Elternbildung
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Sie vergleichen eine Familie mit einem Wirtschaftsunternehmen?

Ein Unternehmen zu führen bedeutet, stets einen Blick nach vorne zu werfen und sich zu fragen, was es braucht, damit dieses Unternehmen auch in Zukunft florieren und nicht untergehen wird. Warum stellen wir uns diese Frage nicht auch in Bezug auf unsere Kinder? Es ist schliesslich unsere Aufgabe, sie vorzubereiten auf das, was sie da draussen erwartet. Eltern sind heute als Führungspersonen gefragt.

Was zeichnet sie als solche aus?

Die Tatsache, dass sie auf dem Laufenden sind. Ich muss wissen, womit sich mein Kind beschäftigt, was WhatsApp, Instagram und so weiter ist. Die Behauptung, unsere Kinder seien uns als Digital Natives in diesen Angelegenheiten überlegen, halte ich für reine Bequemlichkeit. Was ich sagen will: Eine Führungsperson stellt nicht einfach Regeln auf, sondern geht voraus, macht es vor. Sonst ist sie nicht glaubwürdig. Das verlangt von Eltern aber Verbindlichkeit, und damit haben wir Erwachsenen unsere liebe Mühe.

Warum?

Weil es zu attraktiv ist, uns alle Optionen offenzuhalten. Ich coache auch Eltern und dort erlebe ich das oft. Da sind zum Beispiel die Eltern, die ihrer erst fünfjährigen Tochter Ballettstunden ermöglichen. Auf meine Frage, warum sie das tun, antworten sie, Sport sei doch gut. Aber was lernt das Kind fürs Leben, wenn die Eltern ihm jeden Mittwoch die Tasche packen und es zur Stunde chauffieren? Ich fragte, ob das Mädchen nicht mehr davon hätte, erst mit sieben ins Ballett zu gehen.

Das wäre Ihrer Meinung nach besser?

Ja, so könnte das Mädchen lernen, den Weg allein zurückzulegen. Dafür müsste sie aber Bus fahren und einmal umsteigen, entgegnete der Vater. Mein Vorschlag, es gemeinsam zu üben, kam nicht sonderlich gut an. Es braucht zu viel Zeit, und die kann der Vater anders nutzen. Doch was bedeutet diese Entscheidung für ihn als Führungsperson?
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Sagen Sie es uns.

Sie entlarvt ihn. Wissen Sie, ich verstehe sein Dilemma, ich übte mit einem meiner Söhne selbst wochenlang Busfahren, und es war nicht so, dass ich nichts anderes zu tun gehabt hätte. Doch wenn wir Erwachsene uns nicht in die Pflicht nehmen, verbindliche Engagements einzugehen, wie können wir dann von Kindern Verbindlichkeit erwarten? Dann macht das Kind eben nur einen Kurs statt drei, dafür hat es davon mehr als reine Bespassung. Und um nochmals aufs gemeinsame Busfahrenüben zurückzukommen: Kinder sehen die Mühe, die wir mit solchen Aktionen auf uns nehmen, auch wenn sie dies nicht immer zu erkennen geben. So sichern wir Eltern uns ihre Anerkennung als Führungsperson.

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