Desktop september helikoptereltern hl
Redaktionsblog

Helikopter-Eltern: Unser Fokus im September-Heft

Sie haben einen schlechten Ruf. Dabei wollen sie nur perfekt sein. Was ist so schlecht an zu viel Fürsorge? Im Fokus des neuen Hefts stehen Helikopter-Eltern. Chefredaktor Nik Niethammer stellt das Dossier und weitere Themen der neuen Ausgabe im Video vor. Sie erhalten das neue Magazin ab dem 13. September am Kiosk oder können es online bestellen.
Text: Nik Niethammer
Bild und Video: Florina Schwander
Chefredaktor Nik Niethammer stellt Ihnen die Themen des neuen Hefts im Video vor
Hände hoch: Sind Sie eine Mutter, die jede Bewegung ihres Kindes auf dem Spielplatz schweissgebadet mitverfolgt? Oder gehören Sie zu den Vätern, die ihr Kind regelmässig zur Schule fahren und beim kleinsten Problem sofort eingreifen? Nein, höre ich Sie sagen. Helikopter-Eltern – wir doch nicht. Helikopter-Eltern – Eltern, die wie ein Helikopter über den Köpfen ihrer Kinder kreisen, ihnen alles abnehmen, sie verwöhnen und bemuttern –, das sind immer nur die anderen. Dabei, so schätzen Experten, erzieht jedes fünfte Elternpaar in der Schweiz seine Kinder zur Unselbständigkeit. Nun, fragen Sie, was ist denn dagegen einzuwenden, wenn Eltern versuchen, perfekt zu sein, sich um ihr Kind kümmern und es beschützen? Genau hier setzt unser Dossier an: Helikopter-Eltern sind meist höchst engagierte Mütter und Väter, die alles tun, damit es ihrem Kind gut geht. Und bereit sind, an sich zu arbeiten und auf Kritik zu reagieren.

Besonders möchte ich Ihnen den Helikopter-Eltern-Selbsttest ans Herz legen, ausserdem die Kolumnen von Jesper Juul und Michèle Binswanger. Die zweifache Mutter empfiehlt überfürsorglichen Eltern, nach dem Gärtnerprinzip zu erziehen: Boden bereiten, giessen, wachsen lassen. Und später das Sprungtuch bereitzu­halten, falls mal ein Kind abstürzt.
«Mit Cola läuft es sehr gut», schreibt mir Miriam Bettschen. «Wir arbeiten intensiv daran, dass die beiden ein gutes Team werden.» Die beiden – das sind ihr achtjähriger Sohn Joel und Cola, ein 15 Monate alter Bordercollie-Mischling. Wie der autistische Bub und der ausgebildete Assistenzhund dank den Spenden der Leserinnen und Leser von Fritz+Fränzi Ende Juli zueinandergefunden haben und wie sich das Leben von Joel an der Seite seines neuen Begleiters verändert hat, lesen Sie in der neuen Ausgabe und hier: Joels Autismus-Begleithund heisst Cola
«Keine Meise, keine Möwe,
kann so brüllen wie ein Löwe.
Doch versteht der Wüstenkönig 
wiederum vom Fliegen wenig.
Der eine kann dies, der andere das, im Grunde genommen
kann jeder was.»
Paul Maar, deutscher Kinderbuchautor («Das Sams»)
«Der erste Schritt zum Lernen ist die Liebe zum Lehrer», schrieb der Theologe Erasmus von Rotterdam vor 500 Jahren auf die Frage, was einen guten Lehrer auszeichnet. In dieser Ausgabe beschäftigen wir uns gleich in zwei Texten mit dieser Thematik. Im Monatsinterview meiner Kollegin Evelin Hartmann sagt die dänische Psychologin und Familientherapeutin Helle Jensen, dass sich Lehrerinnen und Lehrer stets bewusst sein müssen, dass sie die Verantwortung für die Beziehung zu ihren Schülerinnen und Schülern tragen. «Eine gute Lehrperson spürt, wie es einem Kind geht und was es braucht.» Die Lehrerin und Theaterpädagogin Barbara Stengl schreibt in ihrem Essay, dass eine gute Lehrerin sich sehr wohl den enormen Anforderungen vonseiten der Eltern, der Schulleitung, der Schüler bewusst ist – daran aber nicht zerbricht. «Indem sie auf ihre Ressourcen achtet, diese pflegt, sich selber ernst nimmt und lernt, abzuschalten und aufzutanken.»

Für mich persönlich ist ein guter Lehrer jemand, der erklärt, begleitet, anregt, führt. Der ermuntert, tröstet, sich für die Neigungen und Probleme seiner Schülerinnen und Schüler interessiert, etwas erwartet und einfordert, Widerstand aushält, offen kommuniziert und 
seinen Beruf mit Freude und grosser Leidenschaft ausübt.
Was macht für Sie eine gute Lehrperson aus? Schreiben Sie mir. Ich freue mich auf Ihre Post.

Herzlichst – Ihr Nik Niethammer 
Anzeige

Weiterlesen:

Die Themen unseres September-Magazins 2018 (09/18) interessieren Sie? Dann bestellen Sie die Ausgabe hier.

1 Kommentar

Zugehörige Tags

Hat Ihnen unser Artikel gefallen? Unterstützen Sie unser Engagement für Eltern mit einer Spende!

Diesen Artikel kommentieren

Von Andrea am 14.09.2018 20:52

Überfürsorgliche Helikoptereltern erweisen ihren verwöhnten, überbeschützten und verhätschelten, in Watte gepackten Kindern einen wahren Bärendienst statt Nutzen. Wie sollen diese Kinder jemals selbstständig, selbstvertraut und selbstsicher werden, wenn ihnen immer und überall alles (Unangenehme) abgenommen wird, ihnen alle Steine, Hindernisse und Hürden aus dem Weg geräumt werden und sie stets und überall sofort alles bekommen, ohne etwas dafür leisten zu müssen? Gute und schlechte Erfahrungen gehören zu einem normalen, gesunden, glücklichen Kinderleben dazu wie Siege, Niederlagen, Erfolge, Misserfolge, Hochs, Tiefs, Beulen, aufgeschlagene und blutige Knies. Kinder müssen auf die Schnauze fallen, um wieder aufstehen zu lernen. Sich loslösen und wortwörtlich abnabeln, ist wichtig, richtig und nötig - nicht nur für Kinder, sondern auch und besonders für die Eltern. Es ist ein steter, fortlaufender Prozess, der nicht erst mit dem Eintritt in die Spielgruppe bzw den Kindergarten beginnt, sondern schon viel früher, unmittelbar nach der Geburt mit dem Durchtennen der Nabelschnur. Doch häufig sind es nicht die Kinder, die Mühe mit Loslassen haben, sondern vielmehr deren Eltern...!

> Auf diesen Kommentar antworten