Nachhaltiger leben als Familie: Urike Légé erzählt
Familienleben

Fridays und Families for Future

An den «Fridays for Future» demonstrieren nicht nur Jugendliche, auch immer mehr Eltern und Grosseltern setzen sich für eine umweltfreundliche Zukunft ein. In der Familie unserer Autorin Ulrike Légé löste dies viele Fragen aus: Sollten wir nicht auch endlich anfangen, nachhaltiger zu leben? Aber was genau ist dabei wichtig und wie binden wir unsere Kinder ein? 
Text: Ulrike Légé
Bilder: zVg & Canva
In den 90er-Jahren hatte ich an den grossen Umwelt-Themen aktiv mitgearbeitet: Beim Berliner Umweltgipfel, der Giftmüll-Kampagne von Greenpeace und den ersten Gesetzen im Europa-Parlament gegen gentechnisch manipulierte Pflanzen und Tiere war ich dabei. Mit dem Outrigger-Kanu fuhr ich durch Polynesien, um Korallenriffe zu retten, mit dem Fahrrad durch Hamburg, um Vögel zu schützen.

Zwanzig Jahre später fahre ich Mini-Van, denn nur da passte die ganze Familie herein. Unser Zuhause habe ich nicht nach Minergie-Standard umbauen lassen, das war einfach zu teuer. Und meine Arbeits-Projekte suche ich pragmatisch statt idealistisch aus, schliesslich muss ich eine Familie miternähren. Immer schien es bislang gute Gründe zu geben, mit jedem Jahr ein Stück weniger nachhaltig und engagiert zu leben. 
Ulrike Légé ist Biologin. In den 90er-Jahren arbeitete sie aktiv an Umweltschutzprojekten mit. Hier auf Besuch im Europaparlament als die ersten Umweltschutz-Gesetze verabschiedet wurden.
Ulrike Légé ist Biologin. In den 90er-Jahren arbeitete sie aktiv an Umweltschutzprojekten mit. Hier auf Besuch im Europaparlament als die ersten Umweltschutz-Gesetze verabschiedet wurden.
Doch seit die Wälder auf der ganzen Welt brennen, ist auch mein Umwelt-Interesse wieder entflammt. Ich frage mich: Müssten wir als Eltern nicht mehr tun, als Diesel zu fahren, ein bisschen zu recyclieren und meistens Stofftaschen beim Einkauf dabeizuhaben? 

Christoph Meili vom World Wide Fund for Nature, Schweiz, beantwortet mir dies mit einem dringlichen Ja. «Wenn wir so weitermachen wie bisher, wird sich die Erde um drei bis vier Grad erwärmen. Allein das bedeutet über ein Drittel Ernte-Einbussen und ein Aussterben von rund 40 Prozent aller Tier- und Pflanzen-Arten. Vier von fünf Gletschern werden bis zum Ende des Jahrhunderts verschwunden sein», warnt er.

Neue Initiativen: Eltern werden aktiv für ihre Kinder

Dass dies düstere Aussichten für unsere Kinder sind, ist den meisten Müttern und Vätern wohl bewusst, auch, wenn es in der Schweiz bislang keine Studien gibt, die das Umweltbewusstsein von Eltern gesondert untersuchen, sagt mir die Umwelt-Psychologin Dr. Hannah Scheuthle vom Bundesamt für Umwelt. Als ich beginne, nach konkreten Initiativen zu suchen, treffe ich aber viele Eltern, die genau dies motiviert. Um schweizweit politisch aktiv zu werden, startete Jonas Hostettler aus Zürich mit Petra Schmidt und Victor Garcia zum Beispiel die Gruppe «Eltern fürs Klima». Über 2000 Mitglieder traten in wenigen Monaten bei. 

Damit es vor Ort umweltfreundliche Produkte gibt, setzt sich Sonja von Känel mit drei weiteren Müttern dafür ein, den Wochenmarkt in Therwil BL wiederzubeleben. «Nicht jeder schafft es in die Hoflädeli und der Markt ist eine jahrhundertalte Art, verpackungsarm einzukaufen», erklärt sie. «Mit Unterstützung der Gemeinde und Spende der lokalen Brocki wird das Projekt nun in unserem Dorf verwirklicht».

Lokal ökologisch einkaufen zu können, das war auch die Motivation der Product Designerin Ingrid Sanguanini. Im ältesten Chalet von Appenzell verkauft sie ökologisch produzierte Produkte und Kleidung. «Wir fanden auf dem Land kaum Nachhaltiges mit schönem Design – also verkaufe ich sie jetzt einfach selber», erzählt sie. Andere Familien pflanzen und ernten in modernen Kooperativen gemeinschaftlich Kräuter, Obst und Gemüse. 
Umweltprojekte an exotischen Orten inklusive kurzer Pause auf der Palme: «Mit dem Outrigger-Kanu fuhr ich durch Polynesien, um Korallenriffe zu retten», sagt Ulrike Légé.
Umweltprojekte an exotischen Orten inklusive kurzer Pause auf der Palme: «Mit dem Outrigger-Kanu fuhr ich durch Polynesien, um Korallenriffe zu retten», sagt Ulrike Légé.
Sie lassen ihre Haushaltsgeräte in einem der 156 Schweizer Reparatur-Cafès warten und flicken. Viele Eltern mieten Baby- und Kinder-Kleidung, statt sie zu kaufen, und gehen in Unverpackt-Läden einkaufen, die es hierzulande schon an über vierzig Orten gibt. Und sie bemühen sich, ganz konkret im Alltag nachhaltig zu handeln. 

Doch was bedeutet es überhaupt, nachhaltig zu leben? Aus dem Bio-Studium erinnere ich mich, dass der Begriff «Nachhaltigkeit» aus der Forstwirtschaft stammt: In einem nachhaltig bewirtschafteten Wald wird jedes Jahr nur so viel Holz geschlagen, wie auch nachwächst. Für uns Menschen bedeutet dies, den eigenen Naturverbrauch durch sparsame, effiziente Nutzung und Wiederverwertung von Ressourcen innerhalb der Grenzen zu halten, die uns der Planet Erde setzt. 
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