Wann bekommt mein Kind einen Nachteilsausgleich?
Schule

Wann bekommt mein Kind einen Nachteilsausgleich?

Mehr Zeit bei den Prüfungen, andere Formen der Lernkontrolle und das Hinzuziehen von Hilfsmitteln: Massnahmen, um Kindern und Jugendlichen Prüfungssituationen zu erleichtern, gibt es einige –
aber wer hat Anrecht auf einen Nachteilsausgleich und wer nicht?
Text: Peter Lienhard
Bild:
DEEPOL/Plainpicture
Lia ist eine aufgeweckte Sechstklässlerin. Ihre Primarschulzeit hat sie ohne nennenswerte Probleme durchlaufen. Doch seit einigen Wochen macht sie kaum mehr etwas für die Schule. Aufgrund der stark gesunkenen Leistungen steht der Übertritt in den anspruchsvollsten Klassentypus der Sekundarstufe plötzlich infrage.

Robin besucht die vierte Klasse. Das Lernen fiel ihm seit Beginn seiner Schulzeit schwer. Obwohl sich der Junge immer voll einsetzte, brauchte er für fast alle Lerninhalte länger als seine Kameraden. Jetzt, in der Mittelstufe, öffnet sich die Leistungsschere immer weiter. Das macht Robin und auch seinen Eltern grosse Sorgen.
Behinderungsbedingte ­Nachteile müssen nach dem Gesetz ausgeglichen werden, insbesondere bei Prüfungen.
Eronita zog vor einem Jahr mit ihren Eltern in die Schweiz. Sie hat die deutsche Sprache von Grund auf lernen müssen und machte rasch Fortschritte. Trotzdem entsprechen ihre schulischen Leistungen noch nicht denjenigen, die sie aufgrund ihres intellektuellen Potenzials ­zeigen könnte.

Lia, Robin und Eronita haben derzeit mit unterschiedlichen Schwierigkeiten und «Nachteilen» bezüglich ihres Lernens und ihres Schulerfolgs zu kämpfen. Haben sie deshalb Anrecht auf einen Nachteilsausgleich in der Schule? Nein, das haben sie nicht. Jedoch: Sie haben Anrecht auf eine gezielte Unterstützung auf ihrem Lern- und Entwicklungsweg. Aber dazu später mehr.

Die Bundesverfassung verbietet Diskriminierung

Unbestritten ist: Für einzelne Schülerinnen und Schüler kann und muss es einen Nachteilsausgleich geben. Was sind das für Kinder und Jugendliche? Wo ist definiert, wer Anspruch darauf hat? Und wie muss man sich Massnahmen des Nachteilsausgleichs genau vorstellen?

Eine erste Antwort finden wir in der Bundesverfassung. Dort steht in Artikel 8, dass kein Mensch diskriminiert werden darf, sei es wegen seiner Herkunft, des Geschlechts, der sozialen Stellung oder einer Behinderung.
Bild: Gaetan Bally/Keystone
Bild: Gaetan Bally/Keystone
Der letzte Punkt wird im sogenannten «Behindertengleichstellungsgesetz» konkretisiert. Dieses legt unter anderem fest, dass behinderungsbedingte Nachteile bei der Bildung ausgeglichen werden müssen, insbesondere bei Prüfungen.
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Massnahmen müssen stets ­individuell festgelegt und ­dürfen nie standardmässig umgesetzt werden.
Genau das ist mit «Nachteilsausgleich» gemeint: Wenn ein Mensch aufgrund einer Behinderung sein Wissen und Können nicht richtig zeigen kann, muss ihm ein individueller Nachteilsausgleich gewährt werden.

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