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Familienleben

«Ich lasse meine Kinder nicht im Stich. Niemals!»

Indika, 46, ist Automechaniker mit eigener Garage in Höri ZH. Seinen Söhnen Kai, 18, und Yanik, 16, bringt er bei, dass es sich lohnt, Dinge zu hinterfragen.
Aufgezeichnet von Martina Bortolani
«Eigentlich ist es ganz einfach mit dem Elternsein: Man darf die Kinder nicht im Stich lassen. Nie. Egal, was sie tun, man hat eine Pflicht, hinter ihnen zu stehen. Ich halte mich als Vater sehr streng an diesen Grundsatz.

Es ist mir aber klar, dass meine Rolle für die Jungs immer ‹uninteressanter› wird und ich sie gehen lassen muss. Das fällt mir manchmal schwer, ich bin fürsorglich und habe die Zeit, als sie klein waren, genossen. Doch je älter sie werden, desto weniger brauchen sie mich. Das ist gut für sie und schlecht für die Eltern.

Wir haben unsere beiden Söhne immer ziemlich verhätschelt. Meine Frau war zu Hause mit den kleinen Kindern, und ich habe in der Garage gearbeitet. Heute gehen beide ins Gymi. Kai, der Ältere, ist gerade an der Matur. Yanik macht den Abschluss in vier Jahren. Wenn sie zu Hause sind, lernen sie oft, und die gemeinsamen Stunden sind rar, aber schön. Ich sehe die Kids vorwiegend am Wochenende.

Kai und Yanik konnte ich bis anhin beibringen, dass es sich lohnt, Dinge zu hinterfragen. Sich für andere Menschen und Politik zu interessieren. Und über Arm und Reich nachzudenken. Das bedeutet für mich auch, dass sie verstehen, warum ich Automechaniker geworden bin: weil ich diesen Beruf gern habe. Und nicht, weil es mir für einen akademischen Titel nicht gereicht hätte. Weder Kai noch Yanik haben ein handwerkliches Flair, beide sind Kopfmenschen.

Es macht mich stolz, zu beobachten, wie dezidiert ihre Ansichten mittlerweile sind. Wir führen oft intensive Diskussionen, die ich anregend finde. Dampf lassen sie raus, wenn sie Fussball oder Badminton spielen. Das tun wir manchmal auch zusammen.

Meine Wurzeln sind in Sri Lanka. Ich wuchs in einer Lehrerfamilie mit vielen Geschwistern auf. Uns ging es verhältnismässig gut, aber das war nicht selbstverständlich. Darum predige ich den Kindern auch gerne, bescheiden zu sein. Mein Vater war ein Lebemann, meine Mutter eine stille «Chrampferin». Ich bin mehr wie sie. Ich gönne mir auch nicht so viel, probiere aber, mir meine Wünsche zu erfüllen. Im Moment interessiere ich mich sehr für Fotografie und belege auch Kurse. Yanik findet das cool. Manchmal sitzen meine Frau und ich mit Kai und Yanik am Tisch und schmieden Pläne für eine lange gemeinsame Reise. Das ist einer meiner grössten Wünsche. Es wäre schön, wenn wir ihn verwirklichen könnten. Wir werden sehen.»

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