Welcher Hund passt zu unserer Familie? - Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi

Welcher Hund passt zu unserer Familie?

Klein, robust und freundlich – das sind die Eigenschaften eines idealen Familienhundes. Warum Grossmütter die verlässlichsten Hundegöttis sind, Border Collies in einer Familie meist nicht glücklich werden und was Eltern hinsichtlich Hygiene und Gesundheit beachten sollten, verrät Tierärztin Petra Fernandez. 

Auf was sollten Eltern bei der Hundehaltung mit Kindern im Haushalt achten? 

Die ganze Familie muss dahinterstehen. Jeder Hundebesitzer muss sich auch vergegenwärtigen, dass ein Hund sein Leben lang wie ein pflegebedürftiges Kind abhängig vom Besitzer bleibt. Das heisst: Mindestens ein Erwachsener in der Familie muss die Verantwortung für den Hund tragen. Der Hund braucht zwei bis drei Spaziergänge pro Tag, er braucht Erziehung, Aufmerksamkeit und Betreuung. Kinder finden Gassi gehen heute toll, morgen vergessen sie es. Und es gibt zwei weitere Aspekte, die man sich gut überlegen muss. 

Die wären? 

Der Ferienplatz für den Hund muss, bevor er angeschafft wird, organisiert sein. Familien wollen reisen und der Hund kann da vielleicht nicht immer mit. Das ist auch völlig in Ordnung. Nur heisst das, dass der Hund zum Beispiel von klein auf an das Tierheim oder einen Pflegeplatz gewöhnt werden muss. Das klappt in der Regel auch prima. Heute ist es organisierbar, einen Hund zu haben und zum Beispiel Ferien in Übersee zu machen. Es gibt so viele tolle Tierferien-Hotels oder Tierheime, die Rudelhaltung haben. Aber das kostet Geld und muss ins Ferienbudget eingeplant werden. 

Hundehaare & dreckige Pfoten: Wer in Sachen Sauberkeit heikel ist, sollte sich lieber keinen Hund zulegen. Der Hund ist ein soziales Tier und will immer dabei sein. Auch er will in die Stube rein oder es sich mal auf dem Sofa gemütlich machen. 

Hundehaare & dreckige Pfoten: Wer in Sachen Sauberkeit heikel ist, sollte sich lieber keinen Hund zulegen. Der Hund ist ein soziales Tier und will immer dabei sein. Auch er will in die Stube rein oder es sich mal auf dem Sofa gemütlich machen. 

Oder man organisiert einen Hundegötti … 

Ganz ehrlich? Wie auch beim Kinderhüten funktioniert dies meist nur mit den Grossmüttern. Nachbarn oder Freunde «vergessen» gerne wieder ihr Angebot oder sind auf einmal anderweitig verplant. Verlässlich sind nur die Grossmütter, das ist zumindest das, was ich in unserer Praxis mitbekomme (lacht). 

Und der dritte Aspekt? 

Der Dreck! Wer heikel ist, sollte sich lieber keinen Hund zulegen. Ein Hund will rein in die Stube, er ist ein soziales Tier und will immer dabei sein. Er liegt auch gerne, wie der Mensch, auf etwas Weichem und macht es sich auch mal auf dem Sofa gemütlich. Wer also seinen Hund nicht in das Wohnzimmer lässt, der ist kein Hundehalter. Es gibt ganz kurzhaarige Hunde oder lockige Rassen, wie zum Beispiel der Pudel, Lagotto oder Perro de Agua Español (spanischer Wasserhund), die kaum oder keine Haare verlieren. Aber eben: Die meisten Hunde verlieren Haare und damit muss man umgehen können. 

Was empfehlen Sie: Ein Hund aus dem Tierheim oder doch lieber einen Welpen beim Züchter holen? 

Ich erlebe beides sehr erfolgreich und weniger erfolgreich. Im Idealfall hat die erwachsene Bezugsperson in der Familie Erfahrung mit Hunden. Oder nimmt jemanden mit, der sich auskennt. Es ist sehr schwierig für einen Menschen ohne Hundehaltungskenntnisse einen Hund auszusuchen – unabhängig davon ob im Tierheim oder beim Züchter. 

Gibt es generell ein paar einfache Anhaltspunkte, wie man sich einen Hund aussucht? 

Hunde zeigen sehr klar, ob sie mitgehen wollen. Es muss eine Anziehung zwischen Hund und Familie da sein, es muss einfach passen. Ein Hund sollte den Menschen optisch ansprechen, in der Grösse und Rasse passend sein,  Zuneigung zeigen und auch erzeugen. Zudem sollte man sich klar darüber sein, welche Funktion der zukünftige Hund im Haushalt haben soll: Wachhund, Begleithund, Familienhund, Schosshund oder Arbeitshund? 

Kinder mit einem Hund bewegen sich mehr draussen. Er bringt sie von Smartphone und Spielkonsole weg. Auch belegen Studien, dass das Immunsystem eines Kindes durch die Belastung mit Fell und Dreck gestärkt wird. 

Kinder mit einem Hund bewegen sich mehr draussen. Er bringt sie von Smartphone und Spielkonsole weg. Auch belegen Studien, dass das Immunsystem eines Kindes durch die Belastung mit Fell und Dreck gestärkt wird. 

Und was gibt es zu beachten, wenn der Hund in der Familie angekommen ist? 

Nach einer Eingewöhnungsphase, in der sich der Hund meistens sehr brav und defensiv verhält, beginnt er sich zu orientieren. Der Hund ist ein Rang- und Rudeltier und versucht natürlicherweise einen vorderen Rangplatz im Rudel zu gewinnen. Er sollte am besten den letzten Rang in der Familienhierarchie einnehmen, hinter dem jüngsten Kind. Darauf sollten die Eltern immer achten. 

Wie sollte man da konkret vorgehen? 

Erreichen kann man dies zum Beispiel sehr einfach, indem das jüngste Kind den Hund eine Übung machen lässt und ihm danach das Futter hinstellt. Der Hund muss warten, bis das Kommando erfolgt, dass er jetzt fressen darf. Wer die Macht über das Futter hat, ist in Hundeaugen fast automatisch der Chef. Zudem müssen Eltern beachten: Hunde raufen gerne und klären dabei spielerisch ihren Rang. Wenn Hunde mit Kindern spielen, kann der Hund schnell etwas missverstehen. Denn: Kinder lassen sich gerne aus Spass in die Hand beissen. Oder sie überlassen dem Hund Spielsachen – alles Anzeichen für den Vierbeiner, dass er im Rang über dem Kind steht. Eine gute und klare Erziehung des Hundes ist daher wesentlich für ein gelingendes Zusammenleben in der Familie.

Und was sollte man den Kindern im Umgang mit dem Hund beibringen? 

Die Kinder müssen auch Rudelregeln respektieren. Wenn der Hund  gerade seine Ruhe haben will, sollte ihn niemand stören. Gerade Kleinkinder können das Verhalten eines Hundes nicht einschätzen. Aus diesem Grund darf man sie nie mit einem Hund alleine lassen. Trotzdem: In den meisten Fällen etabliert sich eine gute Beziehung zwischen Familie und Hund. Das Tolle am Hund ist ja, dass er Menschen liebt. Er freut sich immer und über jede Art der Zuwendung, egal wie sie gelaunt sind. 

Welche Impfungen, Wurmkuren etc. empfehlen Sie, speziell wenn die Hunde viel im Kontakt mit Kindern sind? 

Schutzimpfungen empfehle ich sehr und immer, unabhängig davon ob man Kinder hat oder nicht. Wir haben eine gute Impfdichte in der Schweiz. Mit diesen Impfungen sind die Hunde gegen die wichtigsten Hundekrankheiten geschützt. Grundsätzlich gilt: Eine gute Grundimmunisierung von 2-3 Impfungen im Welpenalter, sowie 1 x im Alter von 1 Jahr. Danach ist eine jährliche Kontrolle zu empfehlen. 
«Die Kinder müssen auch Hunde-Rudelregeln respektieren»

Immer wieder sind Flöhe ein Thema, weil sie auch auf Menschen überspringen können. 

Das kann auch bei Zecken der Fall sein. Da gibt es viele wirksame Präparate für Hunde. Eine Tablette gegen Flöhe, Milben und Zecken schützt zum Beispiel drei Monate lang. Es gibt auch alt bekannte Spot-on-Präparate (Anm. d. R.: engl. tröpfeln auf) oder Halsbänder, die immer noch gut wirken. Das Problem kann auch noch in einem kalten November auftauchen. In beheizten Innenräume können Flöhe und Zecken überleben. Wenn man Angst davor hat, schützt man den Hund einfach das ganze Jahr hindurch. Die Wirkstoffe der Tabletten sind problemlos empfehlenswert und haben nur äusserst selten Nebenwirkungen. 

Über diese Nebenwirkungen wird viel diskutiert. Sie sollen epileptische Anfälle auslösen. 

Eine aus unserer Sicht falsche Berichterstattung eines grossen Privatsenders über eine bestimmte Zeckentablette hat viele Ängste geschürt. Auch unqualifizierte Kommentare im Internet haben einiges an Missverständnissen verursacht. Diese besagte Tablette wurde durch alle gesetzlichen Instanzen hindurch geprüft und in der Schweiz erst ein Jahr nach Zulassung in der EU eingeführt. Grundsätzlich kann jedes Ereignis oder Medikament einen epileptischen Anfall auslösen. Dazu braucht es aber ein disponiertes, empfindliches Tier. Der Kausalzusammenhang ist nur sehr schwer zu beweisen.

Bandwürmer oder der berüchtigte Fuchsbandwurm, den Hunde auf Menschen übertragen können, machen Eltern Sorgen. 

Bandwurmgeschichten holt man sich viel öfter durch ungenügend bzw. ungewaschene Nahrungsmittel. Wir empfehlen für Hunde alle drei Monate eine Entwurmungskur, sie eliminiert die Würmer. Auch einfache Hygieneregeln im Umgang mit dem Hund schützen: Nicht am Hinterteil anfassen, den Hund die Hände und das Gesicht nicht abschlecken lassen und die Hände nach jedem «kritischen» Kontakt waschen. Und wenn das Hände waschen mal vergessen geht, dann sollten Eltern nicht in Panik geraten. Ein gutes Immunsystem wehrt Parasiten in der Regel gut ab. Zudem sind Fälle von Infektionen von Fuchsbandwürmern extrem selten. 

Welche Hunderassen eignen sich besonders gut als Familienhund? Welche lieber nicht? 

Eine schwierige Frage, die man nicht pauschal beantworten kann. Das hängt vom individuellen Charakter des Hundes ab. Die Grösse und das Gewicht spielen sicher eine Rolle. Wenn das Kind zum Beispiel auch mit dem Hund Gassi gehen soll, dann sind für mich 10 bis 15 Kilogramm Körpergewicht die Obergrenze. Ansonsten sind natürlich Labradore und der Golden Retriever liebe Hunde. Diese Rasse möchte Menschen beschützen – und sie wollen gefallen. (Mehr zu familiengeeigneten Rassen, siehe Box am Ende des Textes). 

Kein Familienhund: Border Collies sind Arbeitshunde, hochintelligente und energiegeladene Hunde, die dafür gezüchtet wurden, Schafe zu hüten und zu treiben. «Sie brauchen eine richtige Aufgabe, auch geistig, denn sie sind lernbegierig und intelligent. Gerade diese Rassen werden bei Unterforderung richtig depressiv oder entwickeln gestörte Verhaltensweisen», weiss Tierärztin Dr. med. vet. Petra Fernandez von der Kleintierklinik in Liestal (BL). 

Kein Familienhund: Border Collies sind Arbeitshunde, hochintelligente und energiegeladene Hunde, die dafür gezüchtet wurden, Schafe zu hüten und zu treiben. «Sie brauchen eine richtige Aufgabe, auch geistig, denn sie sind lernbegierig und intelligent. Gerade diese Rassen werden bei Unterforderung richtig depressiv oder entwickeln gestörte Verhaltensweisen», weiss Tierärztin Dr. med. vet. Petra Fernandez von der Kleintierklinik in Liestal (BL). 

Sie betonen, dass bei der Auswahl der Rasse auch beachtet werden soll, für welche Zwecke sie ursprünglich gezüchtet wurde.

Es gibt Hunde, die haben eine lange auf die Jagd ausgerichtete Zuchtlinie. Dann gibt es zum Beispiel solche, die für die territoriale Verteidigung gezüchtet wurden – wie etwa Schäferhunde. Letztere sind in einer Familie nicht unbedingt gut aufgehoben. Schäferhunde sind Arbeitshunde und Schutzhunde, die eine Aufgabe brauchen. Soll es dennoch einer sein, dann müssen die Eltern stetig mit dem Tier arbeiten und von Anfang auf eine gute Erziehung achten. Gerade Schutzhunde benötigen viel Hunde-Wissen. 

Gewisse Hunde sind gerade sehr in Mode, wie zum Beispiel Border Collies.

Ja, sie gehören definitiv zu den Modehunden, was sehr schade ist. Auch hier: Border Collies sind Arbeitshunde, die dafür gezüchtet wurden, Schafe zu hüten und zu treiben. Sie brauchen eine richtige Aufgabe, auch geistig, denn sie sind lernbegierig und intelligent. Gerade diese Rassen werden bei Unterforderung richtig depressiv oder entwickeln gestörte Verhaltensweisen. 
Kinder mit einem Hund bewegen sich mehr draussen. Der Hund bringt sie von der Spielkonsole oder vom Smartphone weg.

Studien belegen ja immer wieder die positive Auswirkung, die Hunde auf Menschen haben. So soll sich zum Beispiel das Allergierisiko bei Kindern, die mit einem Hund im Haushalt leben, senken. 

Ein Hund hat zweifelsohne eine positive Auswirkung auf Kinder. Er ist ein Wesen, das Kinder in den Kontakt mit der Natur bringt. Das Immunsystem der Kinder wird zudem durch die Belastung mit Fell und Dreck in Übung gehalten. Im Idealfall bewegen sich Kinder mit einem Hund mehr draussen, was bedeutet, dass der Hund die Kinder von der Spielkonsole oder vom Smartphone wegbringt. Und jeder, der Hunde mag, weiss, wie entspannend das Streicheln von Fell ist. 

Ohne Zweifel. Auch das zeigen Studien. 

Hunde sind wunderbare Tröster. Ein Hund legt sich zum Kind, wenn er spürt, dass es krank ist oder sich traurig oder unverstanden fühlt. Es gibt Studien aus der Humanmedizin, die belegen, dass Hundebesitzer, die einen Herzinfarkt hatten, mit Hund grössere Überlebenschancen in der Langzeittherapie haben. Auch baut ein Hund enorm viele Spannungen in der Familie ab. Ich bin immer wieder beeindruckt, wie viel Therapiearbeit so ein Hund leistet. 

Welche Rassen eignen sich für eine Familie mit heranwachsenden Kindern? Eine Auswahl: 

Gut händelbar für kleine Kinder: Terrier, Beagle, Pinscher
Zwergpinscher, Zwergschnauzer, Yorkshireterrier, Cairnterrier, West Highland White Terrier, Beagle und Pudel gelten für Kinder als gut händelbar und als sehr anhänglich. Zu den komplikationslosen Rassen gehören auch der Bolonka oder der Chihuahua. Beide wiegen sie nur 2 bis 4 Kilo. Hier besteht eher die Gefahr, dass sie aus Unachtsamkeit getreten werden. 
Robust und peppig: Terrier
Terrierrassen, haben, wenn man deren Jagdtrieb im Griff hat, richtig Pepp. Sie wollen spielen und sind robust gebaut. Auch der Schnauzer und der Yorki sind robust – sowie der Pinscher, trotz zarter Beine. Denn nicht zu vergessen ist: Der Zwergpinscher ist auch ein kleiner Dobermann. «Er kann im Zweifelsfall richtig aggro werden», meint Dr. Petra Fernandez. «Dies sollte natürlich nicht vorkommen. Aber im absoluten Notfall, falls so ein Hund beisst, können auch Kinder einen so kleinen Hund noch wegkicken.»

Idealer Familienhund: Pudel, Labrador und Retriever
Eine Rasse, die viele Eigenschaften mitbringt, die für Menschen geeignet sind, ist der Pudel. Der normale Mittelpudel gilt als ein idealer Familienhund mit freundlichem Charakter. «Der Pudel ist ein sehr intelligenter und gutmütiger Hund. Er liebt Menschen, jagt und beisst nicht», sagt. Petra Fernandez. Zudem haare der Pudel weniger und stinke nicht so typisch nach Hund. Der Pudel sei auch eine sehr lustige Rasse. «Sie machen gerne Kunststücke, spazieren unermüdlich und laufen gerne neben dem Velo mit. Sie sind meist bei guter Gesundheit und langlebig», bestätigt die Tierärztin. Kurz: Der Pudel ist ein sehr familiengeeigneter Hund. Auch Labradore und der Golden Retriever gelten als liebe und sanftmütige Familienhunde. Sie sind von der Rasse so ausgerichtet, Menschen zu beschützen – und sie wollen gefallen. Zwar gehört der Jagdtrieb ebenfalls zu den typischen Eigenschaften. Doch mit einem guten Training respektive einer guten Erziehung lässt er sich in gute Bahnen lenken.

Bilder: pexels & pixabay


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Zur Person:

Die Veterinärmedizinerin Petra Fernandez ist Mitinhaberin der
Die Veterinärmedizinerin Petra Fernandez ist Mitinhaberin der Kleintierklinik Klaus AG in Liestal (BL). Sie ist Mutter von drei Kindern und hat einen Pinscher zu Hause als Familienhund. 


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