Umweltschutz als Familienprojekt
Psychologie

«Umweltschutz sollte zum
Familienprojekt werden»

Wir wissen, dass es schlecht um das globale Klima steht – die Umweltpsychologin Hannah Scheuthle sagt, warum es uns trotzdem so schwerfällt, unser Verhalten zu ändern. Die Umweltexpertin über festgefahrene Muster, den Wunsch, Weihnachten am Strand zu verbringen, und wie Familien es schaffen, nachhaltiger zu leben. 
Text: Ulrike Légé
Bild: Robert Lang/Stocksy 

Frau Scheuthle, was haben Sie ganz persönlich heute für den Schutz unserer Umwelt getan? 

Gute Frage. Als ich heute Morgen den Bus verpasst habe, bin ich zu Fuss zur Arbeit ins Bundesamt für Umwelt gegangen. Mittags habe ich vegetarisch gegessen, abends mit veganen und Bioprodukten gekocht. Danach habe ich all meine Zimmerpflanzen mit torffreier Blumenerde umgetopft. Allerdings finde ich, das Relevante spielt sich über einen längeren Zeitraum ab, denn beim Umweltschutz geht es ja um die Dinge, die wir dauerhaft tun oder eben nicht. 

Wie steht es denn hierzulande um unsere Umwelt? 

In der Schweiz hat sich die Qualität von Luft und Wasser in den letzten Jahren sogar verbessert. Global jedoch schreitet die Umweltzerstörung ungebremst voran, wobei Klimawandel, Aussterben von Tier- und Pflanzenarten und Verluste an fruchtbarem Boden sehr grosse Probleme verursachen. 

Müssen wir uns in der Schweiz für die weltweite Umweltzerstörung verantwortlich fühlen? 

Ja, denn wir tragen eine direkte Mitverantwortung. Wir verursachen drei Viertel aller Umwelt-Probleme durch das, was wir in der Schweiz konsumieren, nutzen und entsorgen, im Ausland. Für unseren Wohlstand leiden Menschen in anderen Regionen sehr stark. Schon jetzt kostet der Klimawandel dort Leben. 

Was wäre der erste Schritt, um nachhaltiger zu leben? 

Um aktiv zu werden, muss ich wissen, was ich persönlich zur Verbesserung der Situation beitragen kann. Das stärkt mein Verantwortungsgefühl. Wenn ich mich über Massentierhaltung informiere, wird es mir danach – zumindest für eine gewisse Zeit – fast unmöglich sein, konventionell produziertes Fleisch zu essen. 
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Wir alle kennen doch die Bilder der Umweltzerstörung. Trotzdem leben wir weiter wie vorher. 

Wichtig ist das gezielte Suchen nach Informationen. Wenn ich zufällig einen Artikel lese, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass ich verdränge oder Rechtfertigungen suche, warum es trotzdem okay ist, Fleisch aus Massentierhaltung zu essen. Wenn vor der Recherche jedoch der Entschluss steht: «Ich will etwas verändern », bin ich schon zu einer Verhaltensänderung bereit – und die Fakten können mich in meinem Entschluss bestärken. 

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