Macht Kriegsspielzeug Kinder aggressiv?
Elternbildung

Macht Kriegsspielzeug Kinder aggressiv?

Eine verunsicherte Mutter sucht Rat: Sollen Eltern eingreifen, wenn sich Kinder gegenseitig mit Plastikpistolen «erschiessen» und so tun, als würden sie anderen Kindern die Kehle durchschneiden?
Text: Jesper Juul
Illustration: Petra Dufkova/Die Illustratoren
Unser fünf Jahre alter Sohn hat Spielfigu­ren, mit denen er sich ins Rollenspiel ver­tieft. Wir sehen ihn nicht als «Problemkind». Im Gegen­teil, wir erleben ihn als offen und lieb. Auch die Kinder im Kindergar­ten kommen gut mit ihm aus.

Einmal beobachtete ich dort, wie er mit einem älteren Buben mit zwei Stöcken spielte, als seien es Gewehre. Ich sprach mit befreundeten Eltern darüber und erhielt alle möglichen Antworten – von «Ach, wir haben doch als Kinder auch Cowboy und Indianer gespielt» bis «Das ist nicht okay, du musst etwas dagegen tun!».
 «Wenn er auf uns böse ist, formt er seine Finger zu einer Pistole und sagt «peng, peng»»
Unser Sohn hat ein Spielzeug­schwert und eine Plastikpistole. Manchmal spielt er mit Stöcken als Schwert oder Gewehr. Er erschiesst sich selbst und sagt: «Jetzt bin ich tot!», um ein paar Minuten später wieder zum Leben zu erwachen. Oder er fordert uns auf, mitzuspie­len, uns dabei gegenseitig zu er­ schiessen und uns tot zu stellen. Wenn er auf uns böse ist, formt er seine Finger zu einer Pistole und sagt «peng, peng». Auch andere Buben im Kindergarten machen das.

Wir haben uns entschlossen, vorerst nicht weiter darauf einzugehen. Wir glauben, dass sein Spiel mit dem Todsein eine unschuldige und harm­lose Form des Spielens ist. Er hat keinen Bezug zum Tod und sieht auch nie Beängstigendes im Fern­sehen. Wir machen uns Gedanken darüber und wählen auch aus, was er im Kinderfernsehen schauen darf. Er sieht mit uns keine Nachrichten, und auch bei seinen engen Freunden wird das zu Hause so gehandhabt.
Aber einmal mussten wir eingrei­fen. Er spielte mit seinen Spielfigu­ren, dass er einem Männchen die Kehle durchschneidet. Mein Mann und ich sahen uns an und sagten: «Oh nein, dieser arme Mann.» Unser Sohn entgegnete, der Mann sei ein Dieb. Mein Mann antwortete: «Aber das machen wir nicht mit Dieben. Sie kommen ins Gefäng­nis.» Darauf steckte unser Sohn die Figur ins «Gefängnis». Am nächsten Tag tat er so, als ob er seiner fünf Monate alten Schwester die Kehle durchschneide. Mein Mann reagierte sofort und sagte: «Ich will nicht, dass du so mit deiner Schwester spielst!» Unser Sohn sagte «okay» und spielte etwas anderes.
«Wo ist die Grenze, das Spielen zu verbieten?»
Meine Schwester erzählte mir kürzlich, dass ihre beiden Söhne, die vier und sieben Jahre alt sind, mit den Nachbarsbuben Bombenhagel nachspielen, ihre Mütter mit Bom­ben töten und sich gegenseitig köp­fen. Wie sie sagt, schauen die Nach­barsbuben mit ihren Eltern Nachrichten, in denen von Krieg, Entführungen und Terror berichtet wird. Sie hat nun versucht, den Kontakt zu diesen Nachbarskindern einzuschränken, und hat auch Regeln aufgestellt, was für sie okay ist und was nicht.

Aber wo ist die Grenze, das Spielen zu verbieten? Welches Spielzeug können wir ruhigen Gewissens unseren Kindern geben? Mit Spielzeugpistolen und Schwertern können sie sich nicht verletzen. Und wie ist das mit Spielfiguren von «Superhelden»? Wir wollen nicht, dass unser Sohn zum Gewalttäter wird.
Anzeige


0 Kommentare

Zugehörige Tags

Hat Ihnen unser Artikel gefallen? Unterstützen Sie unser Engagement für Eltern mit einer Spende!

Diesen Artikel kommentieren

Diese Webseite nutzt Cookies. Cookies werden zur Benutzerführung und Webanalyse verwendet und helfen dabei, diese Webseite zu verbessern. Durch die weitere Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit unserer Cookie-Police einverstanden. Mehr Infos hier.