Frau Mulle, warum geraten Eltern und Lehrer so aneinander?

Eltern wünschen sich gute Bildung für ihr Kind. Lehrer wollen einen guten Job machen. Dennoch geraten beide immer wieder aneinander. Mediatorin Maya Mulle über verunsicherte Eltern, frustrierte Lehrer und wie das Verhältnis entkrampft werden kann.
Frau Mulle, das Verhältnis zwischen Lehrpersonen und Eltern wird an vielen Schulen als «Ausweitung der Kampfzone» beschrieben. Ist das so?
Vieles wird medial aufgebauscht. Ich wage zu sagen, dass ein Grossteil der Eltern gut unterwegs ist.

Und trotzdem schreiben Sie in der Unterstufen-Zeitschrift «4bis8»: «Es gibt Eltern, die man auf den Mars schicken sollte!»
Ja, manche Eltern wirken in der Tat unbelehrbar, sie scheinen ein «Motzer-Gen» in sich zu tragen, das sie stetig vorantreibt. Sie können Bestehendes nicht akzeptieren. Aber sie sind nicht in der Überzahl. Mit dem runden Tisch und dem Austausch darüber, was die Qualität der Schule ausmacht, können viele Konflikte verhindert werden.

Die Pädagogische Hochschule in Zürich predigt den angehenden Lehrerinnen und Lehrern, «die kooperative und konstruktive Zusammenarbeit mit Eltern ist der Normalfall».
Es wäre falsch, Studierenden Angst zu machen vor den Eltern. So wie sie auf die Eltern zugehen, werden sie meist auch empfangen.

Wenn es aber doch zu Streit kommt, werden Sie als Mediatorin von Schulen beigezogen. Worum geht es?
Die meisten Eltern wollen unterstützen. Sie begegnen neuen Schulformen und Lernformen, die für sie nicht nachvollziehbar sind und die sie zunehmend verunsichern. Dies geschieht vor allem in städtischen Schulen, in denen die Leistungsunterschiede besonders gross sind. Ergo bemängeln Eltern die Schulführung, die Lernzielerreichung, die Unterrichtsmethoden, die Benotung, die Vorbereitung aufs Gymnasium. Das können sachliche Motive sein, aber auch sehr persönliche. Oft werfen Sie den Lehrern vor, dass diese ihr Kind blossstellen. Es gibt aber auch Elterndelegierte, die sich nerven, dass sie nur zum Kuchenbacken, Kaffeekochen und Stoppuhrdrücken eingesetzt werden.

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