Stefanie Rietzler: Was ist das Beste für mein Kind?
Elternbildung

Ich kann mich nicht entscheiden!

Oft meinen wir, auf unseren Kopf hören zu müssen, wenn wichtige Entscheidungen anstehen. Dabei ist unsere Intuition kein schlechter Ratgeber, findet unsere Kolumnistin.
Text: Stefanie Rietzler
Illustration:
Petra Dufkova / Die Illustratoren
Wer Kinder hat, stellt sich viele Fragen: «Unser Bub ist gerade vier geworden. Sollen wir ihn bereits in den Kindergarten schicken oder noch ein Jahr warten?» «Können wir es unseren Kindern zumuten, wegen eines Jobangebots ins Ausland zu ziehen?» «Sollen wir unser Kind abklären lassen oder stecken wir es damit womöglich in eine Schublade?»

Immer wieder müssen wir überlegen, was das Beste für uns und unsere Kinder ist. Dabei gilt es Entscheidungen zu treffen, deren Folgen wir oft kaum abschätzen können. Wenn wir uns unsicher sind, suchen wir nach Informationen, fragen andere nach ihren Erfahrungen, bitten unser Umfeld um eine Einschätzung, gehen zum Schnuppertag oder schreiben Pro-und-­Contra-Listen und versuchen, die Argumente zu gewichten. Häufig reicht das aus, manchmal werden wir durch all die Informationen nur noch unsicherer.

Bauch oder Kopf 

Oft denken wir, dass wir Entscheidungen mit dem Verstand treffen und unsere Argumente schlüssig darlegen müssen. Gerade bei grösseren Entscheidungen entsteht der Druck, es sich «gut zu überlegen». Aber ist der Verstand wirklich immer unser bester Ratgeber?

Der portugiesisch-amerikanische Neurowissenschaftler António Damásio und sein Team führten dazu ein inzwischen berühmt gewordenes Experiment durch. Versuchspersonen sassen an einem Tisch, angeschlossen an ein Gerät, das die körperliche Stressreaktion messen konnte. Nun durften sie an einem Glücksspiel teilnehmen, bei dem sie aus zwei verdeckten Stapeln Karten ziehen konnten. Einer dieser Stapel war insgesamt vorteilhafter: Er bescherte zwar nur kleine Ge­­winne, aber nicht so grosse Verluste. Ungefähr nach zehn Zügen meldete das Messgerät eine Stressreaktion, wenn die Versuchspersonen die Hand nach dem schlechten Stapel ausstreckten. Sie nutzten diesen nun seltener. Nach etwa 50 Durchgängen entwickelte sich aus dieser körperlichen Reaktion ein Gefühl, das die Versuchspersonen als Abneigung benennen konnten. Es waren aber rund 30 weitere Durchgänge nötig, bis die Probanden das Spiel bewusst durchschauten und ihre Abneigung begründen konnten.
Wenn wir unsicher sind, suchen wir nach Informationen. Oft werden wir dadurch nur noch unsicherer.
Sogar bei Personen, die die Logik bis zum Ende nicht verstehen konnten, zeigte der Körper zuverlässig an, welcher Stapel der bessere ist – und auch sie begannen den schlechten Stapel zu vermeiden, ohne dies begründen zu können. 

Es lohnt sich also, bei Entscheidungen unsere Intuition miteinzubeziehen und nicht immer nur danach zu gehen, welche Alternative scheinbar mehr Pluspunkte auf der Pro-Liste verbuchen kann.

Unser Gehirn verarbeitet jede Sekunde Unmengen an Informationen, wobei nur ein sehr kleiner Teil bis in unser Bewusstsein vordringt. Dabei hat Intuition nichts mit Esoterik oder übersinnlichen Kräften zu tun – vielmehr beruht sie auf Erfahrungswerten, die uns bewusst oft nicht zugänglich sind. 

Doch wie zapfen wir diese ­Quelle an? 

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