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Elternbildung

Was tun, wenn mein Kind schlecht beeinflusst wird?

Eine Mutter macht sich Sorgen, dass ein Nachbarskind einen schlechten Einfluss auf ihr Kind hat. Und sie sieht negative Züge an ihrem Sohn, die sie von sich selber kennt. Jesper Juul gibt ihr Rat.
Text: Jesper Juul
Illustration: Petra Dufkova/Die Illustratoren
Eine Mutter schreibt: «In unserer Nachbarschaft wohnt ein sogenanntes Problemkind, das so alt ist wie mein ältester Sohn Lukas, sechs Jahre. Die beiden kommen im nächsten Sommer in die Schule und werden wahrscheinlich in dieselbe Klasse gehen.

Karl, so heisst der Nachbarsjunge, spricht mit ihm bekannten wie fremden Menschen in einem frechen Ton. Er macht immer wieder verbotene Dinge, zum Beispiel fährt er alleine über eine stark befahrene Strasse. Und die Kinder verhalten sich anders, wenn Karl dabei ist. Anstatt Fussball zu spielen oder auf dem Trampolin zu hüpfen, ziehen alle ihre Hosen herunter und springen halbnackt herum. Karl wirft mir dann Blicke provokative Blicke zu im Sinne von: ‹Ha ha, du kannst mich eh nicht aufhalten.› In solchen Fällen gehe ich weg, beobachte die Kinder aber von Weitem.
«Er benutzt Schimpfwörter, die er von uns nicht hört.»
Mutter von Lukas.
Ich weiss, dass die Kindergartenlehrperson Karl genau beobachtet. Sie fände es besser, wenn unser Sohn Lukas und Karl nicht in die gleiche Klasse gehen würden, da sie beide ‹Alpha-Buben› seien. Sie sagt, dass beide bei den anderen Kindern sehr beliebt sind. Wenn Lukas mit diesem Jungen zusammen ist, verhält er sich anders. Er benutzt Schimpfwörter, die er von uns nicht hört.

Ich erkenne in Karl viele Züge von den ‹Problemkindern›, mit denen ich als Kind in die Schule gegangen bin: diejenigen, die schon in der 3. Klasse schwänzten, die frech zu den Lehrpersonen waren oder in der 8. Klasse Hasch geraucht haben und betrunken in die Schule gekommen sind. Mit diesen Kindern ist es ja so, dass sie oft sehr cool sind und dass jeder mit ihnen zusammen sein will und so sein will wie sie.

Obwohl mein Sohn erst sechs Jahre alt ist, sehe ich viele negative Züge an ihm, die ich selbst hatte, als ich klein war. Er ist sehr prahlerisch auf eine Art, die andere schlechtmacht und sich selbst hervorhebt. Ich war genauso.

Ich habe nun zwei Fragen an Sie: 
  1. Kann ich Karl auf irgendeine Weise helfen? Soll ich mit seinen Eltern reden? Oder vielleicht besser mit ihm alleine?
  2. Wie soll ich mich meinem Sohn gegenüber verhalten, damit er stark genug ist und sich nicht mitreissen lässt, wenn Karl etwas Illegales tut? Damit er ein gutes Selbstwertgefühl bekommt, um beurteilen zu können, was richtig und falsch ist, und um die richtigen Entscheidungen zu treffen?»

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