Geschwister: Kriegsbeil und Friedenspfeife

Kinder können selten mit ihren Geschwistern, aber noch seltener ohne sie. Sie rivalisieren ein Leben lang um die Liebe ihrer Eltern. Sie sind einander Halteseil, aber auch lästige Fessel. Trotzdem ist es die längste Beziehung des Lebens.
Weisst du noch, als wir von unserem kleinen Bruder fünfzig Rappen verlangten, damit er unser Zimmer betreten durfte?

Weisst du noch, als wir einander durchs Haus gejagt haben, jeder bewaffnet mit einem Deospray unseres grossen Bruders?

Weisst du noch, wie oft du mich gehauen hast, weil ich dir angeblich einen Legostein geklaut habe?

Jeder, der Geschwister hat, kennt solche Geschichten. Man sucht sie sich nicht aus, die Geschwister. Man wird vor ihnen, nach ihnen oder zwischendrin in die Familie geboren und muss seinen Platz finden. Mit ihnen, gegen sie. Man bleibt ihnen lebenslang verbunden, meist länger als den Eltern oder dem Partner oder den eigenen Kindern. «For better or worse», wie die Engländer sagen.

«Auf Gedeih und Verderb»: Diese Ambivalenz ist typisch für viele Geschwisterbeziehungen. Innige Vertrautheit, Rivalität, Eifersucht, gegenseitige Unterstützung, Gleichgültigkeit, Liebe und Hass – alles kommt vor zwischen Geschwistern. Nichts wird ausgelassen.

Zum Beispiel bei Benjamin. Der Elfjährige sagt über seine beiden Geschwister: «Moritz wollte immer mit meinen Lego spielen und befand, das wären seine. Nie gab er sie zurück. Und meine Schwester erlaubt mir nicht, ihr Bad zu benutzen, bloss weil es näher an ihrem Zimmer liegt.»

Oder der elfjährige Matthias. Kaum kreuzen die Freundinnen seiner siebenjährigen Schwester auf, wird der ansonsten recht angepasste Junge zum grässlichen Störenfried. Er ärgert die Mädchen so lange, bis der Besuch weinend abzischt und er mitsamt Eltern zur Aussprache geladen wird. Fragt man ihn, weshalb ihn die Mädchen stören, sagt er: «Weil sie sich wie die Chefs aufführen!»

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