Mediennutzung
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Bin ich attraktiv?

Zum «Wer bin ich?» kommt jetzt «Wie finden mich andere?» hinzu. Bin ich attraktiv? Werde ich gemocht? Natürlich eifern viele Mädchen ihren Vorbildern auf Instagram nach, vergleichen sich auf der Plattform aber überwiegend mit ihren Altersgenossinnen.Wenn ihnen die Freundinnen in der Kommentarleiste mit vielen roten Herzchen Komplimente wie «Du Hübsche » oder «Du bist schön» machen, ist das wie ein unsichtbares Band zwischen ihnen: Sie würdigen gegenseitig ihre Inszenierungen. 
Vorbilder in den Medien 
verstärken Druck auf Jugendliche und Kinder.
Mädchen schminken und inszenieren sich dabei derart, dass ein Fremder nicht mehr erkennen kann, ob sie 12 oder 20 Jahre alt sind. Viele Erwachsene reduzieren das Selfie auf eine reine Selbstdarstellung und das Hecheln nach Anerkennung. Es gibt aber noch ein tiefergehendes Motiv. 
Schliessen Sie bitte für einen kurzen Moment die Augen und stellen Sie sich vor, wie Sie mit 13 Jahren ausgesehen haben. Wer möchte schon dahin zurück? Beim Gedanken an dieses frühere Ich steigt sofort das alte beklommene Gefühl hoch – und wir erinnern uns, wie kompliziert dieses Alter war. Mit 13 ist man kein Kind mehr, aber eben auch noch kein Jugendlicher. Dazu kommt, dass Kinder in der echten Welt sofort als Kinder erkennbar sind. Es gibt diese typische unwürdige Situation beim Bäcker, wenn die Verkäuferin die erwachsenen Kunden dem Kind vorzieht.

Die Sichtbarkeit, dass man ein Kind ist, kann im Internet durch Inszenierungen und Selfies überwunden werden. Das hätten wir alle selbst so gemacht, wenn es diese Technologie in unserer Jugendzeit gegeben hätte. Selfies haben aber auch Nachteile. Gerade durch die Vorbilder aus Fernsehen und sozialen Netzwerken steigt der Druck auf Jugendliche. Sie beugen sich viel stärker dem Diktat des Körperkults. Denn durch Selfies und Inszenierungen wächst die Bedeutung der äusseren Erscheinung.   
Mädchen schminken und inszenieren sich derart, dass ein Fremder nicht erkennen kann, ob sie 12 oder 20 sind. 
Es folgen weitere Zwänge wie etwa der, mit anderen mithalten zu müssen. Bleibt die Anerkennung der Peergroup aus, löst das sehr schlechte Gefühle bis hin zur Verzweiflung aus. Schlimmer noch: Machen bösartige Kommentare die Runden, entwickelt das Geschehen sehr schnell die negative Dynamik von Cybermobbing.

Das ist besonders paradox, weil Jugendliche unter anderem Fotos von sich machen, um die Kontrolle über ihr selbstgewähltes Aussenbild zu behalten. Doch im Pool des Internets gibt es keine Kontrolle darüber, was Freunde, Bekannte und Fremde daraus machen. Ein besonders schlimmes Beispiel sind dabei die Sextingbilder, also wenn Jungs Aufnahmen von ihrem Penis oder Mädchen Aufnahmen ihrer Brüste versenden.   
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