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Schule

Die digitale Schule

Text: Bianca Fritz
Bilder: Christian Aeberhard und Salvatore Vinci / 13 Photo
Schon bald benötigen wir in 90 Prozent aller Berufe digitale Kompetenzen. Wie bereiten die Schweizer Schulen unsere Kinder auf diese Berufswelt vor? Warum ist es so schwierig, digitales Lernen einzuführen? Und lernt man am Tablet besser als mit dem Schulheft? Eine Spurensuche. 
 Planarbeit im Hofmatt-Schulhaus Arth, einer Projektschule für «Bring your own device» («Bring dein eigenes Gerät mit»): Auf den Tischen der 5. Klasse liegen Tablets und Smartphones neben Heften und Stiften. Viele der meist 12-jährigen Schüler tragen Kopfhörer. Ein Schüler lümmelt auf dem Fensterbrett, scannt einen QR-Code mit seinem Tablet, schaut sich ein Youtube-Video an und beantwortet Fragen dazu. 

Ein anderer hört einen Text auf Französisch, den der Lehrer in der virtuellen Cloud hinterlegt hat. Gleichzeitig liest er den Text im Arbeitsheft mit und stoppt, um in einer Vokabel-App Wörter nachzuschlagen. Diese schreibt er wiederum mit Bleistift ins Heft.
 
Nebenan hören Schülerinnen mit Kopfhörern gemeinsam ein Diktat auf dem Tablet und schreiben von Hand mit. Ob alles richtig ist, können sie anschliessend selbst kontrollieren – die Datei dazu liegt in der Cloud.

Szenenwechsel, Primarschule Bläsi in Basel. Die Lehrerin Ursula Grunder eröffnet die Programmierstunde. Die Primarschüler sollen mit einer virtuellen Schildkröte eine Blume auf dem Bildschirm zeichnen. «Wer kann mir helfen, mit dem Repeat-Befehl eine Blumenform zu programmieren?» Rascheln. Niemand meldet sich. Sie versucht es anders: «Wie viel Grad macht die Schildkröte, wenn sie sich viermal um 90 Grad dreht?» Jetzt schnellen die Hände in die Höhe. «360 Grad», ruft ein Mädchen. «Sehr gut!», sagt Grunder. «Wenn die Schildkröte 360 Mal einen Schritt macht und sich um ein Grad dreht, dann bekommen wir einen Kreis. Welchen Befehl müssen wir nun der Schildkröte geben, damit sie einen Kreis zeichnet?» Wieder schnellen ein paar Hände hoch. «repeat360 Klammer fd 1 rt 1 Klammer!», tönt es aus der anderen Ecke. «Genau! Super gemacht!» Ursula Grunder dreht sich zur Wandtafel und schreibt den Befehl auf. So geht es weiter, bis die Schüler den ganzen Code haben – dann hopsen die Kinder vom Stuhlkreis zurück an die Rechner, um den Befehl auszuprobieren.

Zwischen verstaubtem PC-Raum und «Bring your own device»

Noch ist das digitale Lernen keine Selbstverständlichkeit in Schweizer Schulhäusern. Aber Projektschulen wie die beiden oben genannten weisen die Richtung, in die es geht: ein selbstverständliches Hin und Her zwischen Heft und Tablet, Primarschüler, die mit ihrer eigenen Programmiersprache die Regeln der Programmierung verstehen lernen. 

Wie digital sind die Schweizer Schulen heute schon? Was können Eltern erwarten? Während in vielen Primarschulen noch analog gelernt wird, kommen Schweizer Schülerinnen und Schüler spätestens in der Sek I und Oberstufe wohl überall mit digitalen Medien in Berührung. Wie viel und was die Kinder am Computer machen, ob sie auf alte Schulgeräte im Computerraum oder das Handy zugreifen und wie schnell ihre Internetverbindung ist, ist allerdings extrem unterschiedlich. Es hängt von der Schule und vor allem von der jeweiligen Lehrperson und ihrer Technikaffinität ab.
Programmierunterricht an einer Basler Primarschule. Foto: Christian Aeberhard / 13 Photo
Programmierunterricht an einer Basler Primarschule. Foto: Christian Aeberhard / 13 Photo
Mit der Einführung des Moduls «Medien und Informatik» des Lehrplans 21 werden Lernziele rund um digitale Medien allerdings fest in der Volksschulbildung verankert. Ein grosser Teil der Kantone hat diesen Lehrplan unterzeichnet und setzt ihn Schritt für Schritt um. Demnach lernen Schülerinnen und Schüler künftig schon in der Primarstufe Anwendungskompetenzen und das kritische Hinterfragen von Medien. Und sogar der Bereich Informatik ist mit Grundkenntnissen von Programmiersprachen enthalten. (Mehr zum neuen Medienmodul im Lehrplan 21.) Diese digitale Bildung wird im Lehrplan als eine Notwendigkeit beschrieben, um die Schülerinnen und Schüler auf die immer stärker digitalisierte Berufswelt vorzubereiten. Nach EU-Schätzungen erfordern bald 90 Prozent aller Berufe digitale Kompetenzen.

Die pädagogischen Hochschulen (PH) bieten eine Weiterbildung für Lehrpersonen an, die «Medien und Informatik» unterrichten werden und oft gerade im Bereich Informatik Wissenslücken aufweisen. Laut Rahel Tschopp, Bereichsleiterin Medienbildung und Informatik an der PH Zürich, füllen sich die Plätze für diese Weiterbildung sehr schnell,  und auch in der Grundausbildung für neue Lehrpersonen erhält der Bereich einen immer grösseren Stellenwert. Ziel sei, dass mittelfristig alle Lehrpersonen über die erforderlichen Kompetenzen verfügen, Inhalte aus Medienbildung und Informatik in den Unterricht einzubringen. Momentan würden dies vor allem Lehrerinnen und Lehrer mit einer Affinität für Medien und Informatik oder einer abgeschlossenen Weiterbildung umsetzen, so Rahel Tschopp.

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