat viele Gründe. Setzt man sich eine gesündere Ernährung zum Ziel, um fitter und schlanker zu werden, kann dies anfangs einen grossen Verzicht bedeuten, ohne dass man die posi­tiven Auswirkungen unmittelbar spürt. Da eben diese Auswirkungen nicht sofort spürbar sind, kommt es ganz oft vor, dass wir kurzfristig unsere Vorsätze vergessen und die Lust nach dem «Verbotenen» doch grösser ist und gewinnt. Das Bedürfnis, dem Jetzt zu gehorchen und dem Später weniger Gewichtung zu geben, ist dabei sehr typisch und menschlich. Da ist der Genuss einer Schokoladenglace im Hier und Jetzt mehr wert als die angestrebte schlankere Linie, die sich erst viele Verzichtsmomente später bemerkbar macht. Zahlreiche weitere Beobachtungen zeigen, wie oft wir Menschen von aussen betrachtet nicht immer die vernünftigste Entscheidung treffen. In diesem Zusammenhang kommt der Begriff «Nudging» ins Spiel. Beim Nudging geht es da­rum, Menschen durch sanftes «Anstupsen» oder Beeinflussung dazu zu bewegen, für sich selbst oder für die Umwelt und Mitmenschen positive Entscheidungen zu treffen oder eben das eigene Ver­halten zu verbessern. Dies soll unbedingt ohne Zwang, Verbote und Regeln geschehen. Denn wie Sie bestimmt auch schon erfahren haben, führen Verbote dazu, dass Kinder wie auch Erwachsene das Verbotene nur noch spannender ­finden.

Die Nudging-Methode kann in verschiedenen Bereichen angewendet werden. In Bezug auf gesunde Ernährung hat sie folgendes Ziel: Die Entscheidung für das Gesunde soll die einfachere Entscheidung sein. Es sollen möglichst alle Steine aus dem Weg geräumt werden, um sich für die gesunde Variante entscheiden zu können, ohne dass die ungesunde Variante aktiv schlecht gemacht wurde.

Auf die Stimmung kommt es an

Auch Ihre Familie kann sanft in Richtung gesunder und ausgewogener Ernährung gelenkt werden. Farbenfrohe Gerichte, welche auch noch schön oder spielerisch angerichtet werden, machen Lust auf mehr. Gibts den Salat als Vorspeise, wird dieser eher gegessen, als wenn der zum Hauptgang serviert wird. Sehen die Gerichte abwechslungsreich und interessant aus, werden sie beispielsweise mit einer Sauce zum Dippen serviert, greifen auch die jüngsten Familienmitglieder eher zu. Zudem spielt auch die Portionsgrösse eine entscheidende Rolle. Je grösser die Portion ist, desto mehr wird davon gegessen, obwohl das Sättigungs­gefühl schon eingetreten ist. Mit kleineren Dessertportionen servieren sie automatisch weniger Zucker und Fett – ohne darüber ein Wort verlieren zu müssen. Auch die Atmosphäre während der Mahlzeiten spielt eine Rolle. Wird unter Stress oder bei Streit gegessen, essen die Emotionen mit, welche das Hunger- und Sättigungsgefühl stark beeinflussen können. Dasselbe gilt für Essen mit Ablenkung durch TV oder Smartphone. Herrscht eine entspannte und wohlwollende Stimmung am Familientisch, wirkt sich das wiederum positiv aus. Es zeigt sich also, dass die Qualität, sprich wie beziehungsweise unter welchen Umständen miteinander gegessen wird, viel entscheidender ist als die Quantität, also wie oft zusammen gegessen wird. 

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