Was braucht eine Familie, um glücklich zu sein?
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Was braucht eine Familie, um glücklich zu sein?

Lesedauer: 2 Minuten

Glück ist nicht unbedingt laut oder bunt. Oft zeigt es sich in vermeintlich unscheinbaren Momenten des Familienalltags, sagt der Psychologe und erfolgreiche Buchautor Fabian Grolimund.

Interview: Redaktion Fritz+Fränzi
Bild: Pexels

Herr Grolimund, wie lautet Ihre persönliche Definition von Glück?

Für mich hat Glück sehr viel damit zu tun, mich mit anderen verbunden zu fühlen und gleichzeitig meinen Weg gehen zu dürfen. Wenn ich gemeinsam mit Menschen, die mir wichtig sind – Familie und Freunde – etwas tun darf, das mir sinnvoll erscheint oder mich interessiert, dann fühle ich mich am glücklichsten. 

Ist Glück lernbar – oder einfach Glückssache?

Beides. Wie zufrieden wir sind und wie leicht es uns fällt, uns wohlzufühlen, hängt zu einem nicht unwesentlichen Teil von unserer genetischen Ausstattung ab. Es gibt Menschen, die einfach ein sonniges Gemüt mitbringen. Daneben gibt es aber viele Gewohnheiten und Entscheidungen, die unser Glück beeinflussen. Je besser wir wissen, welche davon sich besonders stark auf unser Wohlbefinden auswirken, desto mehr haben wir unser Glück selbst in der Hand.

Fabian ist Psychologe und Buchautor. Gemeinsam mit ­Stefanie Rietzler leitet er die Akademie für Lerncoaching in Zürich. Er ist verheiratet, Vater eines Sohnes und einer Tochter und lebt mit seiner Familie in Fribourg.

Welche Voraussetzungen braucht es, damit eine Familie glücklich ist?

Für Glück im Sinne von langfristigem Wohlbefinden braucht es gar nicht so viel: Zum Beispiel Zeit, um Beziehungen zu pflegen, schöne Momente, die man teilt, wertvolle Ziele, für die man sich engagiert, das Gefühl, dass das, was man tut, sinnvoll ist. Es ist aber gar nicht so einfach, diese elementaren Dinge im Blick zu behalten: Oft opfern wir das Wichtige für das scheinbar Dringende oder verlieren uns in unnötigem Konsum.

Wie stark sind Eltern für das Glück ihrer Kinder verantwortlich?

Viele Faktoren tragen dazu bei, wie glücklich sich ein Mensch fühlt. Natürlich wird das eigene Glücksempfinden im Hier und Jetzt auch davon beeinflusst, was wir als Kinder erlebt haben. Eltern sind ein wichtiger Teil dieser Kindheit. Haben wir uns geliebt und angenommen gefühlt, hatten unsere Eltern Verständnis für uns und haben sie uns unsere Autonomie zugestanden, uns erlaubt, uns selbst kennenzulernen und eigene Wege zu gehen, dann fällt es uns als Erwachsene leichter, glücklich zu sein. Falls wir das Gegenteil erlebt haben, müssen wir viel stärker um unser Glück ringen. 

Zusammen mit Stefanie Rietzler haben Sie «Jaron auf den Spuren des Glücks», ein Kinderbuch über die Suche nach dem Glück geschrieben. Wie findet das Glück zu uns?

Oft in unscheinbaren, alltäglichen Momenten, zum Beispiel, wenn uns eine fremde Person anlächelt, eine Gruppe Zugvögel über uns hinwegfliegt oder wir bei einem Waldspaziergang einen sonnigen Herbsttag geniessen können. Wenn wir uns Zeit nehmen, etwas bewusst zu geniessen. Wenn wir etwas finden, das uns interessiert und uns in einer Tätigkeit verlieren. Aber auch in schwierigen Phasen, wenn wir merken: Es gibt Menschen, die zu mir stehen, mir zuhören und mir den Rücken stärken – ich bin nicht allein.

Event-Tipp

Mehr zum Thema erfahren Sie im Rahmen des «Kosmos Kind»-Talks «Was braucht eine Familie, um glücklich zu sein?».

Sind Eltern für das Glück ihrer Kinder verantwortlich? Ist Glück lernbar oder Charaktersache? Diese und andere Fragen beantwortet Fabian Grolimund im Gespräch mit Nik Niethammer, Chefredaktor des Schweizer ElternMagazins Fritz+Fränzi. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Vortratsreihe Kosmos Kind statt.

8. November 2022, 19.00 Uhr
KULTURPARK, Pfingstweidstrasse 16, 8005 Zürich

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